Bedenken gegen weiteren Solarpark im nördlichen Umland von Burglengenfeld

Als sich der Burglengenfelder Bauausschuss kürzlich einmal mehr mit dem Sondergebiet „Solarpark Hirschberg“ zu befassen hatte, schien der Billigungsbeschluss für die Entwurfsplanungen nur Formsache zu sein. Denn: Bei dem Projektanten handelt es sich um die geschätzte Bürgerenergie Mittlere Oberpfalz (Bemo), und als Co-Investor sitzen die Stadtwerke mit im Boot. Trotzdem gab es eine Gegenstimme.
CSU-Vorsitzender Peter Singerer, sonst eher ein Freund von Photovoltaik (PV) und Windanlagen, hatte sich nicht durchringen können, das Vorhaben abzusegnen. Weshalb, verriet er in der Sitzung nicht. Es schien auch keinen zu interessieren.
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Die MZ hakte nach und erfuhr aufschlussreiche Gründe. Das Plangebiet für den Solarpark Hirschberg befindet sich nach Singerers Auffassung in einem Bereich des nördlichen Umlands, wo bereits eine Häufung einschlägiger Projekte festzustellen sei. Das vorhandene Netz sei dafür aber nicht ausgelegt, so dass bei bestimmten Wetterlagen Solarparks immer wieder abgeregelt werden müssten.
Wäre es deshalb nicht ratsam, das nächsten Projekt solange zurückzustellen, bis die Voraussetzungen für eine zuverlässige und dauerhafte Stromabnahme geschaffen seien?, fragt der CSU-Politiker. Bis zur Lösung der Probleme sollten die benötigten Flächen weiter landwirtschaftlich genutzt werden.
Ursache für Abregelung nicht immer klar
Als konkretes Beispiel für eine häufiger vom Netz genommene PV-Freiflächenanlage nannte Singerer den Solarpark Richthof. Mit einer Leistung von über elf Megawatt (22 000 Module) handelt es sich dabei um das mit Abstand größte Sonnenkraftwerk im Städtedreieck. Seit März 2023 liefert es grünen Strom.
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Die Teublitzer CSU-Rätin Johanna Kruschwitz, die die Anlage zusammen mit der Firma Voltgrün betreibt, bestätigte im wesentlichen Singerers Darstellung der Dinge. „Ja, wir werden vom Bayernwerk immer wieder abgeregelt.“ Die Ursache dafür sei „nicht immer klar“. Zu vermuten sei, dass das Umspannwerk für Spitzenzeiten zu schwach sei. Bei der Planung sei die eventuelle Notwendigkeit zur Abregelung kein Thema gewesen, berichtet Kruschwitz. Mit der Reservierung eines Einspeisepunkts habe sie sich auf der sicheren Seite gewähnt. Dass dann doch nicht alles so glatt funktionierte, hat sie verwundert, „denn wir brauchen doch mehr grüne Energie“.
Kritik an schleppenden Ausgleichszahlungen
Immerhin, so die CSU-Rätin weiter, sei die Tendenz positiv. Die Zahl der Tage, an denen produzierter Strom nicht abgenommen worden sei, sei heuer gegenüber 2023 rückläufig gewesen. Dies könne aber regional sehr unterschiedlich sein.
Weiteren Verbesserungsbedarf sieht die Teublitzerin indes bei der Abrechnung von Ausgleichszahlungen für Energiemengen, die nicht ins Netz fließen dürfen. Hier hinke das Bayernwerk deutlich hinterher. Das Unternehmen agiere schwerfällig. Auf Anfragen warte man nicht selten vergeblich auf eine Antwort, konstatiert Johanna Kruschwitz.
Aus Datenschutzgründen kann Bayernwerk-Sprecher Christian Martens zum speziellen Einzelfall kaum Angaben machen. Allgemein aber betont er, wie anspruchsvoll die Aufgabe sei, das Netz fit für die Energiewende zu machen. Um die von der Politik vorgegebenen Ziele bis 2040 erreichen zu können, müsse das gesamte System umgestaltet werden.
