Wechsel an der Krones-Spitze: Christoph Klenk erklärt, wieso er schon im Juni geht

Von Lorenz Nix · 27. März 2026 um 09:00

Seit über zehn Jahren ist Christoph Klenk (62) Vorstandschef des Anlagenbauers Krones aus Neutraubling (Landkreis Regensburg). Eigentlich wäre sein Vertrag Ende des Jahres geendet, nun ist schon im Juni Schluss. Im Interview erklärt Klenk die Hintergründe, blickt auf seine mehr als drei Jahrzehnte bei dem Konzern zurück und erzählt, was er am Tag nach seinem Abschied machen wird.

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Herr Klenk, Ihr Vertrag wäre Ende des Jahres ausgelaufen. Bereits am 10. Juni haben Sie Ihren letzten Arbeitstag als Vorstandsvorsitzender. Warum?

Christoph Klenk: Das hat vor allem mit der Altersgrenze im Vorstand zu tun. In meinem Vertrag ist festgelegt, dass diese bei 62 Jahren liegt. Das steht da seit 23 Jahren drin. Das Thema Nachfolge haben wir also von langer Hand geplant. Am Kapitalmarkt ist es Usus, dass Vertragsverlängerungen frühestens zwölf Monate und spätestens sechs Monate vor Ablauf angekündigt werden. Da mein Vertrag Ende des Jahres ausläuft, war klar, dass die Entscheidung im ersten Halbjahr fallen muss.

Das hat geklappt: Vor wenigen Tagen hat der Aufsichtsrat Ihren Vorstandskollegen Thomas Ricker zum neuen Krones-Chef bestimmt. Warum findet der Wechsel aber nicht erst zum Jahresende statt, wenn eigentlich Ihr Vertrag ausgelaufen wäre?

Klenk: Mein Nachfolger kommt aus dem eigenen Haus und braucht deshalb keine neun Monate Einarbeitungszeit. Da habe ich gesagt: Dann machen wir den Übergang lieber kurz und klar. In solchen Phasen entsteht sonst schnell ein diffuses Machtverhältnis – das lässt sich trotz aller Regelungen kaum vermeiden. Da muss man dann einfach so cool sein und sagen: Jetzt trete ich zur Seite und lasse meinen Nachfolger übernehmen. Der Tag nach der Hauptversammlung ist ein guter Schlusspunkt.

Thomas Ricker ist seit 2012 Teil des Vorstands. Wie wichtig ist für Krones, dass Ihr Nachfolger aus dem eigenen Unternehmen kommt?

Klenk: Sehr wichtig. Unser Geschäft ist komplex – mit Maschinen- und Anlagenbau, Prozesstechnik, Intralogistik und Service in über 160 Ländern. Wenn jemand das Unternehmen von innen kennt, hilft das enorm.

Krones-Chef Klenk darüber, wie sich das Unternehmen verändert hat

Seit 1994 sind Sie bei Krones. Was hat sich in den mehr als drei Jahrzehnten stärker verändert – das Unternehmen oder Sie selbst?

Klenk: Das Unternehmen ist deutlich größer und professioneller geworden. Deshalb hoffe ich, dass ich mit Krones mitgewachsen bin. Als ich damals hier angefangen habe, hätte ich mir kaum vorstellen können, einmal Vorstandsvorsitzender zu werden. Aber über die Jahre habe ich immer wieder neue, herausfordernde Aufgaben übernommen – und daran wächst man natürlich. In diesem Sinne hoffe ich, das Unternehmen und ich haben uns gemeinsam positiv verändert.

Seit über zehn Jahren sind Sie nun Vorstandsvorsitzender. Was hat sich in dieser Zeit am grundlegendsten verändert?

Klenk: Vor allem die Geschwindigkeit der Veränderungen. Die Weltlage mit Kriegen, Handelsbarrieren oder schwierigerem Zugang zu Märkten zwingt Unternehmen heute viel schneller zu Entscheidungen als früher. Gleichzeitig entwickeln sich Technologien – etwa in der Digitalisierung – in einem Tempo, das wir vor zehn Jahren so nicht gesehen haben. Und auch der Wettbewerb, etwa aus Asien mit deutlich niedrigeren Kostenstrukturen, hat sich massiv verschärft. Auf all diese Entwicklungen mussten wir und müssen wir weiterhin als Unternehmen Antworten finden.

