Späte Schatten über Projekt Waldwohnen in Burglengenfeld: Zweite Firma ist pleite

Die Wohnanlage Am Hirtberg 5 a-d, die Burglengenfelds Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) 2020 als beispielhafte Nachverdichtung lobte, ist längst vollendet. Jung und Alt fühlen sich dort wohl. Klagen über relevante Mängel der Anlage im Landkreis Schwandorf sind nicht bekannt. Und jetzt das: Die Bauträgergesellschaft „Waldwohnen für Generationen“, die für die Realisierung des Konzepts 2019 gegründet worden war, ist pleite.
Ende Oktober wurde auf dem einschlägigen Onlineportal des Amtsgerichts die Insolvenz veröffentlicht. Julia Weigl-Wagner, deren Familie das Projekt durch den Verkauf eines rund 4000 Quadratmeter großen Grundstücks samt fertiger Pläne vor Jahren auf den Weg gebracht hatte, reagierte überrascht, aber gefasst. Von der „Waldwohnen“-Insolvenz hatte sie noch nichts gewusst, wohl aber vom Ende der Firma, die das Vorhaben als Generalunternehmen umgesetzt hat: der Max Basel GmbH.
Bereits Anfang des Jahres wurde die Gesellschaft mit Sitz in Regensburg liquidiert. Seit längerem hatten Weigl-Wagner und ihre Hausverwaltung versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Vergeblich. Die Spur soll sich in Berlin verloren haben, wo die Firma ursprünglich angesiedelt war.
Enge Verflechtungen zwischen beiden Firmen
Zwischen diesem Unternehmen und der Waldwohnen-GmbH gab es enge Beziehungen, nicht nur wirtschaftlicher Natur. Die Geschäftsführerin von „Waldwohnen“, die nicht namentlich genannt werden will, ist mit einem Mann liiert, der für Max Basel in Burglengenfeld an vorderster Front gearbeitet hat. Das Paar betrachtete das Projekt nicht nur als Möglichkeit, vom damals noch existierenden Bauboom zu profitieren, sondern als Herzensangelegenheit. Man wollte sich selbst in der Wohnanlage ein Zuhause einrichten und reservierte sich zwei Einheiten.
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„Es war eine tolle Zeit. Ich liebe das Städtedreieck“, sagt der Lebenspartner der früheren Waldwohnen-Chefin nun. Eine Verkettung unglücklicher Umstände, aber auch Fehler bestimmter Personen hätten ihn und seine Frau jedoch dazu gezwungen, Burglengenfeld wieder den Rücken zu kehren. „Abgetaucht“, wie verschiedentlich schon spekuliert wurde, sei man aber nicht. „Sie sehen ja, ich bin da“, so der Mann bei einem Treffen mit dem MZ-Reporter in einem Lokal.
Böses Erwachen noch während der Erdarbeiten
Das Grundproblem, so berichtet er, sei gewesen, dass man für das Projekt falsch kalkuliert habe. Mit 3600 Euro pro Quadratmeter habe man viel zu günstig angeboten. Gleichzeitig habe es kurz nach dem Spatenstich ein böses Erwachen gegeben: Ein Nachbar habe reklamiert, der Baukörper würde zu hoch geraten. Das Landratsamt habe ihm recht gegeben.
Eineinhalb Meter habe man in der Folge tiefer graben müssen, was Kosten im sechsstelligen Bereich verursacht habe, so der Informant. Für den Vermessungsfehler habe man niemanden zur Rechenschaft ziehen können, man sei also auf den Kosten sitzen geblieben. Nicht unterschätzen dürfe man auch die teils massiv gestiegenen Materialpreise, zum Beispiel für Baustahl.
In Sinzing versuchten sie ebenfalls ihr Glück
Gleichwohl, so räumt der Mann weiter ein, habe sich das Projekt in Burglengenfeld, das 24 Wohnungen umfasst, so prima entwickelt, dass der Entschluss gereift sei, im Nachbarlandkreis Regensburg Vergleichbares anzubieten: „Waldwohnen für Generationen in Sinzing“ wurde gegründet, wieder mit der bewährten Geschäftsführerin und Max Basel als Partner im Boot. Im Frühjahr 2022 war Spatenstich.
In attraktiver Lage sollten unter anderem weitere 17 Eigentumswohnungen verschiedener Größe entstehen – für deutlich höhere Preise als in Burglengenfeld. Doch mit Max Basel ging es in den Graben. Die Fehlkalkulation aus dem Vorgängerprojekt holten die Firma ein. Außerdem, so ergaben MZ-Recherchen, sollen „wirtschaftlich Interessierte“ zu früh zu viel von früheren Gewinnen abgeschöpft haben, so dass letztlich bestimmte Forderungen nicht mehr erfüllt werden konnten. Folgeaufträge habe es auch keine mehr gegeben.
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Für „Waldwohnen in Sinzing“ ging es trotzdem weiter, wenn auch unter neuer Geschäftsführung. Und auf der Baustelle übernahm das Kommando die Urban Green Wohnbau GmbH, die MZ-Lesern durch das Graf-Lerchenfeld-Quartier in Köfering ein Begriff sein dürfte. Bayernweit hat es durch eine Serie von Pleiten mit bösen Folgen für die Käufer traurigen Bekanntheitsgrad erreicht. Auch Urban Green ist in Köfering gescheitert – was sich auch auf das Projekt in Sinzing auswirkte.
Schwierige Suche nach Verantwortlichen
Dort sollte die Bad Abbacher Klassik Bau GmbH die Arbeiten fortsetzen, deren Geschäftsführung in den Händen desselben Mannes liegt, der vorher bei Urban Green in der Verantwortung war. Abgeschlossen ist das Projekt aber nach MZ-Informationen noch heute nicht, obwohl es von außen so aussieht.
Zurück zu Max Basel und der Waldwohnen GmbH in Burglengenfeld: Die von den Gerichten bestellten Insolvenzverwalter aus dem Bayerwald und Regensburg halten sich gegenüber der Redaktion zurück. Die Verfahren seien ja grundsätzlich nicht-öffentlich, weshalb nur direkt Beteiligte ein Anrecht auf Einblicke hätten. Im Übrigen hätten die Gläubiger durch eine Berichterstattung keinen Vorteil zu erwarten. Ergo bestehe auch kein Interesse daran.
Was ist, wenn doch noch Mängel auftauchen?
Allgemein sei aber festzustellen, dass die Ermittlungen mit großem Aufwand verbunden seien. Noch immer sei man auf Suche nach denjenigen, die für das Desaster verantwortlich seien. Natürlich sei es das Ziel, die berechtigten Ansprüche der Gläubiger zu befriedigen. Wann und in welchem Umfang dies gelingen werde, sei derzeit jedoch nicht absehbar.
Die Anwälte dürfen sicher sein, dass die Bewohner der Anlage Am Hirtberg und die Hausverwaltung den Verlauf der Dinge weiter aufmerksam verfolgen werden. Es könnte ja sein, dass es sowohl an die Verantwortlichen der Projektentwicklungsgesellschaft als auch an die ausführende Firma doch noch Fragen zu richten gibt. Zwar liegen aktuell keine Klagen über relevante Mängel vor, aber die Gewährleistungsfrist ist noch längst nicht abgelaufen.