Firmengruppe Lell schließt ihr Autohaus in Burglengenfeld

Von Thomas Rieke · 26. August 2022 um 07:50

Schlechte Nachricht für alle Ford-, Opel- und Suzuki-Freunde im Städtedreieck. Die Leitung der Unternehmensgruppe Lell mit Sitz in Schwandorf hat beschlossen, das Autohaus in Burglengenfeld samt Werkstatt aufzugeben. Ende 2022 gehen in dem in den 1970er Jahren gegründeten Betrieb die Lichter aus.

„Die Entscheidung, die in der Familie getroffen wurde, ist uns wirklich sehr schwer gefallen. Uns belastet das sehr“, versichert Geschäftsleiter Johann Baptist Lell.Der 28-Jährige hat nach dem überraschenden Tod seines Vaters im April 2021 das Steuer übernommen.Am 18. August überbrachten er und Prokurist Dietmar Burggraf der rund dreißigköpfigen Belegschaft in Burglengenfeld die deprimierende Botschaft.

Alle Mitarbeiter sind geschockt

Die Reaktion war, so berichtet Lell, wie erwartet: „Die Mitarbeiter sind geschockt.“ Gerade weil man sich mit ihnen grundsätzlich tief verbunden fühle, habe man natürlich den direkten Kontakt gesucht, um vor Ort die Hintergründe persönlich zu erläutern.

Gründe für den harten Schnitt gibt es laut Lell viele. Eine wesentliche Rolle spiele das Gebaren der Autohersteller. Ford habe angekündigt, sämtliche Händlerverträge in Europa aufzukündigen. Neue Kontrakte wären mit neuen Konditionen verbunden gewesen – laut Lell vermutlich deutlich schlechteren als heute.

Wie andere Hersteller auch, so trage sich Ford mit dem Gedanken, Neuwagen künftig direkt an den Endkunden zu verkaufen; die bisherigen Händler übernähmen im sogenannten Agenturmodell nur noch eine Vermittlerrolle. Außerdem, so berichtet Lell, sei den Händlern ans Herz gelegt worden, künftig noch mehr auf Nutzfahrzeuge zu setzen, wofür erst neue Käuferschichten gewonnen werden müssten.

Immer höhere Anforderungen der Hersteller

Nicht zuletzt sei absehbar gewesen, dass Händler, die weiter Ford-Partner sein wollten, kräftig investieren sollten, um den Ansprüchen des Konzerns an das äußere Erscheinungsbild gerecht zu werden.

Ähnliches, so berichtet der junge Unternehmer, sei von Suzuki zu erwarten gewesen. Genaueres könne er dazu nicht sagen, denn die Kommunikation mit den Japanern sei seit langem schwierig – was übrigens in der Fachpresse allgemein so bestätigt wird. Was die dritte Marke, Opel, betrifft, mit der Lell in Burglengenfeld als Servicepartner zusammengearbeitet hat, so sei der Vertragdurch den neuen Mutterkonzern Stellantisbereits 2021 gekündigt worden.

Noch immer, so betonen der Geschäftsleiter und der Prokurist außerdem, habe sich die Branche nicht von den Folgen der in der Corona-Pandemie aufgetretenen Lieferengpässe erholt. Vor allem Ford habe riesige Probleme mit der Produktion von Neuwagen. Auch deshalb habe sich der Fuhrpark in Burglengenfeld stark gelichtet. Prokurist Burggraf: „Wir könnten verkaufen, denn die Nachfrage wäre da. Aber wir bekommen keine Fahrzeuge.“

Zwei neue Lehrlinge sind woanders untergeschlüpft

Nach monatelangem Abwägen habe sich unterm Strich ein Bild ergeben, das es ratsam erscheinen ließ, in Burglengenfeld die Waffen zu strecken, beteuert Lell. Die erforderlichen Investitionen wären enorm gewesen – und niemand habe eine Prognose gewagt, ob sie sich jemals rechneten.

Unter den von der Schließung betroffenen Mitarbeitern sind auch sieben Auszubildende; zwei von ihnen hätten am 1. September ihre Lehre bei Lell beginnen wollen. Sie konnten aber laut Burggraf bereits in einem anderen Betrieb anheuern. Was aus den anderen Beschäftigten wird, die teils seit Jahrzehnten für Lell in Burglengenfeld gearbeitet haben, weiß aktuell niemand. Das Arbeitsrecht schreibe es vor, alle gleich zu behandeln, sagt Lell. Das bedeute aber auch, dass man niemanden gezielt für eine Übernahme in einen weiteren Betrieb der Unternehmensgruppe habe auswählen dürfen. Natürlich sei es aber jedem freigestellt, sich für eine Stelle zu bewerben.

Fokus liegt nun auf dem Premium-Partner BMW

Johann Baptist Lell, der die Firma seines Vaters in besonders herausfordernden Zeiten übernommen hat, will nun die Kräfte bündeln und sich voll auf das Kerngeschäft mit dem „weiß-blauen“ Autobauer BMW konzentrieren.

Erstim Februar 2021 hat die Unternehmensgruppe im oberfränkischen Wunsiedel ein starkes Zeichen gesetztund ein ehemaliges Autohaus erworben, um mehr Platz für die Premium-Marke zu schaffen. 35 Arbeitsplätze wurden gesichert.

Schon 2019 gab es einschlägige Gerüchte...Situation:Mit der Schließung des Autohauses Lell in Burglengenfeld geht eine über 60-jährige Tradition zu Ende. So lange hat Lell die Marke Ford in der Region erfolgreich vertreten.

Anfänge:Der Großvater des heutigen Geschäftsleiters der Unternehmensgruppe, Johann Baptist Lell, gründete in den 1970er Jahren in Burglengenfeld ein Autohaus. Sohn Bernhard führte es bis 2009, dann ging der Betrieb in die Firmengruppe über, blieb aber eine eigenständige GmbH. Schon 2010 gab es Gerüchte über ein drohendes Aus. Stattdessen wurde kräftig investiert.