Neustadt soll wieder einen Maibaum bekommen – Resi Fellner ist nach „Notfall“ optimistisch

Die Stadt soll wieder einen Maibaum bekommen. 64 Jahre, nachdem der letzte Maibaum in der Innenstadt „an Altersschwäche“ gestorben ist, wird die Tradition wiederbelebt. Hinter der Idee steckt eine Frau.
Es ist Therese „Resi“ Fellner, Wirtin des Gasthauses Fellner in der Dr.-Balster-Straße, gleich hinter der St. Laurentius-Kirche. „Wir von der Wirtschaft wollen einen Maibaum aufstellen“, bestätigt sie im Gespräch mit dieser Zeitung. „Wir“, erklärt sie, das seien vor allem die Stammgäste ihrer Gaststätte. Die sollen beweisen, dass sie sich mit bayerischem Brauchtum auskennen. Drum soll der Baum vorm Wirtshaus aufgestellt werden.
Die Fellner Resi überlässt dabei nichts dem Zufall. Im vorigen Jahr gab es einen „Probelauf“. „Das war eigentlich ein ‘Notfall‘“, sagt die Wirtin. Der Baum war nur vier Meter hoch und bei der Dekoration wurde reichlich improvisiert. Unter anderem soll der Baum mit einem ausgedienten Adventskranz geschmückt worden sein. Aber das habe keiner gemerkt.

Heuer, verspricht die 71-Jährige, soll der Baum richtig schön werden. Er bekommt auch Taferln und bunte Bänder, was schön anzusehen sein wird, wenn die Bänder im Wind flattern. Allerdings wird der Maibaum in der City nicht besonders groß sein. Ungefähr sieben Meter misst er, was nicht sehr viel im Vergleich zu den „handelsüblichen“ Exemplaren ist, die zwischen 20 und 30 Meter hoch sind. Aber der Baum, der heuer aufgestellt wird, ist schon deutlich größer und schöner als sein Vorgänger vom vorigen Jahr.
Ein unrühmliches, dafür aber beeindruckendes Ende
Dessen Vorgänger gehörte dagegen in die Kategorie „stattlich“. Von ihm ist nicht mehr viel bekannt, zu lang ist es her, dass er in der Stadtmitte entstand. Mehr als sein unrühmliches Ende ist von ihm nicht überliefert, dafür war das um so beeindruckender.
Nach Recherchen des langjährigen Stadtarchivars Anton Metzger ist der Baum, der am Kirchplatz-Eck vor der heutigen Pizzeria Roma stand, am 12. Februar 1962 ohne jede Vorankündigung einfach umgefallen. Quer über die Herzog-Ludwig-Straße schlug der Baum in Richtung Raiffeisenbank, hinterließ aber sonst keinen Schaden, außer dass der Baum hernach nur mehr als Brennholz taugte.
„Die Legende besagt, dass ein paar Tage vorher noch der frühere Stadtrat Erwin Huber auf den Baum geklettert ist“, erzählt Anton Metzger. Erwin Huber lebt immer noch, der Baum nicht mehr. Keine Legende, sondern Wahrheit ist, dass der Maibaum während einer Trauung in der Pfarrkirche umfiel. Mit dem Aufstellen von Maibäumen in der Altstadt war es anschließend für Jahrzehnte vorbei.
Nur in den Neustädter Ortsteilen wurde der Brauch noch gepflegt. In den letzten Jahren wurde ihm verschiedentlich sogar neues Leben eingehaucht. So begründete Stadtheimatpfleger und Stadtrat Edi Albrecht einen Wettbewerb um den schönsten Maibaum und in Schwaig wurde in der Dorfmitte ein neuer Maibaumplatz vom Burschenverein angelegt, was, wie auch die Stadträte Mike Hartl und Günter Schweiger anerkennen, ein echter Zugewinn für das Dorf sei, können sich doch auf den Bänken am Maibaum die Einheimischen zum Ratsch treffen. Sogar einen Tisch gibt es, auf dem man seine Brotzeit ablegen oder eine Halbe abstellen kann.

Am 2. Mai soll auch die Kernstadt ihr Brauchtum zurückbekommen. „Um viere soll‘s an dem Samstag losgehen“, sagt die Fellner Resi. Mehr verrät sie nicht – und erst recht nicht, wo der Baum versteckt ist.
Hauptsache, dass Wetter spielt am 2. Mai mit
Keine einzige Andeutung macht die Wirtin. „Da haben mich schon viele gefragt“, sagt die Wirtin. „Aber ich sage nichts, der Baum ist gut verräumt.“ Es soll ihr ja nicht so gehen wie im vorigen Jahr den Sittlingern, als der Baum kurz vorm Aufstellen von den Maibaumfreunden Kirchdorf gestohlen wurde.
Damit bleibt als einziges Risiko fürs Aufstellen das Wetter. „Wenn das nicht mitspielt ...“, seufzt die Fellner Resi mitten in ihrer Wirtsstube. Doch die Gäste wissen Tröstliches: Am 1. Mai sei doch immer gutes Wetter und meist auch kurz davor und kurz danach. Und das könnte stimmen, zumindest auf alten Fotos und Postkarten sind nur Maibäume im strahlenden Sonnenschein zu sehen.
