Regensburger Traditionsbrauerei schließt: Was von Bischofshof noch übrig bleibt

Von Christian Eckl · 28. Februar 2026 um 05:00

Zwei Gastronomen wollen in ihr Objekt investieren – doch ihr Verpächter ist die Brauerei Bischofshof, die 2027 schließt. Seit bekannt wurde, dass der Bischof seine Brauerei zum Ende des Jahres aufgibt, fragen sich viele Gastronomen, wie es weitergeht. Derweil fanden im Hintergrund Gespräche zu Abfindungen für die Mitarbeiter statt. Zu all dem schweigen Kirche, Brauerei und Investor allerdings.

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Kirche und Brauerei Bischofshof bleiben dabei – auch vom Käufer der Markenrechte, Schneider Weisse aus Kelheim, gibt es kein weiteres Statement: Seit die Nachricht in Regensburg einschlug wie eine Bombe, dass die Brauerei Bischofshof zum 1. Januar 2027 den Betrieb einstellt, gibt es viele Fragen – aber keine Antworten. Das betrifft auch Gastwirte, die mit der Brauerei einen Pachtvertrag haben. Wie gehen sie mit der Ungewissheit um?

Der Regensburger Gastronom Peter Artmann betreibt zusammen mit Thomas Scholz das Di Nero in der Schottenstraße. Die Anlage ist historisch: Einst waren im hinteren Bereich die Stallungen der Regensburger Bischöfe. Bis heute sieht man die Pferdetränken dort. Das Gebäude vorne war das ehemalige Ökonomiegebäude des Klosters St. Jakob. Wie die Bischofshof Braustuben, so gehört auch das Gebäude des Di Nero der Bischöflichen Administration. Verpächter an die Gastronomen aber ist die Bischofshof GmbH, also die Brauerei. Artmann und Scholz haben investiert: „Wir haben das separate Gebäude, in dem unter anderem einmal im Monat eine große Ü30-Party stattfindet, noch einmal innen ausgebaut, beispielsweise das Farbkonzept geändert“, sagt Artmann. Das Objekt wird nun unter „Lou“ betrieben und steht auch externen Veranstaltungen zur Verfügung.

Bleibt die Bischofshof GmbH einfach weiter bestehen?

„Wir gehen davon aus, dass die Bischofshof GmbH weiter unser Verpächter bleibt“, sagt Artmann. Doch gekauft hat die Kelheimer Brauerei Schneider lediglich die Markenrechte an Bischofshof und Weltenburger. Bleiben die Gastronomien also weiterhin separat betrieben durch die GmbH, bleibt diese also bestehen? „Das hat man uns nicht sagen können bisher, aber es wäre sinnvoll“, meint Artmann. Der Pachtvertrag für sein Objekt läuft jedenfalls noch acht Jahre.

Auch andere Gastronomien sind in einer ähnlichen Lage und haben einen Pachtvertrag mit der Bischofshof GmbH, etwa die Bischofshof Braustuben. Auch hier ist die Administration der Eigentümer des Gebäudes, während die Brauerei dieses weiterverpachtet.

Und Artmann ist auch in einem anderen Objekt betroffen: in Artmanns Herzl auf der Regensburger Dult. „Wir haben Helles von Kneitinger und Bischofshof-Weizen“, sagt der Gastronom. Auch hier könnte das Aus der Brauerei Folgen haben: Wie berichtet, gab es bereits einmal einen Bierstreit auf der Dult, ausgelöst ausgerechnet vom damaligen Brauereichef Hermann Goß. Der wandte sich dagegen, dass Thurn und Taxis auf der Dult ausgeschenkt wird, da die Brauerei Paulaner die frühere fürstliche Brauerei übernommen hatte.

