Dreiste Betrugsmasche auf Video: Auto-Verkauf in Regensburg wird zum Alptraum

Böses Erwachen: Statt sein Familienauto zu kaufen, versuchen vermeintliche Interessenten Philipp Feldmeier aus Regensburg richtig mies abzuzocken. Sogar mit Hilfe eines Kindes. Der Regensburger bleibt wohl auf dem Schaden an seinem BMW sitzen. Deshalb will er andere nun warnen.
Via Internet will ein Regensburger seinen BMW verkaufen. Vor dem, was der 30-Jährige erlebt, als eine vierköpfige Familie auftaucht, will der Regensburger warnen: Nach einem Ablenkungsmanöver landet Öl im Kühler seines Autos, es folgen wüste Drohungen und Geldforderungen. So zeichnen es Überwachungskameras an jenem Abend in seiner Einfahrt auf. „Die eigenen Kinder zu instrumentalisieren für so eine verrückte Masche“, sagt er, „das geht doch nicht“. Die Polizei ermittelt in dem Fall und liefert Einordnungen.
6500 Euro sind als Festpreis für den 5er-BMW aus erster Hand mit rund 280.000 Kilometern aufgerufen. Auf die Offerte des Regensburgers im Internet habe sich alsbald ein „Herr gemeldet, der wahnsinnig sympathisch am Telefon war“. Er wäre sehr interessiert und wolle sich das Auto ansehen. Zu dem Termin am Abend kommt der Mann mit seiner ganzen Familie. „Ich hab keinen Verdacht geschöpft“, so Feldmeier. Zumindest zunächst.
Angebliche Käufer fordern Geld als Entschädigung
Was tatsächlich passiert, als der Mann ihn zum Kofferraum lockt, bemerkt der Regensburger erst später – als er die Videos der Überwachungskameras sichtet. Als in dem gepflegten Wagen plötzlich ein Ölfilm in der Kühlflüssigkeit ist, eskaliert die Stimmung. Lautstark fordern der Mann, die Frau und sein Sohn plötzlich Geld. „Als Entschädigung, weil sie angeblich so weit hergefahren sind“, erinnert sich der 30-Jährige.
Dabei, schiebt der Familienvater sofort nach, sei am Telefon erzählt worden, man wäre „eh in der Nähe“. Und: „Rabatt auf den Kaufpreis wollten sie gar nicht, sie wollten Geld von mir“, denkt er. Zwei, drei Minuten sei das hin und her gegangen. Erst, als der Regensburger droht, die Polizei zu rufen und sein Handy zur Hand nimmt, springen die vermeintlichen Kaufinteressenten in den silbernen VW Touran mit Heidelberger Nummer und flüchten.
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Auf den Videoaufnahmen ist gut zu erkennen, wie der wohl minderjährige Sohn im Motorraum des BMWs hantiert, während der Verkäufer vom Vater am Heck abgelenkt wird. Es wird der Deckel des Kühlers abgeschraubt und etwas hineingeschüttet – „Ich vermute Öl“. Danach lässt man den Motor laufen, ehe es zum Showdown kommt. „Ich war so aufgeregt“, erinnert sich Feldmeier weiter. Er will andere warnen und vermutet eine neue Masche von Betrügern dahinter. „Das muss doch an die Öffentlichkeit.“
Dem Polizeipräsidium Oberpfalz sind Vorfälle wie der aktuelle auch bekannt. „Es handelt sich um eine gängige Betrugsmasche“, bestätigt Polizeisprecher Jonas Krauß auf Anfrage. Seit Jahren gebe es immer wieder solche Fälle, die aber „insgesamt eine untergeordnete Rollen im Kriminalitätsgeschehen spielen“. Auch, weil der Aufwand für Täter wohl immens hoch sei. Große Beute sei zudem „eher selten“ zu machen. Man werde der Anzeige des 30-Jährigen nachgehen.
Wer zahlt für den Schaden am gebrauchten 5er-BMW?
Deutlich häufiger gebe es in jüngerer Vergangenheit „Speditionsbetrugsfälle“. Hier wird vermeintlich ein Auto gekauft, samt fingierter Bestätigung der Bank, dann aber eine Vorauszahlung für angebliche Kosten einer Abholung des Fahrzeugs gefordert. Nur Tage vor dem „Öl-im-Kühler-Vorfall“ habe es in der Oberpfalz so einen Fall gegeben. Schaden entstand keiner – der Verkäufer wurde misstrauisch und zahlte nichts, wie Krauß dazu betont.
Schaden entstand bei Feldmeier schon: Die Polizei gehe von 1000 Euro und Sachbeschädigung aus. Er habe seinen BMW, wie ihm die Polizei riet, stehenlassen und nicht mehr bewegt. Zum Verkauf stehe das Fahrzeug nicht mehr – weil er durch die „miese Masche“ und das Öl im Kühlsystem weniger Geld bekommen hätte. „Mir ist es vergangen.“ Und: Kleine Kinder zu so etwas mitzunehmen und „diesen Jungen da Öl reinkippen lassen – manche schrecken vor nichts zurück“.
Das rät die Polizei in solchen Fällen
Warnung: Bei Käufen und Verkäufen insbesondere über Internetplattformen rät die Polizei zu großer Vorsicht.
Geld: Bei ungewöhnlich komplexen Zahlungen oder angeblichen Treuhandlösungen ist Misstrauen angezeigt. Zudem nie im Voraus zahlen, vor allem nicht für Transport- oder Speditionskosten.
Sicherheit: Keine sensiblen persönlichen Daten oder Dokumente ungesichert übermitteln. Die Identität von Interessenten immer kritisch prüfen – selbst übersandte Ausweise bieten keine Sicherheit.
Hilfe: Bei Auffälligkeiten oder Unsicherheiten sollte man laut Krauß früh Kontakt mit der Polizei aufnehmen.