Beinahe-Katastrophe in Regensburg: Großbrand fordert Einsatzkräfte bis Sonntag

Probleme mit Wasser, Glück mit Wind: Der Kampf gegen das Flammeninferno beim Großbrand eines Recyclingbetriebs in Regensburg dauerte für Einsatzkräfte mehr als 15 Stunden. Bis zum Sonntag waren Nachlöscharbeiten nötig. Die Brandfahnder der Kriminalpolizei rücken am Montag an.
Sonntagmittag zeugt noch immer Löschschaum in Wasserpfützen vom Großeinsatz, der die Feuerwehr das ganze Wochenende über beschäftigt hat. Provisorisch sind als Sichtschutz Gitterwände aufgestellt; die Halle ist mit einem rot-weißen Trassierband „Polizeiabsperrung“ gesichert. Auch Schaulustige schlendern immer wieder vorbei. Auf das Gelände an der Dieselstraße, wo rußgeschwärztes Metall herumliegt, darf jedoch keiner.
Ist die Stadt am Freitag knapp an einer Katastrophe vorbeigeschlittert? Der Großbrand im Stadtosten hat von den Einsatzkräften alles gefordert. Dass keine Evakuierungen nötig waren, dürfte Zufall gewesen sein. Direkt an den Recyclingbetrieb in der Dieselstraße grenzt Wohnbebauung. Der tiefschwarze, hochgiftige Rauch zog dank des günstigen Windes über die Dächer weg. Mehr als 15 Stunden kämpfte die Feuerwehr gegen die Flammen (lesen Sie hier den Liveticker nach). Selbst am Sonntag liefen noch Nachlöscharbeiten.
Wasserversorgung zeitweise ein großes Problem
Kurz nach 19 Uhr war der Alarm am Freitag eingegangen. Zuvor war offenbar ein Auto bei der Verschrottung sofort in Flammen aufgegangen. Das teilte ein Polizeisprecher am Brandort mit. Alle Versuche, das Feuer selbst zu löschen, seien dann gescheitert. Die Arbeiter brachten sich aber rechtzeitig in Sicherheit. Als erste Einsatzkräfte in der Dieselstraße eintrafen, stand bereits die Hälfte der rund 60 mal 80 Meter großen Lagerhalle in Flammen, so die ersten Infos der Berufsfeuerwehr.
Problematisch gestaltete sich bei dem kräftezehrenden Kampf gegen das Feuer aber auch die Löschwasserversorgung in der Dieselstraße. Was allerdings an Orten wie diesen nicht unüblich sei, wie ein Feuerwehrsprecher am Freitag vor Ort sagte. Fakt ist: Teils über bis zu 700 Meter mussten zig Leitungen hin zum Brandort verlegt werden; sogar quer über die Landshuter Straße lagen die Schläuche.

Der Einsatz wurde zu einer wahren Materialschlacht, die außerdem immens Personal forderte. Neben der Regensburger Berufsfeuerwehr, die zur Wachbesetzung Aktive aus der Freizeit holte, rückten die Löschzüge Weichs, Altstadt, Winzer, Keilberg und Harting sowie weitere Freiwillige aus Burgweinting, Neutraubling, Oberisling, Pentling und Bad Abbach (Kreis Kelheim) an.
Immer wieder mussten dicke Wasserschläuche an ein anderes Löschfahrzeug, die rund um die Halle positioniert waren, umgekuppelt werden – wo eben der Bedarf gerade am größten war. Mit Hilfe der Rewag gelang es am Ende aber, den Druck in der Wasserversorgung so weit zu erhöhen, dass ein effektiver Kampf gegen das Flammeninferno möglich war. Etwa ab 23.30 Uhr zeichnete sich ab, dass das massive Feuer in dem Recyclingbetrieb unter Kontrolle gebracht wurde.

Die riesige Rauchsäule zuvor war kilometerweit zu sehen. Daher wurde die Bevölkerung früh offiziell via Warn-Apps alarmiert. Menschen, die direkt beim Betriebsgelände leben, sahen die Gefahr nur einen Steinwurf neben ihren vier Wänden. Da Wind und Wetter aber glücklicherweise mitspielten, blieb es aber bei dieser abstrakten Gefahr.
Das könnte Sie ebenfalls interessieren: Ehefrau und Schwester von Regensburger Drogenboss für „Geldmanagement“ verurteilt
Evakuieren musste die Feuerwehr die Gebäude unmittelbar neben dem und rund um den Brandort letztlich nicht – der giftige Rauch zog nach oben ab. Wegen des leicht drehenden Windes aber über mehrere Stadtteile. Die Schadstoffbelastung in der Luft wurde daher sehr genau und engmaschig überwacht. Alle Messungen verliefen jedoch unauffällig. Eine Gefahr für die Bürger bestand laut Feuerwehr zu keiner Zeit.
Brandfahnder der Polizei rücken erst am Montag an
Das Ausmaß des Großbrandes in dem Recyclingbetrieb an der Dieselstraße lässt sich am Aufwand der Einsatzkräfte durchaus messen: Erst am Samstagvormittag konnten sie erstmals abrücken, heißt es. Ein Einsatzende gab es allerdings, wie es sich abgezeichnet hatte, auch da noch nicht: Immer wieder rückten Aktive zur Brandkontrolle an. „Es waren immer wieder kleinere Löscharbeiten nötig“, sagte ein Sprecher am Sonntag auf MZ-Anfrage. Der Einsatz werde daher als nicht abgeschlossen geführt.
„Wir ermitteln in alle Richtungen“, teilt ein Polizeisprecher auf Nachfrage mit. Frühestens am Montag sollen Brandfahnder anrücken. Die genaue Höhe des Schadens ist unklar, wird von den Behörden vorsichtig auf einen mittleren sechsstelligen Betrag geschätzt. Er könnte aber auch schnell in die Millionen gehen, resümiert der Inhaber bereits in der Nacht auf Samstag sichtlich unter Schock. Für Details sei es aber viel zu früh.
Großeinsatz: Neue Fotos dokumentieren Dramatik





