Die Mittelbayerische hat natürlich erneut einen umfangreichen Fragenkatalog an die Brauerei beziehungsweise eine Agentur geschickt, die für den Prozess die Sprecherrolle ausübt. Lediglich zur Frage, ob sich Schneider auch auf der Dult engagieren und künftig das nicht mehr in Regensburg gebraute Bier unter der Marke Bischofshof anbietet, gab es eine Antwort. „Fakt ist, dass auch für Schneider Weiße das Bischofshof-Engagement in und um Regensburg weiter hohen Stellenwert hat. Die Detailfragen sind aktuell noch in Klärung“, erklärte der Sprecher damals. Goß hingegen konterte, wenn die Stadt bei ihrer Haltung bleibe, wäre Bischofshof ab 2027 aus den beiden Dult-Zelten draußen.

Fragen stellte die MZ auch in Bezug auf die 56 Mitarbeiter der Brauerei, die anders als 21 Logistiker nicht zu Schneider wechseln sollen. Gibt es bereits einen Sozialplan? Dem Vernehmen nach fand am vergangenen Mittwoch eine weitere Runde zwischen Betriebsrat und den Anwälten statt, die Kirche und bisherige Brauereileitung vertreten. Dem Vernehmen nach konnte man sich nicht einigen, im März wird weiter verhandelt.

Ein Blick in die Zahlen zeigt jedenfalls, wie groß der finanzielle Druck auf die Brauerei in den vergangenen Jahren war. Im Corona-Jahr 2020 verzeichnete die Brauerei knapp 4,8 Millionen Euro Defizit. Zwar ging das Defizit zwischen 2021 und 2023 von 2,6 Millionen Euro Miese auf knapp 2,17 Millionen Euro zurück. Doch schon 2024 kratzte das Defizit der Brauerei wieder an der Drei-Millionen-Euro-Marke. Auffangen musste das die Knabenseminarstiftung, die eigentlich beispielsweise für den Betrieb des Priesterseminars zuständig ist.

Betreiben das Di Nero und das frisch sanierte Lou in der Schottenstraße, das sie von der Bischofshof GmbH gepachtet haben: Peter Artmann (re.) und Thomas Scholz. - Foto: Claudia Scholz

Zumindest musste der Bischof während der Corona-Zeit Geld zuschießen, um die Brauerei zu stützen. Bereits Ende Dezember trug man auch eine neue GmbH in das Handelsregister ein: Die Bischofshof Immobilien GmbH & Co. KG mit Sitz in der Niedermünstergasse, also im Ordinariat. Kommanditist ist wiederum die Bischöfliche Knabenseminarstiftung, über die auch die Brauerei betrieben wurde. Ein Zeichen dafür, dass die Gaststätten weiterhin über die Kirche betrieben werden sollen?

Wurde wirklich eine Ratenzahlung vereinbart?

Unbeantwortet ließen Kirche, Bischofshof, aber auch Schneider die Frage, ob es zutrifft, dass man sich auf Ratenzahlung für die Markenrechte geeinigt hat. Wie unbestätigte Quellen angeben, soll Schneider die Markenrechte zwölf Jahre lang abbezahlen.

Gastronom Artmann, der derzeit auch für den Stadtrat kandidiert, weil er den Umgang der Stadt mit Gastronomen kritisiert, glaubt: „Das könnte dann auch die Dauer sein, wie lange es noch Bischofshof-Bier als eigene Marke geben wird.“

Der Deal der Kirche mit Schneider

Markenrechte: Die Mitteilung, die am 16. Januar verbreitet wurde, hatte es für Regensburg in sich: „Schneider Weisse soll ab dem 1. Januar 2027 von der Brauerei Bischofshof die Rechte an den Marken Bischofshof und Weltenburger erwerben. Über den Kaufpreis haben die Vertragspartner Stillschweigen vereinbart“, hieß es wörtlich. Der Bischof bedauerte die Kündigung der Mitarbeiter.

Kirchenaustritte: Aus der Brauerei ist zu hören, dass unmittelbar nach dieser Nachricht einige Mitarbeiter aus der Kirche ausgetreten sein sollen. Auf Anfrage wurde dies weder bestätigt noch dementiert. Auch auf die Frage hin, ob man weiterhin eine GmbH kirchlich betreiben wird, die Gaststätten verpachtet, gab es keine Antwort, weder von der Brauerei noch vom Bistum.