Früheres Burglengenfelder Autohaus Lell wird zum Trachtenladen

Seit der Schließung des traditionsreichen Autohauses Lell (Ford, Opel, Suzuki) in der Regensburger Straße Ende 2022 fragen sich nicht wenige Burglengenfelder (Landkreis Schwandorf): Was wird aus der Immobilie auf dem riesigen Grundstück? Auch der Verkauf vor rund einem Jahr an einen Unternehmer aus dem Städtedreieck lieferte keine konkrete Antwort. Nun aber nimmt immerhin eine Zwischenlösung Formen an, aus der auch mehr werden könnte.
Das Verschwinden der letzten Oldtimer und Sportwagen aus dem Showroom vor wenigen Wochen war das untrügliche Zeichen: Im ehemaligen Autohaus tut sich was. Recherchen der MZ führten zu Uwe Blacharowicz, einem Burglengenfelder, der sich auf Trachtenmoden spezialisiert hat. Seit rund 30 Jahren ist der 57-Jährige, dessen Eltern eine Strickerei betrieben, in der Branche tätig. In Straubing und Plattling führt er seit Jahren zwei Geschäfte, und auch in München ist er im Vorfeld des Oktoberfestes regelmäßig präsent.
Eröffnung ist kurz vor Beginn der Burglengenfelder Dult
Blacharowicz’ Konzept: eine Mischung aus Verkauf von Lagerbeständen und Überproduktion zu reduzierten Preisen sowie moderner, top aktueller Festtagskleidung. Der Plan ging bisher auf, wobei der Kaufmann betont, dass das Geschäft natürlich sehr von den Jahreszeiten abhängig sei.
Und so versucht er nun, ab 11. April, bis auf Weiteres in Burglengenfeld sein Glück. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, schließlich beginnt schon am 24. April mit der Burglengenfelder Maidult die Volksfestsaison.
Auf die Immobilie an der Regensburger Straße war Blacharowicz kürzlich aufmerksam geworden, als er wegen eines privaten Termins zurück in seine Heimatstadt fuhr. „Das ist doch eine Top-Lage“, dachte er, und nahm Kontakt zum Eigentümer auf. Noch am selben Tag habe man sich zu einer ersten Besichtigung getroffen – und sich angenähert.
Gelingt es dem Kaufmann, sich in seiner Heimatstadt zu etablieren?
Herausgekommen ist ein Mietvertrag ohne feste Bindung mit der Option auf eine längere Laufzeit. Wie gesagt, der Verkauf von Trachtenmoden floriert nur zu bestimmten Jahreszeiten – und die Fläche, die im ehemaligen Autohaus zur Vermietung stand, ist mit bis zu 800 Quadratmetern groß. Erst im Laufe der Zeit, so Blacharowicz, werde sich zeigen, ob er das neue Geschäft in dieser Dimension auf Dauer werde halten können.
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Noch ist er sehr zuversichtlich. Burglengenfeld und das Städtedreieck hätten sehr viel Potenzial, meint der Kaufmann. Als Zeitgenosse, der hier aufgewachsen ist, dürfte er die Lage gut beurteilen können.
Seit seinem 15. Lebensjahr hatte Blacharowicz intensiver mit Trachten zu tun. 2008 eröffnete er in der Gäubodenmetropole Straubing sein erstes eigenes, größeres Geschäft. Damit verbunden war auch ein Umzug, denn die Pendlerei war ihm zu viel geworden. Nun freilich sieht sich der Kaufmann vor einer ähnlichen Herausforderung: Schon bald wird er fast täglich von Straubing nach Burglengenfeld und zurück fahren, um Vorbereitungen für die Eröffnung zu treffen und einen gelungenen Verkaufsstart hinzulegen.
Ein bisschen riecht es auch heute noch nach Benzin
Wie auch immer der Test mit den Trachtenmoden ausgehen mag, ganz verloren gegangen ist der Bezug des Objekts zum Thema Automobil nicht.
Schon 2025 hat mit Daniel Berger ein Spezialist für die legendären Audi Quattros einen Teil der Werkstatt angemietet und damit den Standort seiner Firma Mountainer Cars von Maxhütte-Deglhof nach Burglengenfeld verlegt.
Berger ist ein begeisterter Anhänger von PS-starken Fahrzeugen, die noch nach Benzin riechen dürfen. In seiner Fachwerkstatt haucht er auch Karossen, deren Tage längst gezählt waren, neues Leben ein – und macht sich für Liebhaber zu wertvollen Einzelstücken.
Stadt verfolgt die Entwicklung aufmerksam mit – und hat Wünsche
Doch damit ist die nähere Zukunft des ehemaligen Autohauses noch immer nicht in Gänze geklärt. Über den nunmehr vermieteten Flächen gibt es ungenutzten Wohnraum. Die Stadt, so hatte Bürgermeister Thomas Gesche, schon vor längerer Zeit wissen lassen, werde die Entwicklung aufmerksam verfolgen, schließlich sei die Lage am „Einfallstor“ der Stadt eine besondere.
In dem Mischgebiet schwebte dem scheidenden Rathauschef eine „attraktive gewerbliche Nutzung“ vor. Denkbar seien auch ein Mix aus einem gewerblichen Betrieb und einem darauf gesattelten Wohngeschoss oder „ein ähnliches Konstrukt“. Eine reine Wohnimmobilie schloss er zwischen Esso-Tankstelle und Lidl-Discounter jedoch aus.