Lell-Immobilie in Burglengenfeld: Stadt hofft auf attraktives Gewerbe – oder Mix mit Wohnen

Von Thomas Rieke · 23. November 2024 um 05:00

Gut zwei Jahre nach der Schließung des traditionsreichen Autohauses Lell an der Regensburger Straße zeichnet sich ab, was auf dem knapp 7500 Quadratmeter großen Gelände entstehen könnte. Aktuell wird die Immobilie auf diversen Portalen zum Verkauf angeboten. Kostenpunkt: rund 2,2 Millionen Euro.

Wie berichtet, hat die Unternehmensgruppe Lell mit Sitz in Schwandorf im Sommer 2022 beschlossen, ihren in den 1970er Jahren gegründeten Standort in Burglengenfeld aufzugeben. Am Ende desselben Jahres sollten in den Verkaufshallen und in der Werkstatt die Lichter für immer ausgehen. Ford-, Opel- und Suzuki-Fahrer verloren damit eine bewährte Adresse. Von der Entscheidung betroffen waren auch 30 Beschäftigte, darunter mehrere Azubis.

Gründe für den harten Schnitt nannte Geschäftsleiter Johann Baptist Lell seinerzeit mehrere. Eine wesentliche Rolle soll das Gebaren der Autohersteller gespielt haben. Ford habe beispielsweise angekündigt, sämtliche Händlerverträge in Europa aufzukündigen. Neue Kontrakte wären mit neuen, deutlich schlechteren Konditionen verbunden gewesen. Ähnliches berichtete Lell damals über Suzuki, und was Opel betrifft, so sei der Vertrag durch den Mutterkonzern Selantis bereits 2021 gekündigt worden.

Risiko neuer Investitionen war zu groß

Nach monatelangem Abwägen hatte sich für Lell unterm Strich ein Bild ergeben, das es ratsam erscheinen ließ, in Burglengenfeld die Waffen zu strecken. Die erforderlichen Investitionen wären enorm gewesen – und niemand hätte eine Prognose gewagt, ob sie sich jemals rechneten.

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Zur Zukunft des Geländes an der Regensburger Straße äußerte sich Lell seinerzeit nicht. Schon bald aber tauchte die Immobilie erstmals auf einer Internetplattform auf. Für 2,5 Millionen Euro wäre sie zu haben gewesen. Die Preisvorstellung war wohl etwas zu hoch angesiedelt, zumindest wurde das Grundstück nach einiger Zeit wieder vom Markt genommen, um es jetzt erneut anzupreisen. Diesmal liegt der Preis rund zehn Prozent niedriger.

Mit Burglengenfeld noch verbunden

Johann Baptist Lell erklärte auf Anfrage, zum gegenwärtigen Zeitpunkt habe er kein gesteigertes Interesse, das Thema an die große Glocke zu hängen. Zu vieles sei noch in der Schwebe. Die Burglengenfelder dürften aber davon ausgehen, dass der Eigentümerfamilie sehr daran gelegen sei, eine Lösung zu finden, die für die Stadt von Vorteil sei. Schließlich fühle man sich mit Burglengenfeld nach wie vor eng verbunden.

Dass die Bürger die Zukunft des Areals bewegt, lässt sich aus wiederholten Anfragen an die Redaktion oder im Stadtrat schlussfolgern. Als vor rund einem Jahr im Landtagswahlkampf das Gerücht gestreut wurde, die Immobilie würde zur Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert, war die Aufregung groß. Lell sah sich gezwungen, umgehend zu dementierten.

Blick auf das Internetportal eines Maklers

Ein Hamburger Makler beschreibt das Grundstück aktuell als „gut ans das Verkehrsnetz angebunden“. Die „beeindruckende Fläche“ von knapp 7500 Quadratmetern biete genügend Platz für neue Ideen. „Hier haben Sie die Freiheit, Ihre Vision zu verwirklichen und die Fläche nach individuellen Bedürfnissen zu gestalten“, heißt es wörtlich.

Unter Mitwirkung eines Architekten und in Abstimmung mit Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) seien bisher drei Bebauungsstudien durchgeführt worden, verrät der Makler weiter. Diese würden drei verschiedene Optionen eröffnen. Favorisiert werde eine Verbindung aus Gewerbe- und Wohngebäuden.

Enger Kontakt zwischen Eigentümer und Stadt

Bürgermeister Gesche (CSU) bestätigt dies im Großen und Ganzen. Auf Anfrage teilte er mit, dass in dem Mischgebiet eine „attraktive gewerbliche Nutzung“ stattfinden solle. Denkbar seien auch ein Mix aus einem gewerblichen Betrieb und einem darauf gesattelten Wohngeschoss oder „ein ähnliches Konstrukt“. Eine reine Wohnimmobilie sei indes ausgeschlossen, schließlich handle es sich beim Standort zwischen der Esso-Tankstelle und dem Lidl-Discounter um das „Einfallstor in unsere Stadt“.

Ferner berichtete Gesche, er stehe mit dem Grundeigentümer regelmäßig in Kontakt. Erst vor wenigen Tagen sei dieser mit einem Planer wieder bei ihm im Büro gewesen, um sich über die Entwicklung auszutauschen. Gerne sei man weiter bereit, Lell bei seinen Bemühungen um eine attraktive Folgenutzung zu unterstützen.

Wie wäre es mit einer Sanierung?

Unterdessen hat sich in der Redaktion bereits ein Mann gemeldet, der sich viel mit Immobilien beschäftigt. Aus seiner Sicht ist das Verkaufsangebot Lells „sagenhaft günstig“. Tatsächlich biete das Gelände nämlich jede Menge Potenzial. Andererseits möge man bei der künftigen Nutzung bitte nicht gleich an die Abrissbirne und einen Neubau denken, mahnt der Burglengenfelder. Im Sinne der Nachhaltigkeit sollten vielmehr auch Möglichkeiten zur Sanierung geprüft werden. Von der Substanz her, so seine Einschätzung, hätten es die Gebäude sicher verdient.