KI-Experte ist neuer Chef: Wohin steuert Alexander Ammelounx den Regensburger Airportliner?

In Regensburg gehören sie zum Stadtbild: die Shuttle-Busse des Airportliners. Seit Anfang 2026 leitet Alexander Ammelounx das Unternehmen. Er setzt auf Künstliche Intelligenz und neue Angebote. Die massiv gestiegenen Spritpreise sind nicht die größte Herausforderung für den Familienbetrieb.
Alexander Ammelounx blättert durch das Gästebuch: Die frühere Tennis-Weltranglistenerste Angelique Kerber ist schon mitgefahren, genauso wie der heutige Bundeskanzler Friedrich Merz oder Star-Dirigent Kent Nagano. „Da sind über die Jahre viele bekannte Namen zusammengekommen“, sagt Ammelounx.
Der 29-Jährige ist seit Anfang 2026 Chef des Regensburger Airportliners. Bei vielen der prominenten Gäste saß noch sein Vater am Steuer. Der frühere Rallye-Europameister Lothar Ammelounx gründete das Familienunternehmen 2004. Die Idee entwickelte der damalige Taxibetreiber gemeinsam mit dem Regensburger Stadtmarketing: Die Oberpfalz-Metropole sollte besser an den Münchner Flughafen angebunden werden. Heute fährt das Unternehmen bis zu 50 Mal am Tag den Airport an. Etwa 140 Mitarbeiter sind Teil des Familienbetriebs.
Airportliner-Geschäftsführer: Mit acht Jahren Tankbelege sortiert
Alexander Ammelounx empfängt zum Gespräch in seinem Büro. Vom Fenster aus kann er den Fuhrpark seiner Firma überblicken. Etwa 40 Fahrzeuge – unter anderem silberfarbene Shuttle-Busse und schwarze Mercedes-Limousinen – sind Teil der Flotte. Oft ist der Parkplatz in der Regensburger Siemensstraße aber nur spärlich gefüllt. Die meisten Wagen sind unterwegs.
Der neue Firmenchef ist seit Kindesbeinen Teil des Unternehmens. „Ich weiß noch, als ich acht Jahre alt war, habe ich Tankbelege sortiert“, erzählt Ammelounx. Auch nach dem Abitur blieb er im elterlichen Betrieb, machte als dualer Student einen Betriebswirtschafts-Bachelor.
Nach seinem Masterstudium „Marktorientierte Unternehmensführung“ in Landshut sammelte der 29-Jährige dann aber erst einmal Erfahrungen als Projektmanager bei der Samhammer AG in Weiden. Das Unternehmen gehört zu den führenden Dienstleitern im Bereich der sogenannten agentiven Künstlichen Intelligenz. Dabei handelt es sich um eine fortschrittliche KI-Form. Anders als beispielsweise das bekannte Sprachmodell ChatGPT generiert sie nicht nur Inhalte oder beantwortet Fragen. Sie verfolgt auch selbst vorgegebene Ziele und führt komplexe, mehrstufige Aufgaben aus.
„Ich wollte sehen, wie andere Unternehmen arbeiten“, sagt Ammelounx. Als im vergangenen Jahr dann aber die bisherige Airportliner-Geschäftsführerin Kerstin Gietl ankündigte, sich neuen beruflichen Aufgaben zu widmen, war für den 29-Jährigen der passende Zeitpunkt für den Wechsel gekommen. „Dann habe ich gekündigt und zum 1. Januar hier übernommen.“
So nutzt der Airportliner Künstliche Intelligenz
Nun also Busfahrpläne statt Künstliche Intelligenz? Nicht ganz. „KI wird jede Branche verändern“, sagt Ammelounx. Auch die Mobilität bilde da keine Ausnahme. Beim Airportliner spielt das Thema deshalb eine wichtige Rolle. Da sei zum einen die bloße Sichtbarkeit, sagt Ammelounx. Zu Beginn der Digitalisierung in den 90ern habe man gesagt, ohne Webseite sei ein Unternehmen nicht sichtbar. Heute ist das dem Firmenchef zufolge ähnlich: „Wenn man dich auf ChatGPT nicht findet, existierst du nicht.“
Das Familienunternehmen hat zudem seit kurzem einen eigenen KI-Agenten im Einsatz, der – natürlich völlig datenschutzkonform – mit den Unternehmensdaten arbeitet. Wolle er zum Beispiel wissen, welcher Firmekunde besonders oft die Dienste des Airportliners in Anspruch nimmt, bekomme er in wenigen Sekunden eine Antwort.
