Prozess endet mit Paukenschlag: Regensburger Cannabis-Senioren haben „unverschämtes Glück“

Über Jahre verkauft ein Ehepaar aus Regensburg kiloweise an Freunde und Bekannte. Ende 2023 fliegt alles auf: Die Polizei findet Riesen-Pflanzen, die offen rund ums ganze Haus stehen. Der aufwendige Prozess endet nun mit einem „Paukenschlag“ – die über 60 Jahre alten Angeklagten müssen nicht ins Gefängnis.
Dass zwei über 60-Jährige wegen Drogenhandels im richtig großen Stil vor Gericht landen, ist selten. Dass eine Aufzucht im Garten wirklich gelingt und rund 36 Kilo sichergestellt werden, kommt fast nie vor. Dass das Ehepaar mit dem „grünen Daumen“ dafür nicht ins Gefängnis muss, kann man getrost als „fast unverschämtes Glück“ bezeichnen.
Genauso formulierte es auch Vorsitzender Richter Dr. Guth bei der Urteilsverkündung am Donnerstag. Ein Jahr und neun Monate sowie zwei Jahre auf Bewährung gab es am Ende eins langwierigen Prozesses für die Cannabis-Senioren aus Regensburg, denen nicht nur die mannshohen Pflanzen im Garten über den Kopf wuchsen. Der Fall sorgte weit über die Stadtgrenzen hinaus für Aufmerksamkeit.
Hans und Edeltraud (Namen geändert) werden Ende 2023 auf frischer Tat gefasst: Sie sitzen im angemieteten Bauernhof im Bayerwald und verschneiden gerade frische Dolden. Dass die Polizei hier richtig ist, war angesichts teils über 180 Zentimeter großer Cannabispflanzen rund um das ganze Haus unübersehbar. Hier und daheim in einer Regensburger Siedlung stellen Ermittler letztlich fast zehn Kilo sicher. Vermutet wird, dass die Senioren weit vor 2016 anbauten und verkauften – vorwiegend an ihre Freunde und Bekannte.
Scharfe Pistole lag im Sekretär im Schlafzimmer
Das alles räumte das Ehepaar gleich zu Prozessbeginn bereits ein. Zum Problem werden sollte ihnen aber die Pistole samt Munition und ein Schlagring, den Ermittler im Schub eines Sekretärs im Schlafzimmer beschlagnahmten. Denn das wäre Handeltreiben mit Waffen, was deutlich höher bestraft würde. Diesen Aspekt jedoch konnten die Anwälte der 62 und 65 Jahre alten Angeklagten, die Strafverteidiger Jörg Meyer und Marius Hoser sowie Johannes Büttner erfolgreich vom Tisch bringen. Ebenso die horrende Einziehung sogenannter Taterträge von über 300.000 Euro, die die Staatsanwaltschaft laut Anklage sah.
Die siebte Strafkammer am Regensburger Landgericht ordnete stattdessen 88.000 Euro an, die die Cannabis-Senioren von ihrem ansehnlichen Vermögen verlieren. Mit dem Geständnis hatten sie einst bis zu 100.000 Euro angeboten. Letztlich summierten die Richter nur Bargeldeinzahlungen und Privatkredite in bar auf, was rund 45.000 Euro weniger waren, als der Anklagevertreter im Plädoyer gefordert hatte.
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Auch im Strafmaß landeten die Frau und vor allem ihr Ehemann deutlich unter dem, was der Staatsanwalt sah. Dreieinhalb Jahre waren für den 65-Jährigen nach den Plädoyers im Raum gestanden. Er hätte dann ins Gefängnis gemusst, denn Bewährung ist nur bei Freiheitsstrafen bis maximal zwei Jahren überhaupt möglich. Bemerkenswertes Detail: Die zuständigen Ermittler haben zur milden Strafe wohl selbst ihr Scherflein beigetragen. Bei dem, was Dr. Guth andeutete, scheint die Arbeit der Straubinger Polizei wohl die beste Verteidigung für das angeklagte Ehepaar gewesen zu sein.
Alle Drogen von der Polizei „zusammengeworfen“
Offenbar wurden die 36 Kilo, die einst in Wiesenfelden (Lkr. Straubing-Bogen) und Regensburg sichergestellt wurden, „zusammengeworfen“. Mit „anderer, detaillierter Dokumentation“ wäre das rechtlich besser zu trennen gewesen, sagte Dr. Guth. So habe man zu Gunsten der Angeklagten entschieden. Deren umfassendes Geständnis sei ihnen jedoch hoch anzurechnen. „Besondere kriminelle Energie“ sah die Kammer ebenso wenig. Es sei eben „gut gelaufen“ und ihnen über den Kopf gewachsen.