Dank Nachfrage-Boom in den USA: Vorläufige Rettung für Mahle-Behr

Von Daniel Pfeifer · 7. Juli 2023 um 19:24

Zwei Wochen ist es erst her, dass vor dem Neustädter Werk des Autozulieferers Mahle-Behr rote Flaggen und Fäuste in den Himmel gereckt wurden. 250 Beschäftigte hatten am 23. Juni für die Zukunft des Standortes demonstriert. Der Erfolg kam kurz darauf: Die Jobs sind vorerst gesichert.

Seit der Demonstration kam laut der Gewerkschaft IG Metall Bewegung in die Verhandlungen. Am Mittwoch kam einer der Konzern-Chefs, Stefan Land, persönlich aus Stuttgart, um den Beschäftigten die frohe Botschaft in einer internen Betriebsversammlung mitzuteilen: Vorerst sind die Jobs sicher.

Bis zum Herbst 2024 sind laut Betriebsratschef Peter Meier die 420 Arbeitsplätze in Neustadt gesichert. Möglich mache das die Übernahme des Ersatz-Geschäfts „35UP“. Diese Klimaanlage wird im Mahle-Werk in Charleston in den USA hergestellt und vor allem in der X-Reihe von BMW in den USA verbaut. Weil aber das Auftragsvolumen erhöht wurde, kamen die Amerikaner an ihre Kapazitätsgrenze.

USA, Slowakei oder Bayern?

Es gab also mehrere Möglichkeiten: In den USA werden neue Montagelinien gebaut oder in Neustadt werden bestehende Linien dafür genutzt, die sonst stillstehen würden. Und auch in der Slowakei stünde eine neue Halle, in der eine Montagelinie installierbar gewesen wäre. Ende Juni fiel schlussendlich intern die Entscheidung: Neustadt baut die US-Klimaanlagen – 180000 Stück ab Februar. Grund für diese Entscheidung ist laut Gewerkschaft IG Metall auch der gewaltige Druck durch Belegschaft, Betriebsrat und Gewerkschaft.

„Es wäre auch denkbar gewesen, dass das Volumen nach Senica in der Slowakei geht“, sagt Rico Irmischer, Chef der IG Metall Regensburg. „Unsere Forderung war immer: Wir können das qualitativ besser und wir brauchen das deutlich dringender.“

Für die Beschäftigten ist die Entscheidung eine gewaltige Erleichterung. „Es ist für uns ein Riesenerfolg“, sagt Betriebsratsvorsitzender Meier. Er lobt, ebenso wie Irmischer, ausdrücklich das Konzern-Management. Zuletzt waren hohe Führungskräfte aus der Konzernzentrale Stuttgart gekommen. „Ich kann das nur loben, wenn die Entscheider auch wirklich vor Ort sind“, sagt Irmischer. Der Konzern selbst wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Einigung äußern. Wegen „laufender Gespräche“ wolle man die Vorgänge derzeit noch nicht kommentieren.

Zukunft in Klimaanlagen ist offen

Für die IG Metall bedeutet deren Entschluss nun: Protestaktionen gebe es vorerst keine, solange am Verhandlungstisch weiterhin Bewegung zu sehen sei, so Irmischer: „Solange wir am Tisch sitzen, sehen wir keinen Grund, demonstrierend vor dem Tor zu stehen.“

Dennoch ist die Arbeit des Betriebsrats nicht vorbei. „Wir haben jetzt mehr Zeit, nach neuen Aufträgen zu schauen, ob im Klima-Bereich oder außerhalb“, sagt Meier. Inwiefern dies einen Verkauf oder ein dauerhaftes Neu-Geschäft bedeutet, wird die Zukunft zeigen. „Da werden wir jetzt auch nicht lockerlassen“, sagt Meier. Gerade jetzt habe sich gezeigt: Wenn die Belegschaft zusammenhalte, könne man viel erreichen. „Der Druck, den wir gemacht haben, hatte bei der Entscheidungsfindung einen entscheidenden Anteil“, ist sich Meier sicher. „Sie haben gesehen, mit uns ist nicht zu spaßen.“