Brandschutzkontrolleur schlug Alarm: Wirt des „Erkut's Krone“ gibt Lokal in Schwandorf ab

Nicht einmal ein Jahr hat es gedauert, bis das auffällige grüne Schild mit der Aufschrift „Erkut’s Krone“ wieder verschwunden ist. Jascha Erkut, der sich zusammen mit seiner Frau Daniela im September vergangenen Jahres unweit des Schwandorfer Bahnhofs den Traum vom eigenen Restaurant erfüllt hat, hat seine Zelte an der Adresse Pesserlstraße 9 nun schon wieder abgebrochen. Mangelnder Umsatz war aber nicht der Grund, wie der Wirt beteuert.
Mit viel Elan war das junge Ehepaar in das Abenteuer Gastro gestartet. Ende August 2025 wurde bekannt, dass sie das Restaurant „Wasabi Chef“ neu beleben und auf die asiatische eine mediterrane Küche folgen lassen. In Erkut’s Krone wurde deftig gekocht. Es gab Burger, Grillplatten, Schnitzel, aber auch Nudelgerichte und kulinarische Spezialitäten aus Rumänien, dem Heimatland von Daniela Erkut.
Das Konzept schien aufzugehen. Als ihn die MZ Ende des Jahres um eine erste Zwischenbilanz gebeten hatte, zeigte sich Jascha Erkut mit dem bisherigen Zulauf zufrieden – und schmiedete schon Pläne für das nächste Kalenderjahr. Der Gastronom wollte im April eigentlich auf der Terrasse vor seinem Restaurant einen Foodtruck etablieren, um Laufkundschaft anzulocken.
Mit einem Video an die Öffentlichkeit gegangen
Doch daraus wird nun nichts. Jascha Erkut und seine Frau haben vor gut einer Woche die Reißleine gezogen. Auf den Social Media-Plattformen Facebook und Tiktok haben die beiden ein Video veröffentlicht, das im Inneren ihres Restaurants aufgenommen wurde. Ein längerer Text auf Rumänisch wird währenddessen eingeblendet.

Übersetzt steht dort Folgendes: „Leider müssen wir das Restaurant Erkut’s Krone ab dem 8. März schließen. Grund für diese Entscheidung sind schwerwiegende Mängel hinsichtlich des Brandschutzes des Gebäudes, insbesondere im Deckenbereich, die nach unserer Einschätzung ein erhebliches Risiko darstellen.“
Weiter heißt es, dass der Eigentümer der Immobilie trotz mehrfacher Aufforderungen die „notwendigen Reparatur- und Sicherungsarbeiten“ nicht durchgeführt habe. „Da die Sicherheit unserer Gäste und Mitarbeiter für uns oberste Priorität hat und unter diesen Umständen ein verantwortungsvoller Betrieb nicht mehr möglich ist, sehen wir uns leider gezwungen, die Räumlichkeiten zu verlassen und den Restaurantbetrieb einzustellen.“ Mit einem Dank an die Gäste für deren „Unterstützung, Treue und die vielen schönen Momente“ endet das Video.
Deckenbegrünung machte Brandschutzprüfer Sorgen
Auf Nachfrage der MZ bringt der Pächter nun mehr Licht ins Dunkel. Grund allen Übels soll tatsächlich die Decke sein. Der Betreiber des ehemaligen Wasabi Chefs, Eriks Mihailovs, hatte die Räumlichkeiten 2024 angemietet und diese mit seinem eigenen Umzugsunternehmen aufwendig umgebaut. In Sachen Inneneinrichtung hatte sich der gebürtige Lette mächtig ins Zeug gelegt. Neben modernen Sitzmöglichkeiten und Wandgemälden wurde auch die Decke hip begrünt.

Doch genau diese soll einen Brandschutzkontrolleur alarmiert haben, der Gast im Erkut’s Krone gewesen sein soll. So schildert es zumindest Jascha Erkut. Der Wirt habe sich zum Handeln gezwungen gesehen und ein Gutachten in Auftrag gegeben. Dieses liegt der MZ vor.
Darin heißt es, dass das Lokal am 17. Februar besichtigt worden sei. Dabei seien vor allem die an den Wänden angebrachten Akustikpaneele und die Decke in Augenschein genommen worden. Gerade letztere betrachtet der Brandschutzexperte im Schreiben kritisch.
Künstliche Pflanzen waren leicht entzündlich
Er hatte offenbar eine der vielen künstlichen Pflanzen mitgenommen, die an der Decke befestigt waren, und einem Brandversuch unterzogen. Die Ergebnisse sind in dem Schreiben mitsamt Fotos dokumentiert. Der Sachverständige aus Regensburg kommt zu dem Entschluss, dass die Probe schnell entzündlich gewesen sei. „Außerdem stellt das brennende Abtropfen ein Risiko dar – insbesondere bei der Personenzahl durch die vorhandene Nutzung“, heißt es.
Für Jascha Erkut sei klar gewesen, dass die Decke so nicht bleiben könnte. „Man hat ja in der Schweiz gesehen, zu was das führen kann“, sagt der Gastronom und spielt auf den tragischen Vorfall zum Jahreswechsel in Crans Montana an. Dort hatten vermutlich Tischfeuerwerke auf Champagnerflaschen die leicht brennbare Schalldämmung an der Decke entzündet. 41 Partygäste kamen bei dem verheerenden Feuer ums Leben, 115 weitere wurden verletzt.
Mit Blick auf den dramatischen Vorfall in der Schweiz sahen sich Jascha Erkut und seine Frau dazu gezwungen, den Pachtvertrag, der eigentlich auf fünf Jahre anberaumt war, zu kündigen. Nun seien beide auf der Suche nach einem neuen Lokal, in dem es mit Erkut’s Krone weitergehen kann – gerne auch wieder in Schwandorf.
Anwaltsschreiben sind in Umlauf
Doch das ist noch nicht alles. Denn Jascha Erkut fordert nun auch das Geld zurück, das er für die Übernahme des Interieurs ausgegeben hat. Es soll sich um einen hohen fünfstelligen Betrag handeln. Deshalb und wegen angeblich defekter Kühlgeräte stecke er gerade in einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem Vormieter, dem er ansonsten aber keinerlei Vorwürfe machen wolle. „Er hat das Lokal wirklich schön eingerichtet. Ich habe die Einrichtung gerne so übernommen“, sagt Erkut.
Vormieter Eriks Mihailovs bestätigt auf Nachfrage, dass derzeit entsprechende Anwaltsschreiben in Umlauf seien. Auch er habe von dem Brandschutzgutachten gehört. „Das war aber nicht der einzige Grund für die Schließung“, sagt der gebürtige Lette. Weitere Details will er aber nicht preisgeben.
Eine Info hat der ehemalige Betreiber des Wasabi Chef dann aber noch. Im nun ehemaligen Erkut’s Krone könnte bald schon neues Leben in Form eines chinesischen Restaurants einkehren. Die Interessenten hätten sich auch bereiterklärt, die Inneneinrichtung zu übernehmen. Die bemängelte Decke werde in diesem Zug wohl ebenfalls ausgetauscht.