„Mitarbeiter haben Angst“ – Kippt der Standort des Autozulieferers Mahle in Neustadt?

Die Nachrichten werden nicht besser. Die Zukunft des Autozulieferers Mahle in Neustadt (Landkreis Kelheim) mit 420 Beschäftigten ist weiter ungewiss. Gespräche zwischen Unternehmensleitung und Gewerkschaften endeten nach Mitteilung der IG Metall zuletzt ohne Ergebnis. Die Furcht der Mitarbeiter ist groß, dass der Standort am Ende kippt.
„Die Mitarbeiter haben Angst. Sie haben sogar eine sehr starke Angst“, sagt ein junger Mann, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will und bei Mahle in Neustadt in der Produktion arbeitet. Es ist die Angst um den Arbeitsplatz, die bei dem Autozulieferer umgeht. Sie betrifft zum Teil auch ganze Familien. „Wir haben Kollegen, bei denen beide Ehepartner hier im Betrieb arbeiten. Das ganze Leben ist auf der Firma aufgebaut“, sagt der junge Mitarbeiter weiter.
Zum Hintergrund: Protest bei Mahle – Mitarbeiter wollen wissen, was aus dem Standort Neustadt wird
Die Angst um den Arbeitsplatz ist neu bei den Beschäftigten in Neustadt a.d. Donau. Jahrzehntelang ging es bei ihren Warnstreiks nur um mehr Gehalt, jetzt aber geht es erstmals um den Arbeitsplatz selbst, betont Gewerkschaftssekretär Christian Vossenkaul von der IG Metall-Geschäftsstelle in Regensburg. Das verschärft auch die Auseinandersetzung zwischen Gewerkschaft, Betriebsrat und Unternehmensleitung. Am Dienstag dieser Woche wurde gleich dreimal für eine Stunde die Arbeit niedergelegt. Die Mitarbeiter aller drei Schichten waren beteiligt. Die Streiks vom Dienstag sollen nicht die letzten sein. Vossenkaul kündigte „weitere Eskalationen“ an.
Früher ging es um fehlende Anschlussaufträge
Die Situation beim Autozulieferer Mahle ist nicht über Nacht entstanden. Immer schwieriger ist das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberseite in den letzten Jahren geworden. Oft ging es früher dabei darum, dass ein Großauftrag auslief, aber noch kein Anschlussauftrag vorhanden war. Immer wieder fand man in solchen Momenten Lösungen. Doch zuletzt ging es nicht um neue Aufträge. Die Betriebsräte und IG Metall vermissten die Bereitschaft seitens des Unternehmens, über die Zukunft des Standorts zu reden. Es geht um einen Sozialtarifvertrag.
Stattdessen kamen Gerüchte über eine Schließung auf. Auch von einem möglichen Käufer des Neustädter Werks wurde gesprochen, ohne dass jedoch ein Name genannt wurde. Und die Gespräche zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite wurden vom Arbeitnehmerlager bestenfalls als ergebnislos bezeichnet. Christian Neumeier, Betriebsrat bei Mahle in Neustadt a.d. Donau, meinte, er sei sich vorgekommen „wie im falschen Film“.
In einer Konzernmitteilung, die Mahle vor kurzem veröffentlichte, war davon bestenfalls zwischen den Zeilen zu lesen. Da berichtete der Konzern, dass er 2025 sein operatives Ergebnis verbessert habe, wobei er auch auf die Probleme in der Branche hinwies. „Mahle ist auf dem Weg zu profitablem Wachstum“, sagte Arnd Franz, Vorsitzender der Konzern-Geschäftsführung und CEO, anlässlich der diesjährigen Bilanzpressekonferenz in Stuttgart.
Weiter sagte Arnd Franz, der Konsolidierungsdruck gerade in Europa werde in den kommenden Jahren anhalten, vor allem, wenn sich die EU bei der CO2-Regulierung nicht öffne. Der CEO appellierte an die Politik in Stuttgart, Berlin und Brüssel, Wachstum zu ermöglichen und die CO2-Regulierung technologieoffen zu gestalten. Andernfalls drohten Investitionen und damit Standorte und Arbeitsplätze aus Europa und Deutschland abzuwandern.

Gemeinsam mit den bisher nach Gewerkschaftsangaben ergebnislosen Gesprächen über die Zukunft des Standorts Neustadt müssen spätestens in diesem Moment auch bei den Betriebsräten und Mitarbeitern die Alarmglocken geläutet haben. Die Folge sind die einstündigen Warnstreiks am Dienstag gewesen – erst um Mitternacht, dann um 12.30 Uhr und schließlich um 14.30 Uhr.
Es soll Bewegung in die Verhandlungen kommen
„Ziel der Warnstreiks ist es, Bewegung an den Verhandlungstisch zu bringen und der Konzernzentrale in Stuttgart unmissverständlich zu zeigen“, teilte die IG Metall mit. Die erste Verhandlung am 22. April hatte aus Sicht der Gewerkschaft keinerlei belastbare Zusagen hervorgebracht. An diesem Donnerstag sollen die Gespräche fortgesetzt werden.
Große Hoffnungen hat Peter Meier nicht. Er befürchtet: „Die wollen nicht offensiv mit uns über die Zukunft sprechen. Die wollen das Werk zumachen.“ Wenn aber die Verhandlungsbereitschaft der Arbeitgeberseite so aussehe wie zuletzt, „dann gute Nacht“.

Die Gewerkschaft versucht deshalb die Mahle-Mitarbeitern auch auf eine mögliche Schließung des Werks vorzubereiten. Vielleicht könne man wenigstens eine gute Abfindung erzielen, sagt Meier.
Der junge Mann aus der Produktion sagt: „Wenn es so kommt, finde ich wahrscheinlich wieder einen Job. Aber was ist mit den älteren Mitarbeitern?“ 80 bis 90 Neustädter Beschäftigte seien rentennah. Auch für sie müsse eine passende Lösung gefunden werden.