PV-Anlagen laufen im Landkreis Schwandorf gut – Regelmäßig werden sie „gebremst“

Von Caroline Keller · 24. April 2024 um 18:15

Erst das gute Zeugnis, dann die Ernüchterung: Bei der Bürgermeisterdienstversammlung in der Oberpfalzhalle lobten Vertreter von Bayernwerk Netz den Landkreis als guten Stromproduzenten. Die Region performt vielleicht sogar zu gut: Denn auch in den kalten Monaten kann der erzeugte, grüne Strom regelmäßig nicht komplett ins Netz eingespeist werden.

„Der Landkreis braucht viel Strom, produziert aber auch viel“, erklärte Wolfgang Dumm, Kommunalbetreuer bei Bayernwerk Netz, den anwesenden Rathauschefs. Er verdeutlichte das mit Zahlen: „Wenn die Sonne scheint, erzeugt der Landkreis in einer Viertelstunde so viel Strom, dass damit 500 Teslas voll geladen werden können.“ Heuer beispielsweise seien am 5. April 10000 Megawatt generiert worden. Davon gebraucht wurden vor Ort lediglich um die 6000. „Der Rest ist vermutlich nach Norden aus dem Netz gespeist worden“, berichtete Dumm.

Frage nach dem Sinn

Doch damit nicht genug. Durch die hohe Produktion komme es sogar öfters zum „Redispatch“. Dabei würden PV-Anlagen abgeregelt und von der Stromproduktion quasi zeitweise ausgeschlossen werden.

André Zorger, der Leiter des Kommunalmanagements bei Bayernwerk Netz, nannte den Vorgang bei den PV-Anlagen eine Begleiterscheinung der Energiewende, die nötig ist, um die Netzsicherheit wahren zu können.

Landrat Thomas Ebeling (CSU) stellt bei einer anschließenden Diskussion die Frage nach der Sinnhaftigkeit von Freiflächen-Photovoltaik in den Raum. Zorger merkte an, dass für den Ausbau von Erneuerbaren Energien auch ein entsprechendes Netz vorhanden sein muss. „Man muss jetzt schauen, wie oft das passiert. Das Abregeln gehört nun mal dazu“, erläuterte er. Zorger sieht jedoch ein Potenzial für Investoren von Freiflächen-Photovoltaik. Sie könnten die Produktionsbetriebe unterstützen: „Das Ziel ist günstigen Strom für die Industrie zu produzieren. Das Netz muss smart ausgebaut werden.“

Kreisrat Rudi Sommer (Grüne) richtete daraufhin die Frage an Zorger, nach welchen Kriterien denn abgeregelt werde. „Wenn die Leitungen zu voll werden, ruft etwa Tennet dazu auf, abzuregeln. Es wird versucht, möglichst diskriminierungsfrei abzuregeln“, erklärte der Mann von Bayernwerk Netz. Die Abregelung könne sowohl kleine PV-Anlagen sowie Freiflächenphotovoltaik betreffen.

Zorger informierte ferner über den laufenden Betrieb bei Bayernwerk Netz. Die Anfragen zu Einspeisung und Bezug von Strom seien im vergangenen Jahr gestiegen. Des Weiteren werde das Unternehmen im Zeitraum von 2024 bis 2026 5,63 Millionen Euro investieren. „Auch in den vergangenen anderthalb Jahren wurden mehr Leute eingestellt und mehr investiert. Wir müssen Schritt halten mit der Energiewende“, erläuterte Zorger.

Allein im vergangenen Jahr hat Bayernwerk Netz im Freistaat nach eigenen Angaben 85500Photovoltaik-Anlagen in Betrieb genommen sowie 45000 Speicher. Insgesamt wurden 2300 Megawatt an Erneuerbare-Energie-Leistung generiert. Zorger zog hier den Vergleich zum Atomkraftwerk Isar 2, das 1000 Megawatt generierte.

Kommunalbetreuer Dumm erläuterte den anwesenden Bürgermeistern noch ein innovatives Projekt: die KI-Kugeln bei Freileitungen. Diese Geräte analysierten aufgrund von Messungen, wie viel Strom durch die Freileitungen fließen kann, da diese nur bis zu einem gewissen Grad belastbar sind. Dumm stellte dies an einem Beispiel dar: „Die Leitung kann nicht so stark belastet werden, wenn sich eine neue Bebauung darunter befindet, wie ein Spielplatz.“

Durchhängende Leitungen

Er erklärte, dass je nach Wetterlage und Außentemperatur die Leitung unterschiedlich durchhängen kann. „Wenn dann etwa ein Klettergerüst unter der Leitung steht, muss man berechnen, wie viel Strom durchfließen kann.“ Und da komme die KI-Kugel ins Spiel. Derzeit müsse der Stromfluss nach Richtwerten verändert werden. Die KI ist da laut Dumm genauer: „Es kann oft mehr Strom durch die Leitung fließen als vorher angenommen.“

Und noch einen Punkt zu den Freileitungen hatte Dumm parat: Wer in der Nähe dieser wohnt, dürfte es ohnehin schon gesehen haben. Derzeit werden die Leitungen aus der Luft mit Hilfe von Helikoptern kontrolliert. „In Zukunft könnten das eventuell Drohnen übernehmen“, erklärte Dumm. Der Einsatz eines Helikopters sei schlicht sehr kostspielig.

Sie informierten die Rathauschefs: André Zorger (l.) und Wolfgang Dumm von Bayernwerk Netz. Foto: Caroline Keller