Auch an anderer Stelle setzt das Unternehmen zunehmend auf digitale Lösungen. So wurde zuletzt die Fahrzeugortung weiterentwickelt. „Wir wissen exakt, wo sich unsere Fahrzeuge bewegen“, sagt der Geschäftsführer. Künftig sollen auch die Kunden davon profitieren – etwa durch genauere Angaben zur Ankunftszeit.
Doch bei aller Digitalisierung hat der neue Airportliner-Chef auch die Themen im Blick, die für einen Fahrdienstleister auf den ersten Blick näherliegen als Künstliche Intelligenz – etwa den Kraftstoffpreis. Geopolitische Konflikte wie im Nahen Osten wirken sich auch auf das Regensburger Unternehmen aus: Einerseits geraten Flugpläne durcheinander, andererseits sind die Spritpreise zuletzt deutlich gestiegen.
Regensburger Airportliner: Wann gibt es Elektro-Shuttlebusse?
„Da können wir nur wenig dagegen machen“, sagt der Geschäftsführer. Zwar arbeite man mit monatlichen Tankpreisen und sei damit weniger anfällig für kurzfristige Schwankungen – die Entwicklung insgesamt bleibe aber eine Herausforderung.
Vor diesem Hintergrund rückt auch die Frage nach alternativen Antrieben stärker in den Fokus. Wenn Ammelounx den Blick aus seinem Bürofenster über den Fuhrpark schweifen lässt, sieht er Dieselfahrzeuge. Beim Thema Elektroantrieb sei er in kontinuierlichem Austausch mit Mercedes-Benz, sagt der Unternehmer. Allerdings: Die Reichweite passt noch nicht. Interessanter könnte es werden, wenn Fahrer mit Führerscheinklasse B auch Fahrzeuge über 3,5 Tonnen fahren dürften, sagt Ammelounx. Das Gewicht des Akkus ist dann nicht mehr so entscheidend.
Leichter als eine große Batterie wäre Wasserstoff. Auch das hat Ammelounx im Blick und sieht es in der Theorie als aktuell beste Lösung. Welche Technologie sich durchsetzt, sei aber offen. „Wir testen regelmäßig neue Fahrzeuge“, sagt Ammelounx. Auch das Thema autonomes Fahren beobachte er genau.
Die größte Herausforderung ist gerade, Airportliner nicht nur als Flughafentransfer bekannt zu machen, sondern auch als Eventtransfer.Alexander Ammelounx, Airportliner-Geschäftsführer
Fragt man den jungen Unternehmer, was aktuell die größte Herausforderung für den Airportliner ist, fällt die Antwort überraschend aus. Es ist nicht Bürokratie, nicht Kosten oder Personalmangel. „Die größte Herausforderung ist gerade, Airportliner nicht nur als Flughafentransfer bekannt zu machen, sondern auch als Eventtransfer.“
Ob Hochzeit, Festival, Volksfest oder Firmenfeier – Ammelounx ist überzeugt, dass sein Unternehmen hier gut aufgestellt ist. Die Aufgabe nun: dieses Bild auch in den Köpfen der Menschen in der Region zu verankern. Den Anfang machte der 29-Jährige beim internationalen Lichtkunstfestival „Relight“ in Regensburg. Airportliner war offizieller Mobilitätspartner der Veranstaltung.