Vier Autoschieber angeklagt: Gambia-Connection in Regensburg vor Gericht – Nur „Spitze des Eisbergs“?

Von André Baumgarten · 15. April 2026 um 07:00

In Seecontainern verschiffen vier Männer in Frankreich geklaute Autos im Wert von rund einer Viertelmillion Euro von Regensburg aus nach Westafrika – zumindest versuchen sie es. Doch die Kripo ist ihnen früh auf den Fersen. Der Boss der Bande (27) nimmt alle Schuld auf sich und kommt dafür sehr gut weg.

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Ein in Frankreich gestohlener Wagen hat Regensburger Ermittler auf die Spur von Autoschiebern geführt. Wie tief die vier Männer aus Gambia im bestens organisierten Handel per Schiffscontainer gen Südafrika wirklich stecken, konnte das Amtsgericht nicht aufklären. Klar ist aber: Das illegale Geschäft mit auf Bestellung geklauten Autos ist ein Thema – auch in Regensburg und weit über die Grenzen der Domstadt hinaus. Der mit 27 Jahren Jüngste im Quartett nahm im Prozess nun alle Schuld auf sich, was sich lohnen sollte.

Im Sommer 2024 kontrolliert die Verkehrspolizei das in Frankreich geklaute Auto an einer Tankstelle in der Landshuter Straße. Beifahrer ist ein Mann aus Gambia. Drei Monate später fällt unweit seiner Wohnung erneut ein gestohlenes Auto auf. Doch da, wie auch kurze Zeit später, im Januar 2025, fällt eine Observation aus Personalmangel flach. Als ein in Frankreich geklauter Toyota RAV4 dann in der Junkerstraße geortet wird, gründet die Kripo eine eigene Ermittlungsgruppe. Wenig später ist klar, dass der 27-Jährige mit Wohnsitz in Regensburg im großen Stil im Geschäft ist.

Spuren führen die Ermittler nach Nordrhein-Westfalen

Seine Telefone werden abgehört und Beamte observieren ihn. So führt die Spur nach Gütersloh in Nordrhein-Westfalen, wo Ermittler Anfang April 2025 gezielt zugreifen. Die Täter entwischen zwar, werden aber weiter eng überwacht. Sie werden im Juli festgenommen und landen in U-Haft. Die Gambia-Connection ist Geschichte – oder zumindest ein kleiner Teil davon. Denn das Geschäftsmodell ist bundesweit weit verbreitet.

Bei dem Termin vor dem Schöffengericht mit vier Angeklagten galt eine unorthodoxe Sitzordnung – Zuschauer mussten den vorderen Eingang nutzen. - Foto: Baumgarten

Im Prozess vor dem Schöffengericht packte der Drahtzieher in dem Fall aus und erklärte auch die Hintergründe. Käufer in Gambia, der Heimat von allen vier Angeklagten, zahlten 30 bis 40 Prozent an. Von dem Geld würden die Diebe bezahlt, die in Frankreich und Belgien die Fahrzeuge stehlen und bis nach Regensburg fahren. Toyota RAV4, Highlander oder CHR, Hyundai Tucson und Peugeot 3008 werden in dem westafrikanischen Kleinststaat für bis zu 18 000 Euro gehandelt. Das gab der 27-Jährige offen zu.

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Drei Wagen würden mit einigem Hängen und schräg Kippen in einen Überseecontainer passen – jedes von ihnen beschere ihm rund 7000 Euro Gewinn. Aus Geldnot habe er sich einst im Urlaub in der Heimat auf die Sache eingelassen. „Die haben nichts gewusst“, betont der muskulöse Mann im hellen Strickpullover mit Blick auf die drei Mitangeklagten neben sich. „Das alles habe ich selber gemacht.“ Strafverteidiger Philipp Pruy will das im Urteil angemessen honoriert sehen und wird auch nicht enttäuscht.

Zwei Mitangeklagte (54 und 56 Jahre alt) machen wie der Big Boss einen Deal und lassen ihre Anwälte einräumen, ihnen wäre schon klar gewesen, dass das nicht mit rechten Dingen zugehen kann. Einzig der Vierte im Bunde ließ Anwalt Thomas Winkelmeier erklären, nur aus Freundschaft geholfen und nichts geahnt zu haben. Der beantragte Freispruch wurde es für den 50-Jährigen aber am Ende nicht. Er bekam nur acht Monate weniger, als der Hauptangeklagte neben ihm.

Ehrlichkeit bringt drei der vier Männer mildere Strafen

Zwei Jahre und elf Monate verhängte das Amtsgericht gegen den 27-jährigen Drahtzieher der Gambia-Connection. Die zwei anderen geständigen Täter bekamen ein Jahr und drei Monate sowie ein Jahr und fünf Monate Haft auf Bewährung. Der vierte ganz anders: Sein Urteil lautete zwei Jahre und drei Monate – weil „die anderen waren wenigstens ehrlich“, betont Richterin Nißl. Der Jüngste im Quartett habe alle anderen „mit ins Verderben gerissen“, komme dank seiner Prozess-Strategie aber „sehr gut weg“.

Wenngleich das Schöffengericht sich keinerlei Illusion hingeben wollte. So professionell wie der 27-Jährige ans Werk gegangen war, „ist das wohl nur die Spitze des Eisberges, die wir heute hier verhandelt haben“. Der letzte Prozess dürfte es in der Sache nicht gewesen sein. Weitere Anklagen, das erwähnte der Staatsanwalt am Rande, würden gegen Mitwisser und weitere Helfer sicher folgen.