Was kann Krones heute noch besser als die Konkurrenz aus China?

Klenk: Unsere Anlagen sind zuverlässiger, sie halten länger und liefern einen stabileren Output. Das liegt an unserem Know-how in vielen Details – und an unserem Service. Eine Anlage funktioniert nur dann gut, wenn auch der Service dahinter stimmt. In diesen beiden Punkten sind wir dem chinesischen Wettbewerb noch voraus. Aber er holt auf, deshalb müssen wir die Entwicklung sehr genau beobachten.

Corona-Pandemie, Kriege, Zollkonflikte: Gab es in Ihrer Amtszeit einen Moment, in dem Sie sich ernsthaft Sorgen um das Unternehmen gemacht haben?

Klenk: Sorgen mache ich mir eigentlich jeden Tag. Das gehört zu meinem Job. Die Corona-Pandemie war natürlich eine extreme Situation. Trotzdem haben wir rund 95 Prozent unserer Projekte weltweit termingerecht abgewickelt. Das war nur möglich, weil wir ein unglaublich starkes Team rund um den Globus haben.

War das die schwierigste Zeit Ihrer zehn Jahre als Krones-Chef?

Klenk: Die Phasen waren unterschiedlich schwierig. Man darf nicht vergessen, 2018 und 2019 gerieten wir in wirtschaftliche Schieflage und mussten Personal abbauen. Das war eine ganz schwierige Zeit. Corona war eine andere Art von Herausforderung, weil sie von außen kam.

Die ging dann aber auch einher mit einer für Krones sicher komplizierten Lieferkettenkrise...

Klenk: Wir können zwar Maschinen bauen, da bewegt sich allerdings nichts, wenn elektronische Komponenten dafür fehlen. Unsere Anlagen sind vom Werk bis zur Inbetriebnahme beim Kunden aber oft drei bis vier Monate unterwegs. In dieser Zeit müssen die Maschinen nicht funktionieren. Deswegen kam uns die Idee, Teile bevor wir sie für den Transport vorbereiten, auszubauen und dann dorthin zu schicken, wo sie für den Moment gebraucht wurden. Mit dieser Improvisation sind wir durch die Lieferkettenkrise besser gekommen als viele andere.

Was macht Christoph Klenk am ersten Tag nach seinem Abschied?

Trotz der vielen Hürden ist Krones während Ihrer Amtszeit deutlich gewachsen. Der Umsatz stieg von rund 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf zuletzt etwa 5,7 Milliarden Euro. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren blickten viele Beobachter durchaus positiv erstaunt nach Neutraubling. Gab es einen Moment oder eine Entscheidung, die für dieses Wachstum besonders wichtig war?

Klenk: Eigentlich nicht. Das ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren: gute Märkte, Innovationen, ein stark ausgebauter Service und gezielte Zukäufe. Gleichzeitig wächst die Weltbevölkerung – und damit auch der Bedarf an Lebensmitteln und Getränken. Das ist eine stabile Basis für unser Geschäft.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie am 10. Juni das Krones-Gelände?

Klenk: Es wird wahrscheinlich eine Mischung sein. Ich weiß Krones in guten Händen. Das ist wirklich perfekt gelaufen, wie wir die Nachfolge gestaltet haben. Und wir haben ein tolles Team, das die Zukunft gestalten wird. Es gibt aber natürlich auch einen wehmütigen Aspekt. Ich bin schließlich seit über 30 Jahren im Unternehmen und hier tief verwurzelt. Ich werde Krones immer verbunden sein.

Und was machen Sie dann am 11. Juni?

Klenk: Das entscheide ich spontan. Vielleicht gehe ich Segelfliegen, vielleicht schlafe ich aus. Auf jeden Fall frühstücke ich erst einmal in Ruhe mit meiner Frau.