Nach spektakulärem Unfall in Burglengenfeld: Schadensregulierung wurde zum Geduldsspiel

Ende März hat sich in der Regensburger Straße in Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) ein spektakulärer Unfall ereignet. Die Folgen sind bis heute nicht behoben. Die MZ hakte nach, weshalb es mit der Beseitigung der Schäden so lange dauert.
Rückblende: Den Gründonnerstag (28. März) 2024 wird ein damals 19-jähriger Autofahrer aus dem Städtedreieck vermutlich immer als schwarzen Tag in Erinnerung haben, obwohl er unterm Strich noch Dusel hatte. Wegen einer „kleinen Unaufmerksamkeit“, so gab der junge Mann zu Protokoll, verlor er gegen 22 Uhr in der Regensburger Straße, kurz nach einer Ampelkreuzung, die Kontrolle über seinen VW-Polo.
Der Kleinwagen kam nach links von der Fahrbahn ab, rasierte einen Baum und demolierte drei Straßenlaternen, ehe er gegen die Schaufensterfassade des Anwesens mit der Hausnummer 26 krachte, in dem Hörgeräte Seifert eine Filiale betreibt. Auch der Eingangsbereich des Reformhauses nebenan sowie ein abgestellter Transporter wurden in Mitleidenschaft gezogen.
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Der Sachschaden, das war auf den ersten Blick zu erkennen, war beträchtlich. Wie durch ein Wunder kam der Verunglückte aber relativ glimpflich davon. Wegen eines Schienbeinbruchs musste er allerdings ins Krankenhaus. Weitere Verletzte waren nicht zu beklagen, was an der Unfallzeit liegen dürfte. Tagsüber sind in der Regensburger Straße gewöhnlich zahlreiche Passanten unterwegs. Wie gesagt: Der Lenker des Polo hatte Glück im Unglück.
Verfahren gegen Unfallverursacher eingestellt
Bei der Suche nach der Unfallursache konnten Alkoholisierung oder Überschreitung der zulässigen Geschwindigkeit relativ schnell ausgeschlossen werden. Auch eine Ablenkung durch den Gebrauch eines Handys während der Fahrt war nicht nachweisbar. „Es lag also kein strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vor, das Verfahren wurde eingestellt“, bestätigte Polizeichef Franz Wenig auf Anfrage.
Doch nicht nur die Behörden hat der Fall über Wochen beschäftigt. Noch viel mehr Arbeit brachte er für die Geschädigten mit sich.
Bei Hörgeräte Seifert, wo mehrere Schaufenster zu Bruch gegangen waren, mussten im Frühjahr Lösungen gesucht werden, die eine möglichst rasche Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs ermöglichten. Das ist einerseits gelungen, andererseits sind die provisorisch eingebauten Holzplatten noch immer nicht durch Glas ersetzt. Das bedeutet: Kaum natürliches Licht in den Geschäftsräumen und seit Herbst zunehmend frische Temperaturen. Vor allem für die Mitarbeiter ist das eine ungemütliche Situation.
Trotz hohen Schadens gab es keinen festen Ansprechpartner
Die MZ wollte wissen, weshalb die Schäden auch sieben Monate nach dem Unfall nur notdürftig behoben sind. Das Ergebnis der Recherchen: Es liegt nicht an Materialmangel oder an fehlenden Handwerkern, sondern in erster Linie am Ringen mit der Versicherung des Unfallverursachers.
„Es zog sich wie Kaugummi“, berichtet der Hauseigentümer, der lieber anonym bleiben möchte. Ein Sachverständiger zur Schadendokumentation sei zwar schnell vor Ort gewesen, dann aber sei der Kontakt zur Assekuranz mehr oder weniger abgerissen. Ein fester Ansprechpartner sei nicht benannt worden, bei jeder Detailfrage habe man sich deshalb über ein Callcenter vorkämpfen müssen – und das, obwohl sich die Schadensumme im hohen fünfstelligen Bereich bewege. Erst nach Einschalten eines Anwalts, so der Hausbesitzer weiter, sei die Versicherung kooperativer geworden. Seitdem existiere eine konkrete Kontaktperson.
Nur ein Teil der Kosten wird übernommen
Mit Hilfe eines Architekten sei ferner zu klären gewesen, wie das beschädigte Gebäude saniert werden sollte. Damit sei aber auch erst der Weg für die Ausschreibung geebnet worden. Mittlerweile summieren sich die bereits angefallenen Kosten und zu erwartenden Ausgaben auf rund 90 000 Euro, berichtet der Eigentümer. Mit einer kompletten Erstattung rechnet er nicht. Ihm sei, so sagt er, signalisiert worden, dass verschiedentlich Abzüge vorgenommen würden, weil das Gebäude zum Beispiel mit den neuen Fenstern ja eine Wertsteigerung erfahre.
Wie viel Geld am Ende fließen wird, und „auf welchen Kosten ich sitzen bleibe“, werde sich erst bei der Endabrechnung zeigen, so der Hausbesitzer weiter. Ursprünglich habe er gehofft, „dass wir im Herbst alles erledigt haben“.
Ab 8. Januar kommen die Handwerker
Immerhin existiert mittlerweile ein Plan für das weitere Vorgehen. Laut einem Sprecher des Hörakustikspezialisten werden am 8. Januar die Sanierungsarbeiten starten. Sie seien mit größerem Aufwand verbunden und dauerten deshalb volle drei Wochen. Um trotzdem Dienstleistungen anbieten zu können, werde im Innenhof ein beheizbarer Container aufgestellt. Im Frühjahr soll sich eine Fassadensanierung anschließen.
Hörgeräte Seifert, so heißt es weiter, sei zwar kein Sachschaden entstanden. Doch wegen der massiven Beeinträchtigung des äußeren Erscheinungsbilds sei doch ein spürbarer Rückgang der Kundenfrequenz feststellbar gewesen.
Auch die Stadt klagt über Gebaren der Versicherung
Probleme bei den Verhandlungen mit der Versicherung bestätigt auch die städtische Pressereferentin, Ulrike Pelikan-Roßmann. Die Kommune ist involviert, weil bei dem Unfall ein Baum und drei Straßenlaternen zerstört wurden. Für die Erneuerung der Laternen legte das Bayernwerk einen Kostenvoranschlag von 26 000 Euro vor. Erst Mitte Oktober wurde er laut Pelikan-Roßmann an den Unfallverursacher weitergeleitet.
Aus Sorge, auf den Kosten sitzen zu bleiben, habe man sich entschieden, nicht in Vorausleistung zu treten, berichtet die Sprecherin der Stadt. Bis zur endgültigen Klärung werde aber ein Provisorium installiert werden. Dieses „ist in Arbeit“.
Weiterer Lichtblick: Der beim Unfall gekappte Baum wird durch eine Winterlinde ersetzt. Allein das kostet laut Pelikan-Roßmann rund 1700 Euro.