Brauerei-Aus in Regensburg: Die Kirche findet die Bischofshof-Mitarbeiter ab

Die Regensburger Brauerei Bischofshof soll nach fast 380 Jahren 2027 geschlossen werden. Seit Februar verhandelten Betriebsrat und Gewerkschaft mit der Geschäftsführung darüber, wie die Abfindungen auszusehen haben. Jetzt gibt es Ergebnisse. Ungekärt ist noch, wie mit dem Sponsoring der Brauerei sowie den Gaststätten weiter verfahren wird.
Die Kirche wird sich zum Ende des Jahres von der Brauerei Bischofshof trennen – und das nach fast 380 Jahren ihres Bestehens. Die einst als Geldeinnahmequelle für die Priesterausbildung gegründete Brauerei, deren Eigentümer der Bischof von Regensburg ist, soll zum Ende des Jahres abgewickelt werden – das war bereits seit Mitte Januar bekannt. Doch jetzt haben sich Betriebsrat, Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten einerseits sowie die Brauereiführung in Vertretung des Eigentümers, also der Kirche, andererseits auf einen sogenannten Interessensausgleich sowie einen Sozialplan für die Mitarbeiter geeinigt, die gehen sollen.
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Die Brauerei Schneider wird ab 1. Januar 2027 die Markenrechte für Bischofshof und Weltenburger übernehmen, zudem sollen knapp 20 Mitarbeiter aus der Logistik wechseln. Die Brauerei in der Regensburger Heitzerstraße indes wird geschlossen – doch nicht alle der 56 Mitarbeiter erhalten zeitgleich die Kündigung, wie aus informierten Kreisen verlautbart wurde. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern sollen Mitarbeiter aus dem Bereich der Finanzen, der Buchhaltung sowie eine Person im Vertriebsinnendienst erst zum 30. April 2027 gekündigt werden. Das sieht der Sozialplan vor. Zum Bleiben möchten die Verantwortlichen diese Mitarbeiter mit einer höheren Abfinderegelung – sie sollen Anspruch auf 100 Prozent der angebotenen Summe haben – bewegen.
Es ist Gründonnerstag, der Tag, den Christen als das Letzte Abendmahl begehen, als die Geschäftsführung der Brauerei Bischofshof die Mitarbeiter über den Sozialplan informierte. Am Abend wird Bischof Rudolf Gläubigen im Dom die Füße waschen.
80 Prozent der Mitarbeiter haben neuen Job gefunden
Kalte Füße über eine für sie bevorstehende schwierige Zeit dürften auch einige Mitarbeiter der Brauerei bekommen haben, als sie über das Abkommen informiert wurden. Die Kirche bietet den Mitarbeitern eine Abfindung mit dem Faktor 0,75 ihres letzten Bruttogehalts mal den Jahren der Betriebszugehörigkeit an. Die Regel ist ein Faktor von 0,5, das bedeutet, diese Abfindungsregelung ist überdurchschnittlich. Die Abfindungen sind indes gedeckelt bis zu 135 000 Euro – ausgenommen sind davon allerdings sogenannte „Abfindungserhöhende Prämien“.
Hat ein gekündigter Mitarbeiter Kinder, soll er zusätzlich 2000 Euro erhalten. Mitarbeiter mit Behinderung sollen zusätzlich 5000 Euro erhalten. Wer vor November selbst kündigt, soll jedoch jeglichen Anspruch auf eine Abfindung verlieren. Wer zwischen November und 31. Dezember kündigt, soll noch die Hälfte der Abfindung erhalten. So sieht es das Regelwerk vor, das die Gewerkschaft mit dem Betriebsrat und der Geschäftsleitung der Brauerei ausgehandelt hat. Bei allen Abfindungen gilt allerdings stets, dass der Staat an der Kündigung der Mitarbeiter verdient.
Begleitend zur Betriebsaufgabe der Brauerei wurde ein sogenanntes Replacement-Team eingesetzt. Laut informierter Kreise sind bereits 80 Prozent der Mitarbeiter, die gekündigt werden sollen, an andere Betriebe weitervermittelt worden. Auch für die Auszubildenden in der Brauerei gibt es eine Lösung: Sie werden bei der Brauerei Schneider übernommen.
Offene Fragen gibt es jetzt noch im Hinblick darauf, wie es in der Außenbeziehung weitergehen wird. Zum einen ist die Brauerei ein wichtiger Sponsor, etwa beim SSV Jahn und weiteren Sportvereinen. Zum anderen gibt es Gaststätten wie den Bischofshof am Dom, aber auch die Bischofshof Braustuben direkt neben der Brauerei, die fortgeführt werden sollen – wie und unter welchem Dach, das wird sich bis Mitte des Jahres zeigen. Möglich wäre etwa, die Brauerei Bischofshof GmbH einfach fortzuführen – das Problem dabei ist allerdings, dass es sich dann möglicherweise nicht um eine vollständige Betriebsaufgabe handeln könnte.
Wir wollen die Eigentümerschaft erhalten. Sie ist ein historisches Erbe.Bischof Rudolf Voderholzer 2019 bei der Änderung der Unternehmensform
Doch angesichts der nun vorgelegten Abfindungsregelungen dürften sich die meisten Mitarbeiter darauf einlassen, ohne es auf eine arbeitsrechtliche Auseinandersetzung, bei der diese Frage eine Rolle spielen könnte, ankommen zu lassen.
Laut den Jahresabschlüssen schrieb die Brauerei seit 2020 Millionenverluste. Allein für das Jahr 2020 verzeichnete Bischofshof ein Defizit von fast fünf Millionen Euro.
Ergebnis der Brauerei erholte sich nicht mehr
Bis 2024 erholte sich das Unternehmen trotz Sanierungsplan nicht. Als der Bischof noch 2019 die Unternehmensform anpasste und änderte, sagte er vor der Belegschaft diese Worte:„Wir wollen die Eigentümerschaft erhalten. Sie ist ein historisches Erbe.“ Sieben Jahre später wird die Geschichte der Brauerei zu Ende gehen.