Durch Zufall zum Fischbraten gekommen: Heute kennt fast jeder Schwandorfer den „Fisch-Michl“

Von Jan Lange · 1. April 2026 um 11:00

Etwa zwölf Kilo Fisch isst jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr. Nicht nur für Schwandorfer ist der „Fisch-Michl“ ein fester kulinarischer Anlaufpunkt. Vor 25 Jahren hatte sich Michael Gradl mit der Fischbraterei selbstständig gemacht. Auch heuer wird er bei zahlreichen Festen präsent sein.

Ob beim Volksfest, beim Bürgerfest in Schwandorf oder beim Amberger Altstadtfest – überall ist der Fisch-Michl eine feste Institution. Auch am Globus-Markt in Schwandorf grillt Michael Gradl regelmäßig seine Fische. Dass der heute 58-Jährige einmal von seiner Fischbraterei leben würde, daran hatte er Ende der 90er Jahren wohl nicht gedacht. Damals war Gradl noch in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig. Der Besuch des Fronbergfestes in Hahnbach (Landkreis Amberg-Sulzbach) sollte sein Leben nachhaltig verändern.

Aus der kurzen Vertretung wurde eine Lebensaufgabe

Am Stand von Walter Radlinger wollte er eigentlich nur einen gegrillten Fisch genießen. Als der legendäre Fischbrater eine kleine Pause machen wollte, bat er Michael Gradl ihn kurz zu vertreten. Aus ein paar Minuten wurden mehr als eine Stunde – und aus dem Besucher Michael Gradl kurzerhand selber ein Fischbrater.

Nach dem Fronbergfest in Hahnbach half Gradl beim Radlinger immer wieder aus – blieb aber auch seinem bisherigen Arbeitgeber erstmal treu. Gut drei Jahre machte er nebenbei in der Fischbraterei mit, dann stand die Frage im Raum, ob er den Betrieb von Walter Radlinger übernehmen und weiterführen wolle. Gradl hatte dazu durchaus Lust – und so entstand der Fisch-Michl.

Wenn wir unseren Tourenplan veröffentlichen, buchen einige Stammkunden immer schon Tische und kommen dann zu fast jedem Fest.Michael Gradl, der Inhaber von „Fisch-Michl“ über die Treue vieler Kunden

Anfangs lief der Betrieb weiter nebenbei, während Gradl nach wie vor in der Jugend- und Erwachsenenbildung tätig war. Nach einigen Jahren wurde dann aus der Nebentätigkeit sein Hauptberuf. „Es wurde immer mehr“, erzählt der 58-Jährige. Weil er den Fischen eine spezielle Würze verliehen habe, wollten immer mehr Veranstalter den Fisch-Michl buchen. So sei ihm damals auch der Sprung auf das Altstadtfest in Amberg gelungen.

Während Neulinge sonst meist am Rand anfangen dürfen, konnte Gradl seinen Stand gleich mitten auf dem Marktplatz aufbauen – was durchaus als Auszeichnung zu verstehen war. Das Amberger Altstadtfest ist heute eine seiner Haupteinnahmequellen. „Wenn wir unseren Tourenplan veröffentlichen, buchen einige Stammkunden immer schon Tische und kommen dann zu fast jedem Fest“, erzählt Gradl.

Fokus liegt heute auf den Landkreisen Schwandorf und Amberg-Sulzbach

Zwischenzeitlich hatte er seine Fische auch beim Deutsch-Amerikanischen Volksfest in Hohenfels oder beim Bürgerfest in Regensburg gegrillt. Inzwischen konzentriert sich Gradl aber auf die Landkreise Schwandorf und Amberg-Sulzbach. Neben den großen Volksfesten ist der Fisch-Michl auch bei zahlreichen Betriebsfeiern dabei. Noch vor der Corona-Pandemie kam auch der Globus-Markt dazu, der schon länger um ihn geworben hatte.

Die Corona-Krise, in der alle großen Feste abgesagt wurden, überstand der Fisch-Michl auch, weil er begann, zuhause zu grillen und den Kunden die Fische „to go“ mitzugeben. Seine Stammkunden nahmen das Angebot gern an und wollten ihm auch helfen, durch die schwere Zeit zu kommen. Mit 16 Mitarbeitern habe der Betrieb inzwischen eine Größe erreicht, die er nicht weiter ausbauen will, sagt Gradl. „Ohne meine Frau Sabine wäre ich nicht dort, wo ich heute bin“, meint der 58-Jährige.

Seine Forellen und Saiblinge bezieht der 58-Jährige vom Fischhof Schießl aus Asbach (Markt Schwarzenfeld). Die Makrelen stammen heuer aus Irland. In den vergangenen Jahren hatte er sie auch aus Norwegen bekommen. Doch dieses Jahr sei der gesamte Fang aus Norwegen bereits verkauft gewesen. Gradl kannte zum Glück noch andere Reedereien und kam so doch noch zu seinen Makrelen. Seinen Jahresbedarf kauft er mittlerweile auf einmal ein. Das ist möglich, weil er vor drei Jahren auf dem eigenen Grundstück in Klardorf ein großes Frosthaus errichtet hat. Hier werden die Fische gelagert.

Jahresration an Makrelen holt er direkt bei der Reederei

Bis dahin ließ er sich regelmäßig zwischen 100 und 200 Kilo Fisch von einem Zwischenhändler liefern. Doch als die Lieferkosten stark anzogen, entschied er sich, die notwendigen Mengen direkt bei der Reederei einzukaufen und dann in Klardorf zu lagern. Der Einkauf der Fische ist dabei Chefsache. Meist im Januar fährt er dafür nach Kiel oder Rostock und besorgt sich seine Jahresration.

Das Rezept seiner speziellen Gewürzmischung ist geheim und soll es auch bleiben, meint Gradl. Es sei aber alles selbst hergestellt und abgemischt, versichert er. Die Fische werden darin über Nacht eingelegt – auch das unterscheide ihn von anderen Fischbratereien. Die meisten würden ihre Fische erst vor Ort einlegen, so Gradl. Der Geschmack sei dann ein ganz anderer. Er wolle seinem Stil aber treu bleiben und nimmt dafür auch mal in Kauf, dass seine Fische bei besonders großem Andrang ausverkauft sind.