Trocknet der Saxirlbach aus? – Fachmann beleuchtet Naturphänomen

Ein neues Problem tritt in Neustadt auf: Es gibt bisweilen nicht nur zu viel Wasser, weshalb Kanäle überlaufen. Es gibt auch Gräben, die staubtrocken sind und durch die kein Wasser abgeleitet wird. Ein Beispiel ist der Saxirlgraben. Eine Ursache ist der Klimawandel.
Von Mühlhausen fließt der Saxirlgraben östlich der Landshuter Straße (frühere B299) durch Felder und Wiesen nach Neustadt. Vor einem Jahrzehnt gelangte der Bach zu Bekanntheit, weil er einige hundert Meter östlich des Bahnhofs mit einem Tunnel unter der Eisenbahnlinie durchgeführt wurde. Dieser Tunnel hatte sich zu einer beliebten Abkürzung der Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Dann aber entschloss sich die Deutsche Bahn, den Tunnel zu schließen. Es gab Bürgerproteste, die aber erfolglos blieben. Der Durchgang, den man früher zumindest mit eingezogenem Kopf bewältigen konnte, ist geschlossen. Es führt nur noch ein Rohr unter dem Bahndamm entlang.
Das Wasser ist weg, aber wo ist es geblieben?
Durch den Tunnel fließt der Saxirlbach. Zumindest jetzt. Aber oft ist das Bachbett staubtrocken. Das verhindert zwar die Ausbreitung von Staunzen, sorgt bei den Einwohnern für Verwunderung. Die Frage lautet: Wo ist das Wasser geblieben?
Im Bau- und Umweltausschuss des Stadtrats gab es unlängst mehrere Antworten. Felix Schmitt H&S, das im vorigen Jahr mit der Untersuchung des Phänomens beauftragt wurde, berichtete, dass es „im Stadtgebiet sehr große industrielle Entnahmen gibt“. Eine andere Ursache, die Bewässerung von Hopfengärten, hatte er auch geprüft. Doch das, so Schmitt, habe „eigentlich nichts“ mit dem Saxirlgraben zu tun.
Schmitt prüfte daher auch andere Möglichkeiten – zum Beispiel Niederschlagsmengen. Auffällig sei, dass es im Frühjahr genug Wasser geben würde, dann jedoch der Grundwasserpegel in wenigen Wochen um einen halben Meter sinke. Als mögliche Ursache vermutet der Fachmann, dass sich zwei Jura-Grundwasserströme auswirken. Die sollen in Staubing dafür verantwortlich sein, dass dort im Sommer der Grundwasserspiegel sinkt.
Gleichzeitig – und das macht die Einschätzung nicht einfacher – könne man die sinkenden Pegel nicht darauf zurückführen, dass es möglicherweise zu wenig regne. Eher im Gegenteil: Die Regenmengen seien recht konstant, betonte Schmitt.
Die einzige verbleibende Ursache für trocken fallende Gräben wie den Saxirl ist aus Sicht des Fachmanns ist die Verdunstung. Die Idee: Es fällt weniger Wasser, als durch Versickerung und Verdunstung – insbesondere aufgrund gestiegener Temperaturen – verloren geht. Dadurch wird die Wasserbilanz negativ. Felix Schmitt beobachtet derartige Veränderungen seit zehn Jahren. Für ihn ist das „Klimawandel vor Ort“. Eine Änderung der Situation sei kaum möglich. „Die Hauptursache kriegen wir nicht weg. Beim Unterhalt geht a bisserl was“, sagte der Fachmann in der Sitzung. Klaus Amann, Geschäftsführer des VÖF Kelheim, bestätigte Schmitts Einschätzung. Das Hauptproblem sei nicht, dass es zu wenig regne, sondern dass zu viel verdunste.
Praktisch bedeutet das, dass man kaum mehr tun kann, als den Graben zu räumen. Sonst fließt das Wasser überall hin. Bürgermeister Thomas Memmel nannte diese Entwicklung besorgniserregend.
Größere Probleme in der Region erwartet
Darauf hatte auch eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) und der Ergo-Versicherung zu Jahresbeginn hingewiesen. Ein Ergebnis dieser Untersuchung: Rund um Regensburg und Kelheim wird der Klimawandel größere Probleme verursachen als in den Landkreisen Cham, Schwandorf oder Neumarkt. Besonders stark betroffen sind laut der Mitteilung Städte und Gemeinden in Küstennähe sowie entlang großer Flüsse. Klimawandel bedeutet neben Hitze auch Stürme und Starkregen.
Der mehrheitliche Beschluss des Bau- und Umweltausschusses, der aus dem Vortrag, folgte, zielt darauf, die Mahd von Gräben nicht mehr pauschal durchzuführen. Der Grabenunterhalt soll von einer Gefahrenbewertung abhängig gemacht werden. Wichtig ist dabei auch, dass die Selbstabdichtung des Grabens gewährleistet bleibt.