Campusfest in Regensburg: Vergewaltigung einer jungen Frau war frei erfunden

Eine 22-Jährige zeigt im Sommer 2024 nach Event an der Universität in Regensburg eine Tat an, die es nie gab. Nun steht fest: Sie hatte die Ermittler in die Irre geführt. Dafür wird sie nun zur Rechenschaft gezogen.
Am Rande des Campusfestes soll es im Juni 2024 zu dem Übergriff gekommen sein. Eine damals 22-Jährige erzählte erst ihrer Familie davon und erstattete dann Anzeige. Fast ein Jahr und zehn Monate ist das Ganze her. Mittlerweile steht fest: Die Tat in einem Gebüsch nahe der Fachschaft Jura war frei erfunden. Das bestätigten Staatsanwaltschaft und Polizei. Die junge Frau wurde bereits zur Rechenschaft gezogen – das dicke Ende könnte aber noch drohen.
In besagtem Fall haben sich die schweren Vorwürfe der jungen Frau „nach intensiven Ermittlungen“ nicht bestätigt, bestätigte das Polizeipräsidium auf Nachfrage. Im Gegenteil: Der vermeintliche Übergriff am Rande des Campusfestes, den die damals 22-Jährige am 5. Juni 2024 den Behörden gemeldet hatte, gab es nie. Die Dame aus dem Landkreis Regensburg gab damals an, auf dem Nachhauseweg zwischen 21 und 21.30 Uhr in der Universitätsstraße sexuell angegangen worden sein. Die Kripo wurde sofort eingeschaltet.
Angaben des vermeintlichen Opfers waren falsch
In der Sache seien zahlreiche Zeugen vernommen und deren Aussagen genau geprüft, Spuren gesichert und teils von externen Stellen untersucht worden. Jeder noch so kleine Ermittlungsansatz sei verfolgt worden. „Nach Abschluss der Untersuchungen zeigt sich, dass die Tat nicht stattgefunden hat und die Angaben der vermeintlich Geschädigten falsch waren“, sagte Polizeisprecherin Melanie Bäumler.
Den Mann, den sie als vermeintlichen Täter bezichtigte, gab es nie. Schon die Beschreibung wirkte seinerzeit äußerst dürftig: Zu dem 180 bis 190 Zentimeter großen Verdächtige war lediglich bekannt, dass er ein T-Shirt getragen haben soll. Mit diesen Infos waren die Ermittler damals schnell an die Öffentlichkeit gegangen und hatten wegen des Anfangsverdachts einer Vergewaltigung auch nach Zeugen gesucht.
Jede einzelne erfundene Vergewaltigung schadet nur den wirklichen Opfern sexueller Gewalt.Thomas Rauscher, Oberstaatsanwalt
Ab wann genau sich der Verdacht erhärtete, die Vorwürfe in dem Fall könnten gar nicht stimmen, blieb allerdings offen. Fest steht: Gegen das vermeintliche Opfer selbst wurde ein Verfahren wegen Vortäuschens einer Straftat eröffnet. Laut Regensburger Staatsanwaltschaft und Polizei ist dieses Verfahren mittlerweile allerdings ohne einen Prozess abgeschlossen. Gegen die Beschuldigte sei ein Strafbefehl erlassen worden. Sie muss fast 3000 Euro Geldstrafe bezahlen.
Laut Polizei gab es nie eine „reale Bedrohung“
Und: Laut den Ermittlungen hat es gar „keine reale Bedrohung“ gegeben. Das ist nicht nur mit Blick auf die unnötige Arbeit, die die junge Frau der Kripo damit machte, äußert ärgerlich. Vorwürfe wie diese trügen immer dazu bei, dass das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung leidet, so Bäumler. Das sei nicht zu unterschätzen. Ungeachtet dessen würden solche Fälle aber stets ernst genommen und immer einer sorgfältigen Prüfung unterzogen.
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Ein weiterer Aspekt an dieser Geschichte spielt eine Rolle: Ermittlungen in einem Ausmaß wie in diesem Fall „binden ein hohes Maß an personellen Ressourcen bei Polizei und Justiz und verursachen hohe Kosten“, beispielsweise für Labore. Also muss die junge Frau diese nun tragen? „Das können wir nicht beantworten“, sagte Melanie Bäumler zu dieser Frage. Das falle in die Zuständigkeit des Innenministeriums.
Unmöglich ist es aber nicht, zeigen MZ-Recherchen. Allein DNA-Abgleiche oder Spurenauswertungen oder Gutachter schlagen üblicherweise mit oft Tausenden von Euro zu Buche. Die zahlen Polizei und Staatsanwaltschaft. Auf die Dame aus dem Landkreis Regensburg könnten daher neben der Geldstrafe noch exorbitant hohe Forderungen zukommen. Ob das in diesem Fall passiert oder geprüft wird, blieb offen.
Ähnliche Fälle bringen Regensburg bundesweit in die Schlagzeilen
Fälle wie dieser sind auch gar nicht so selten: Zwei mutmaßliche Vergewaltigungen durch Migranten mitten in der Altstadt hatten Regensburg auch im Jahr 2024 sogar bundesweit in die Schlagzeilen gebracht. Doch keine der Taten gab es so wirklich, wie sich zeigte. In einem der Fälle landete die Anzeigeerstatterin sogar in Haft.
Die oft unterschätzte Gefahr, die darin schlummert, kennt Anwältin Shirin Ameri nur zu gut: „Die große Angst von Opfern ist es, dass ihnen nicht geglaubt wird, wenn sie eine Tat zur Anzeige bringen.“ Auch Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher pflichtete ihr bei: „Jede einzelne erfundene Vergewaltigung schadet nur den wirklichen Opfern sexueller Gewalt.“ Deshalb würden Fälle wie dieser von der Justiz „konsequent verfolgt“.