Projekt Fronfeste in Burglengenfeld geht in finale Phase – Kosten klettern auf 2,6 Millionen Euro

Die Sanierung der Fronfeste, eines der kompliziertesten Projekte in der jüngeren Stadtgeschichte von Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf), kommt nun doch bald zum Abschluss. Die letzten Arbeiten könnten bis September 2026 beendet sein, hieß es kürzlich im Bauausschuss.
Für die künftige Nutzung soll es zudem einen brandneuen Vorschlag geben. Details wollte die Verwaltung dazu jedoch keine preisgeben.
Bei der Fronfeste handelt es sich bekanntlich um mehr als den historischen Gefängnisturm, der in die mittelalterliche Stadtmauer eingefügt wurde. Auch der vorgelagerte Erweiterungsbau aus dem 19. Jahrhundert zählt dazu. „Nicht fachgemäße Umbauten“ führten laut Verwaltung im Laufe der Zeit zu massiven Schäden. Doch 2014 wollte die Kommune dem fortschreitenden Verfall nicht mehr länger zusehen und erwarb die Immobilie.
Das Objekt wurde in die sogenannte Europäische Meile eingebettet und bedeutete von Anfang an eine Herausforderung – bautechnischer, aber auch finanzieller Art. Der Umfang der Sanierungsmaßnahmen war im Stadtrat alles andere als unumstritten. Teile des Gremiums forderten wiederholt, aber letztlich vergeblich, die Konzentration auf den Turm. Das Gebäude davor hätten sie lieber geopfert. Erhalten blieb es letztlich unter anderem deshalb, weil es sonst prozentual weniger Zuschüsse gegeben hätte.
Im Zuge der Arbeiten gab es einige Überraschungen
Apropos: Trotz der in Aussicht gestellten Förderung aus verschiedenen Töpfen, die sich auf 63 Prozent der ursprünglich angenommenen Kosten summierte, geriet das Projekt zum Abenteuer. Schon zu Beginn, bei der Tragwerksplanung, gab es Differenzen, die zum Zerwürfnis mit dem beauftragten Ingenieurbüro führten. Später zwang eine Erkrankung zu einem Architektenwechsel.
Dass es im Zuge der Arbeiten einige Überraschungen gab, die den Sanierungsaufwand erhöhten, sei ebenfalls nicht verschwiegen. Und so trat ein, was kritische Beobachter von Anfang an befürchtet hatten: Die Kosten kletterten immer weiter nach oben. Um sie nicht vollends aus dem Ruder laufen zu lassen, traf die Verwaltung 2023 eine Entscheidung, die im Rat teils für Kopfschütteln sorgte: Die kunstvolle Vergitterung der Südfassade, die ursprünglich als architektonische Besonderheit gepriesen worden war, wurde geopfert.
Wie unkalkulierbar das Projekt gewesen ist, zeigte sich zuletzt im Herbst des vergangenen Jahres, als Stadtbaumeister Franz Haneder dem Bauausschuss von einem „bösen Erwachen“ berichten musste. Bei Arbeiten mit dem Presslufthammer war Innenputz großflächig von Decken und Wänden gefallen, so dass letztlich in allen Räumen die Reste abgeklopft und erneuert werden mussten. Allein dafür fielen Mehrkosten von rund 170.000 Euro an. Starker Frost zu Jahresbeginn führte zu weiteren Verzögerungen.
Damit nicht genug: Auch in der jüngsten Sitzung des Ausschusses informierte Haneder über unerfreuliche Entwicklungen. Konkret ging es um Schreinerarbeiten für Holztreppen und Bodenbeläge. In einem Fall waren die eingereichten Angebote so hoch, dass das Verfahren gestoppt wurde. Zeitnah sollte eine neue Ausschreibung erfolgen, hieß es.
Die Kostenmehrungen wurden bei der Regierung stets angezeigt, aber von der Regierung bisher noch nicht bearbeitet.Karolina Cheikho, Pressesprecherin
Mittlerweile werden die Gesamtkosten für das Projekt Fronfeste auf rund 2,6 Millionen Euro geschätzt, berichtete Karolina Cheikho von der städtischen Pressestelle. Das bedeutet gegenüber der Angabe vom Herbst 2023 ein Plus von 800.000 Euro. Gegenüber der Berechnung von 2018 ergibt sich nach MZ-Informationen sogar eine Steigerung von über einer Million.
Ob die Mehrbelastung an der Kommune ganz oder nur zum Teil hängen bleibt, ließ sich aktuell nicht klären. Der Stadtbaumeister soll, so war zu hören, auf entsprechende Fragen mittlerweile allergisch reagieren.
Mehrkosten wurden „stets fristgerecht angezeigt“
Fakt sei, so erläuterte Cheikho, dass es seitens der Regierung eine Förderzusage „über eine Summe x gibt“. Sowohl die Kostenentwicklung als auch die Änderungen im Zeitplan habe die Verwaltung fortlaufend angezeigt, doch Reaktion habe es darauf aus Regensburg bis heute keine gegeben. Insofern lasse sich derzeit keine Aussage treffen, ob die Fördermittel angepasst würden oder nicht.
Das deckt sich mit einer Stellungnahme von Regierungssprecherin Kathrin Kammermeier. Sie bestätigte auf Anfrage die „fristgerechte und förderunschädliche“ Meldung von Verteuerungen. Die abschließende Prüfung und mögliche Anerkennung von Mehrkosten erfolge aber erst im Rahmen des Verwendungsnachweises, denn bis zum Abschluss der Maßnahme könne es erneut zu „Verschiebungen“ kommen.