Netzsteuerung wird immer wichtiger
Besondere Bedeutung komme der Steuerung des Netzes bei, damit die Energiegewinnung aus dezentralen Anlagen die vorhandenen Kapazitäten nicht überfordere. Hier gehe es um nicht weniger, als um die Gewährleistung der Versorgungssicherheit für alle, betont Martens.
Steuernde Eingriffe in der Netzführung (Redispatch) gehören seinen Worten zufolge zur Energiewende zwingend dazu. Ohne die Möglichkeit, Anlagen zu regeln, könne man „deutlich weniger Erneuerbare hinzubauen“. Mit dem enormen Zuwachs an PV sei Redispatch im Netz des Bayernwerks zum Massenphänomen geworden, womit sich auch Verzögerungen bei der Bearbeitung von Ausgleichszahlungen erklären ließen. Rückstände befänden sich aber „in der schnellstmöglichen Nachbearbeitung“.
Auch Herbert Werner, Vorstandsmitglied der Bemo, die, wie eingangs erwähnt, den Solarpark Hirschberg projektiert, hatte kürzlich das Thema Abregelungen ins Zentrum seiner Ausführungen gerückt. Sie seien ein „großes Problem“, sagte er bei der Generalversammlung der Genossenschaft in Nabburg Ende Oktober.
Genehmigung wird für 2025 erwartet
Dennoch lässt sich die Bürgerenergiegenossenschaft nicht von ihrem Kurs abbringen und will weiter ihren Beitrag zur Umsetzung neuer, umweltfreundlicher Kraftwerke leisten. Wegen der Engpässe bei der Netzeinspeisung den Ausbau der Erneuerbaren Energien zu reduzieren, sei der „falsche Gedanke“, so Christian Meyer, ebenfalls Bemo-Vorstand, auf Anfrage der MZ.
Werner wiederum verweist auf die Tatsache, dass es bis zur Genehmigung der Anlage am Hirschberg ohnehin noch eine Weile dauern dürfte. Er erwartet sie für 2025. „Und dann setzen wir uns noch einmal zusammen.“ Es gelte, verschiedene Dinge zu prüfen, zum Beispiel ob sich das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) zwischenzeitlich wieder geändert habe, und, falls ja, wie sich diese Änderungen auswirkten.
Bemo-Vorstand widerspricht CSU-Stadtrat
Was die Abschaltungen betrifft, so existierten immerhin Möglichkeiten, die Folgen abzufedern, erklärt Werner. Zum Beispiel durch einen Batteriespeicher. Auch eine solche Lösung wolle man für das Sondergebiet Hirschberg erstmals prüfen. Das Ergebnis werde in die Wirtschaftlichkeitsberechnung mit einfließen.
Unterm Strich sei es daher nicht auszuschließen, dass die Bemo das Projekt noch eine Weile schiebe. Aber nicht wegen einer „Häufung von PV-Anlagen im Plangebiet“. Werner wörtlich: „Eine solche sehen wir dort noch nicht.“
Ein Überblick über die Anlagen im Städtedreieck
Burglengenfeld: BD Solarpark in den Naabauen (750 kWp, Erweiterung geplant); Solarpark zwischen Hub und Mühlberg (1,89 MWp); Solarpark Weiherdorf bei Pilsheim (750 kWp). Satzungsbeschlüsse gibt es für die Solarparks zwischen Lanzenried und Dexhof (1,5 MWp) sowie bei Greinhof (7,2 MWp)
Maxhütte-Haidhof: Schwarzhof I (6 MW Nennleistung); Schwarzhof II (0,75 MW); Kalvarienberg ( 3,87 MW); Käsbreite, Roding (6 MW); Stockäcker, Katzheim (6,6 MW, Inbetriebnahme Anfang 2025).
Teublitz: Im Stadtgebiet gibt es zwei PV-Freiflächenanlagen. Zum einen in Katzdorf an der A93 und am Münchshofener Berg, Richthof. Weil beide Anlagen in Privatbesitz sind, macht Pressesprecher Thomas Stegerer zur Leistungsfähigkeit keine Angaben. Er verweist aber auf den Energie-Monitor, in dem sämtliche PV-Anlagen zusammengefasst sind: https://energiemonitor.bayernwerk.de/teublitz