Aus für die Brauerei Bischofshof in Regensburg: Wer darf nun die Dult beliefern?

Vor einigen Jahren entbrannte um die Marke Thurn und Taxis ein Bierstreit, ausgelöst ausgerechnet vom damaligen Chef der Brauerei Bischofshof. Nachdem das Aus der Brauerei am Standort Regensburg besiegelt ist, stellt sich die Frage: Wird künftig ein Bischofshof-Bier auf der Dult ausgeschenkt, das gar nicht in Regensburg gebraut wurde?
Immer mehr Fragen wirft das angekündigte Aus der Brauerei Bischofshof auf – bei den betroffenen 57 Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz zum Ende des Jahres verlieren, bei Wirten, die nicht wissen, wer künftig ihre Gaststätte an sie verpachtet – aber auch bei der Stadt Regensburg. Denn die gibt vor, welches Bier auf der Dult in den beiden großen Festzelten Hahn und Glöckl ausgeschenkt wird.
Bereits 2013 brach der Regensburger Bierstreit aus. Damals war es der Chef der Brauerei Bischofshof, Hermann Goß, der Thurn und Taxis angriff: Die Biermarke war 1996 nach dem Tod von Fürst Johannes an die Schörghuber-Gruppe (Paulaner) veräußert worden. Goß argumentierte damals, dass die Stadt sich selbst auferlegt habe, nur in Regensburg gebrautes Bier ausschenken zu lassen.
Heute sagt Goß, der seit 2019 im Ruhestand ist, dies zur Frage, ob Bischofshof auch nach der Schließung auf der Dult ausgeschenkt werden sollte: „Wenn die Stadt weiterhin an meiner Argumentation festhält, dürfte 2027 nur noch Spital und Kneitinger zum Ausschank kommen.“ Er klagt: „Was für ein Verlust für die Marke Bischofshof. Schade für mein Herzblut.“
Die heutige Geschäftsführung von Bischofshof, aber auch Schneider Weiße beantworten eine Anfrage im Hinblick auf die Zukunft des Bieres auf der Dult über einen Sprecher: „Fakt ist, dass auch für Schneider Weiße das Bischofshof-Engagement in und um Regensburg weiter hohen Stellenwert hat. Die Detailfragen sind aktuell noch in Klärung.“ Auch auf die Frage hin, wie der Bierstreit bewertet wird im Hinblick auf die Aufgabe der Brauerei, heißt es wörtlich: „Für diese Frage ist die Stadt der richtige Ansprechpartner.“
Festwirte von Entscheidung des Bischofs überrascht
Das sagt auch Festwirt Alfred Glöckl und verweist auf die Stadt, die eine Entscheidung, welches Bier ausgeschenkt wird auf der Dult, treffen muss. „Das ist auch gut so, sonst macht jeder, was er will“, so der Wirt, der im Herbst das 90. Jubiläumsjahr seiner Familie auf dem Volksfest feiert. Sein Kollege Michael Hahn bestätigt das. Er sagt aber auch: „Das kam für uns alle ein bisschen überraschend.“ Es sei noch zu früh, ein abschließendes Meinungsbild zu haben. Sicher ist für Hahn: „Wir haben mit allen Regensburger Brauereien hervorragend zusammengearbeitet.“
Doch was sagt die Stadt Regensburg selbst? Eine Sprecherin antwortet auf Anfrage: „Es gibt keine Verordnung, die den Ausschank von in Regensburg gebrauten Bieren für die Zulassung als Festwirt zur Voraussetzung macht.“ Allerdings mache es die Stadt Regensburg „als Veranstalterin der Dulten im Rahmen der mit den Festwirten für jedes Volksfest zu schließenden Verträge zur Auflage, Festbier der Regensburger Stiftungsbrauereien in einem rollierenden Turnus auszuschenken“.
Sollte die Stadt weiterhin an dieser Regelung festhalten, wären Kneitinger und Spital ab 2027 die einzigen Festbierlieferanten.Wolfgang Lindner, Spitalmeister
Lediglich für Weizen, alkoholfreies Bier und sonstige alkoholfreie Getränke stehe es den Wirten frei, wen sie als Lieferanten wählen. Fraglich wird also sein, wie die Verträge im kommenden Jahr gestaltet sein werden. Das wird wohl auch eine politische Entscheidung sein, die von der neuen Stadtspitze getroffen werden muss. Die Sprecherin sagt dazu: „Die Stadt kann aktuell noch keine Aussage treffen, ob beziehungsweise wie sich mögliche ab 2027 anstehende Veränderungen auf den Ausschank von Bischofshof auf den Regensburger Dulten auswirken werden.“
Spitalmeister Wolfgang Lindner macht deutlich, wie die Regeln bisher sind. „Bisher gibt es auf der Regensburger Dult Regensburger Festbier, welches sich dadurch auszeichnet, dass es in Regensburg gebraut wird.“ Lindner sagt auch, was es also bedeuten würde, wenn Bischofshof Bier nicht mehr in Regensburg gebraut wird: „Sollte die Stadt weiterhin an dieser Regelung festhalten, wären Kneitinger und Spital ab 2027 die einzigen Festbierlieferanten.“

Natürlich gebe es auch noch andere Biersorten wie zum Beispiel Kellerbier, Helles, Weißbiere und alkoholfreie Biere, welche keinen besonderen Herkunfts- oder Schutzstatus bieten. Am Ende entscheide die Stadt und der Betreiber der Zelte oder Stände darüber, „ob er lieber eine regionale Regensburger Stiftungsbrauerei möchte oder eben nicht“.
Der Geschäftsführer der Brauerei Kneitinger, Leonhard Resch, gibt sich selbstbewusst: „Regensburg trinkt Kneitinger“, so Resch. „Auf der Maidult sind wir im Hahnzelt, im Artmann‘s Herzl, in der Fischbraterei Schmalzl und bei Fisch Maier und in der Brechtl‘s Schmankerlhütte im Ausschank.“ Die Vergabekriterien würde der Veranstalter festlegen. Resch schließt: „Wir als Brauerei Kneitinger brauen im Herzen der Altstadt von Regensburg und sind damit aus unserer Sicht auf der Regensburger Dult gesetzt!“
Biermarke Thurn und Taxis ist nicht mehr in Regensburg
Die Biermarke Thurn und Taxis ist endgültig aus Regensburg verschwunden. Zuletzt wurde noch ein Lager der Fürstlichen Brauerei Thurn und Taxis Vertriebsgesellschaft an einem historischen Ort betrieben: Am Kreuzhof, direkt neben der Kapelle, in der durch die Abtrennung der Marktgrafschaft Österreich von Bayern das Nachbarland begründete. Kürzlich schloss man auch diesen Standort.