Triste Weihnachten: 420 Mitarbeiter bei Mahle in Neustadt sind ohne Perspektive

Von Martin Rutrecht · 25. Dezember 2025 um 11:00

Die weihnachtliche Freude hält sich bei den 420 Mitarbeitern des Autozulieferers Mahle in Neustadt (Landkreis Kelheim) in Grenzen: Die Zukunft des Werks ist völlig ungewiss. In 2026 läuft ein Großauftrag aus, die Konzernführung zeigt keine Perspektiven auf. „Das ist eine unerträgliche Hinhaltetaktik“, wettern Betriebsrat und Gewerkschaft.

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„Frust.“ Ein Wort genügt Peter Meier, stellvertretender Betriebsrats-Vorsitzender, um die Stimmungslage bei Mahle in Neustadt zu beschreiben. „Jeder fragt sich, warum man uns nicht sagt, was man mit uns vor hat.“ Das Werk im Landkreis Kelheim gehört zum Mahle-Konzern mit knapp 150 Standorten und 68.000 Mitarbeitern weltweit. Und seit Jahren schwebt ein Damoklesschwert über Neustadt.

Gefertigt werden im Werk Komponenten der Klimatechnik (Klimaanlagen) für mehrere Automobilhersteller. Im Sommer 2024 sicherte die Übernahme eines Auftrags für BMW von einem Standort in den USA den Fortbestand. Täglich 1200 Klimaanlagen werden im Rahmen dieser Order hergestellt. „Aber in 2026 läuft der Auftrag aus“, erklärt Meier.

Eine Produktionslinie vor dem Aus

Auf Null fällt das Werk damit nicht. Für Volvo (1300 Stück), Porsche und Jaguar Land Rover (750) sowie ein anderes BMW-Modell (400) wird über das nächste Jahr hinaus produziert. „Aber der Wegfall des Großauftrags kostet uns eine Produktionslinie“, so der 65-Jährige. „Wir hätten zu viele Beschäftigte.“ Ein Stellenabbau wäre unausweichlich, auch wenn es eine Beschäftigungssicherung bis Ende 2026 gebe. „Dann wird die Kündigung eben mit dem 1. Januar 2027 wirksam.“

„Das Bangen um die Arbeitsplätze geht über den Jahreswechsel weiter. Die Beschäftigten in Neustadt haben es satt, weiter hingehalten zu werden“, sagt Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg. Trotz des gut qualifizierten Personals und der nachweislich hohen Qualität der Produkte verweigere das Management in Stuttgart eine klare Entscheidung. „Es gibt keine Folgeaufträge, die das Werk langfristig auslasten, keine Standortzusage und somit auch keine Sicherheit für die Belegschaft“, erklärt Irmischer.

Gibt es eine Zukunft für den Autozulieferer Mahle in Neustadt im Landkreis Kelheim? - Foto: Markwirt

Der Konzern schweigt. Auf eine Nachfrage unserer Zeitung sagt eine Unternehmenssprecherin: „Zur Entwicklung von Zukunftskonzepten für die Standorte in Deutschland hat Mahle unter Mitwirkung der Tarif- und Betriebsparteien 2023 den Transformationsdialog gestartet. Dieser läuft derzeit mit hoher Intensität und vor Abschluss dieses Prozesses kommunizieren wir keine Informationen zu einzelnen Standorten.“

Dass die Automobilindustrie nach wie vor schwächelt, weiß man auch in Neustadt. Bei Mahle brach der Umsatz von 2023 auf 2024 um 1,1 Milliarden Euro auf 11,7 Milliarden ein. Der Konzern reagierte jüngst mit einer Neubesetzung der Leitungsstelle für den Bereich „Thermal and Fluid Systems“, dem Neustadt zuzurechnen ist. Ein im November angekündigter Stellenabbau „bezieht sich auf die indirekten Bereiche weltweit – mit Fokus auf den Regionen Nordamerika und Europa und hier insbesondere auf der Unternehmenszentrale in Stuttgart. Die Produktionsstandorte stehen nicht im Fokus“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Für Neustadt spricht laut Meier, „dass wir mit einem positiven Betriebsergebnis rausgehen“. Währenddessen laufe ein Werk in der Slowakei, das immer wieder als Alternativ-Standort genannt wird, defizitär. „Dass von einer Auslagerung dorthin gesprochen wird, kriegt bei uns kein Mitarbeiter in den Kopf“, sagt der BR-Vizechef (Anm. d. Red: Der Vorsitzende ist im Urlaub).

Wichtige Gespräche am 19. Januar 2026

Der IG Metall-Bevollmächtigte sagt mit Nachdruck: „Das Problem liegt nicht bei der Belegschaft oder an vermeintlich schwachen Zahlen, sondern einzig und allein an fehlenden Weichenstellungen für Neustadt, die das Management vornehmen muss.“ Mit der neuen Leitung für die Klimatechnik im Konzern erwarte man „endlich ein Umdenken“.

In „Einzelfällen“, so Meier, schauen sich Kollegen nach anderen Jobs um. „Als Erstes gehen die Fachkräfte. Aber insgesamt herrscht noch große Loyalität zum Unternehmen.“ Hoffnung setzt der Betriebsrat in ein Gespräch am 19. Januar 2026. Bei einem Treffen mit dem ebenfalls neuen Leiter für den Bereich Europa soll es Aussagen zur Zukunft geben. „Mit Protestaktionen halten wir uns bis dahin zurück“, sagt Meier. Immer wieder zu hören ist auch von einem möglichen Verkauf des Werks.

Rico Irmischer und die IG Metall wollen massiv für den Standort eintreten. „Es ist unerträglich, dass die Beschäftigten in Neustadt weiterhin hingehalten werden. Wir werden keine Ruhe geben, bis wir die Perspektive für die Belegschaft erkämpft haben, die sie sich verdient haben.“ Auch er spricht immer wieder mit Mitarbeitern. „Bei den einen herrscht Wut und Empörung, bei den anderen Resignation.“ Kein schönes Weihnachten.