Millionen-Krimi: Zielfahnder verhaften gesuchten Ex-Firmenboss aus Regensburg in Kroatien

Jahrelang wird ein Regensburger Unternehmer (39) gejagt. Nun sitzt er wieder in U-Haft – wie seine Mutter und ein Freund. Hunderte Mitarbeiter sahen nach der schlagzeilenträchtige Pleite des Mannes nie Geld. Im Raum steht auch ein bitterer Verdacht: Finanzierte für ihn abgezweigtes Geld mehr als drei Jahre seine Flucht?
Über drei Jahre war ein Regensburger Unternehmer auf der Flucht. Weltweit wurde nach ihm gefahndet. Mit Christian G. (Name geändert) verbinden die Ermittler einen Wirtschaftskrimi, der in Regensburg wohl beispiellos sein dürfte. 2023 war der heute 39-Jährige kurzzeitig aus der U-Haft freigekommen und setzte sich schnell ins Ausland ab.
Der Scherbenhaufen, den er der Allgemeinheit und vor allem seinen Mitarbeitern hinterlassen haben soll, summiert sich nach MZ-Recherchen auf mehr als 5,5 Millionen Euro. Bis heute sahen Hunderte Angestellte kein Geld. Und die Chancen stehen schlecht, dass sich das noch ändern könnte, sagt der Insolvenzverwalter klar.
Betrug, Steuerhinterziehung und noch einiges mehr
Der Mann im Zentrum des Millionen-Krimis galt über Jahre als schillernder Unternehmer. Aus dem Vermögen, das er mit seiner Reinigungsfirma machte, soll er kein Geheimnis gemacht haben: Eine Harley, ein Boot, Luxusautos und mehrere Häuser in und um Regensburg. Löhne an seine Mitarbeiter, die den wirtschaftlichen Erfolg ermöglichten, bezahlte er zum Ende hin jedoch keine mehr.
Die Mitarbeiter seiner Firma sorgten in Behörden, in Schulen und Kindergärten sowie im Stadion des Zweitligisten für Sauberkeit. Bis das Kartenhaus des heute 39-Jährigen in sich zusammenbrach – es gab erste Auffälligkeiten. Ab etwa 2019 ist die Steuerfahndung an ihm dran, belegen MZ-Recherchen. Es geht um Betrug und Steuerhinterziehung. Im Herbst 2022 landete G. deshalb sogar in U-Haft – das Geschäft läuft aber weiter, berichten Zeugen.

Ihnen sei erzählt worden, der Chef „wäre im Urlaub“. Es sei alles getan worden, den Schein zu wahren. Doch offenbar lief es schlechter: Aufträge sollen weggefallen sein und das Personal soll von einst mehr als 300 auf rund 100 Mitarbeiter abgebaut worden sein. Und dann passiert etwas, das Ermittler bis heute sprachlos zurücklässt: Nach fast vier Monaten wurde der Haftbefehl vom Landgericht außer Vollzug gesetzt. Exakt 20 Tage, bevor Anklage erhoben wurde.
Das nutzte der Mann zeitnah für seine Flucht. Bis Mitte Februar dieses Jahres war der Regensburger Unternehmer vom Erdboden verschluckt, wurde in der Karibik vermutet. Ermittler hörten da längst mit – auch bei Angehörigen, die mit ihm in engem Kontakt gestanden haben sollen. Denn mittlerweile sitzt er auch wieder in Haft.
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Genauer gesagt in Kroatien, zumindest bis vergangenen Freitag – da sollte er nach Bayern überführt werden. Die Zielfahnder vom Landeskriminalamt spürten ihn in Kožino auf, einem Urlaubsort gut zwei Stunden nördlich von Split. Dass der Ex-Firmenboss gefasst ist, bestätigte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher jüngst. Es gebe mehrere Haftbefehle gegen ihn. Auch ein Bekannter sei mit ihm an der kroatischen Adriaküste verhaftet worden. Vermutlich der Freund, der mit G.s Mutter bis April/Mai 2023 die Firma weitergeführt haben soll. Offenbar unter Anleitung: Es soll regelmäßig Videoanrufe von dem 39-Jährigen gegeben haben, erzählen Zeugen.

Den Mitarbeitern bringt die Festnahme vorerst nichts. Sie sollen 2023 über Monate kein Geld bekommen haben. Ende Juli vor drei Jahren wurde daher Insolvenzantrag gestellt. Weil der Ex-Boss abgetaucht war und wohl nicht kooperierte, so der Verwalter Dr. Harald Schwartz, gab es auch kein Insolvenzgeld für die Angestellten. Dafür fehlte eine Unterschrift des 39-Jährigen – und auch Unterlagen, weshalb vieles „wie bei einem Puzzle“ mühsam zusammengesucht werden musste, so Schwartz.
Die Mitarbeiter des Herrn G. werden aller Voraussicht nach kein Geld erhalten.Dr. Harald Schwartz, Insolvenzverwalter
Doch es geht im Fall G. um weit mehr: Auf über 5,5 Millionen Euro sollen sich Anklagevorwürfe und das Minus im bis heute laufenden Insolvenzverfahren für die Firma des Mannes summieren, vermutlich sogar noch viel höher. Offiziell bestätigten will Dr. Schwartz das nicht. Aber: „Die Mitarbeiter werden aller Voraussicht und nach jetzigem Stand kein Geld erhalten“, erklärt er.
Zweigte Mutter (58) das Geld für Luxusleben im Ausland ab?
Genau dabei stießen die Spezialisten womöglich auf weitere Unregelmäßigkeiten. Denn: Auch die Mutter von Christian G. sitzt seit Monaten in Untersuchungshaft. Bankrott in sage und schreibe 104 Fällen soll der 58-Jährigen zur Last liegen. Sie soll Geld aus dem Betrieb entnommen haben – womöglich, um ihrem Sohn die Flucht ins Ausland zu ermöglichen? In 213 Fällen soll auch die Sozialversicherung systematisch betrogen worden sein.
Die Quittung für dieses Treiben dürften der 39-Jährige, seine Mutter und sein Freund am Ende wohl vom Regensburger Landgericht erhalten. Hier soll ihnen demnächst der Prozess gemacht werden. Vertreten wird das Trio von den Strafverteidigern Jörg Meyer, Dr. Georg Karl und Dr. Florian Münch. Sie wollten sich alle auf Anfragen aber nicht zur Sache äußern.