Prozess in Regensburg: Pfleger (51) soll vier Behinderte brutal misshandelt haben

Misshandlung von Schutzbefohlenen wird dem Mann vorgeworfen, der in einer Einrichtung im Raum Regensburg tätig war. Die Vorwürfe in der Anklage gegen ihn wiegen schwer: Einem Bewohner soll der 51-Jährige, der aus Passau stammt, sogar den Arm gebrochen haben.
Ihm wehrlos ausgelieferte Bewohner einer Behinderteneinrichtung soll ein 51-Jähriger gequält und brutal misshandelt haben. Angehörigen fallen die Spuren der Übergriffe auf – sie erstatten Anzeige und die Ermittlungen bringen weitere Vorfälle ans Licht. Nun soll dem Pfleger, der aus Passau stammt, der Prozess gemacht werden. Für zwei der angeklagten Taten gibt es Augenzeugen, die zunächst aber nichts gemeldet hatten. Die betroffene Einrichtung bezieht Stellung.
Alle Geschädigten in dem Fall waren sogenannte Schutzbefohlene des Mannes, der sich ab Donnerstag vor dem Landgericht in Regensburg verantworten soll. Er war jahrelang als Pfleger an Standorten der Einrichtung für Behinderte tätig. Zwischen Herbst 2021 sowie Frühjahr 2022 soll es nach Überzeugung der Ermittler zu brutalen und rücksichtlosen Übergriffen gekommen sein.
Bewohner zweimal Stofftiere in den Mund gestopft?
Ans Licht gekommen waren die schier unfassbaren Vorfälle durch Anzeigen von Angehörigen. Nach MZ-Recherchen waren zwei Müttern Verletzungen an einem Kind und einer Frau aufgefallen. Früh führten Spuren zu dem 51-Jährigen – er hatte zu fraglichen Zeiträumen Dienst. Der erste Verdacht soll sich bald erhärtet haben. Und das, obwohl die Geschädigten sich gar nicht mit Worten ausdrücken können. Wurden sie womöglich deshalb zu Opfern?
Die Anklage der Regensburger Staatsanwaltschaft umfasst fünf Fälle: Einmal soll ein Kind gewürgt oder am Hals geschlagen, ein andermal einem jungen Mann der Oberarm gebrochen worden sein. Prellungen und Hämatome an Gesicht und Hals einer Frau sollen zudem auf heftige Misshandlung deuten – zunächst waren die Verletzungen als Unfall eingestuft worden. Dem vierten Opfer soll der Pfleger Stofftiere in den Mund gestopft haben, um ihn zum Schweigen zu bringen.
Zu einer Tat meldeten sich später sogar Augenzeugen
Nach MZ-Recherchen soll es zu letzteren Vorwürfen Zeugen geben, die sich aber erst meldeten, als bekannt wurde, dass gegen den 51-Jährigen ermittelt wird. Sollte der Mann aus Passau, der im Landkreis Regensburg lebt, wegen der angeklagten Misshandlung von Schutzbefohlenen im Prozess verurteilt werden, drohen ihm bis zu zehn Jahre Gefängnis. Fünf Fälle und obendrauf gefährliche Körperverletzung umfasst die Anklage von September 2024.
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Die Einrichtung zog nach Bekanntwerden schnell Konsequenzen: Der 51-Jährige sei sofort freigestellt, Anzeige erstattet und Meldung an die Heimaufsicht gemacht worden. „Wir nehmen jeden Vorwurf von Übergrifflichkeit und Gewalt sehr ernst“, erklärte die Leiterin auf MZ-Nachfrage. Intern seien die Vorfälle mit allen Verantwortlichen, Angehörigen und Betreuern intensiv aufgearbeitet worden. Dann sei dem Mann fristlos gekündigt worden.
Sechs Prozesstage bis Mitte Juni plant das Landgericht für die juristische Aufarbeitung.