Panzerelektronik statt Autotechnik: Aumovio kooperiert bei Stellenabbau mit Rüstungskonzern

Von Lorenz Nix · 18. März 2026 um 17:13

Vor einem halben Jahr ist die Autotechniksparte des Reifenkonzerns Continental als Aumovio in die Eigenständigkeit gestartet. Ende Januar dann die Hiobsbotschaft: Der neue Zulieferer will bis zu 4000 Jobs streichen. Einige der betroffenen Mitarbeiterinnen sollen nun aber offenbar nahtlos zu einem neuen Arbeitgeber wechseln – einem großen Namen aus der Rüstungsindustrie.

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Aumovio kooperiert dafür einer Mitteilung zufolge mit dem bayerischen Konzern Hensoldt. Die Vereinbarung bezieht sich demnach auf drei Standorte in Schwaben, die massiv vom Stellenabbau betroffen sind: Fast die Hälfte der rund 1230 Jobs im bayerischen Lindau sowie in Ulm und Markdorf in Baden-Württemberg will Aumovio streichen. Es gehe darum, den betroffenen Mitarbeitern „berufliche Perspektiven zu eröffnen und Übergänge in regional stark nachgefragte Tätigkeitsfelder zu erleichtern“, heißt es in der Pressemitteilung. „Aufgrund der hohen Nachfrage in der Verteidigungsindustrie baut Hensoldt derzeit seine Liefer- und Produktionskapazitäten stark aus und sucht neue Beschäftigte.“

Der Rüstungskonzern betreibt mehrere Standorte in Schwaben. „Viele Kompetenzen aus der Automobilindustrie – etwa in Systementwicklung, Software oder Elektronik – passen hervorragend zu den Technologien, die wir entwickeln“, sagt Hensoldt-Chef Oliver Dörre. Die Kooperation sei für beide Seiten vorteilhaft.

2026: Hensoldt plant 1600 Neueinstellungen

Aumovio baut die Stellen im Bereich der Forschung und Entwicklung ab. Bei Hensoldt suche man Beschäftigte in allen Bereichen der Wertschöpfungskette, heißt es in der Mitteilung. Schwerpunkte lägen aber unter anderem auf Systemingenieuren und Softwareentwicklern. Diese Kompetenzen seien bei Aumovio „auf hohem Niveau“ vorhanden. Der Presseaussendung zufolge hat Hensoldt im vergangenen Jahr 1200 Mitarbeiter eingestellt, 2026 sind 1600 Neueinstellungen geplant.

Auf andere Aumovio-Standorte wirkt sich die Kooperationsvereinbarung aber offenbar nicht aus. Der Zulieferer streicht weltweit Jobs. Betroffen ist auch der Standort Regensburg. Laut Aumovio sollen „bis zu 100 Stellen“ im Forschungs- und Entwicklungsbereich wegfallen. Nach Informationen der Mediengruppe Bayern stehen sogar 107 Jobs im Feuer. Mittlerweile sei ein Freiwilligenprogramm gestartet worden, erste Mitarbeiterveranstaltungen hätten bereits stattgefunden, sagt Aumovio-Sprecherin Jennifer Weyrich auf Anfrage.

Informationsveranstaltungen bei Aumovio in Regensburg

Kooperationen mit anderen Unternehmen sind demnach in der Oberpfalz ebenfalls möglich. „Auch in Regensburg gilt: Wir richten uns nach dem Grundsatz, unseren Mitarbeitenden Perspektiven aufzuzeigen, wo regionale Chancen bestehen.“ Man biete Informationsveranstaltungen zu Qualifizierungsmöglichkeiten und Quereinstieg sowie virtuelle Jobmessen an. Auch über die Möglichkeiten, ein eigenes Unternehmen zu gründen, kläre man die Beschäftigten auf. Generell gilt laut Weyrich: „Ob Kooperationen entstehen, hängt dabei immer von den regionalen Gegebenheiten, den Profilen der betroffenen Mitarbeitenden und der Personalnachfrage anderer Unternehmen ab.“ Man orientiere sich am Grundsatz „Arbeit in Arbeit“.

Mit dem Stellenabbau im Forschungs- und Entwicklungsbereich will Aumovio seine Effizienz steigern. Für das laufende Jahr liege der Fokus auf der weiteren Erhöhung der Profitabilität, teilte der Zulieferer am Mittwoch mit. Demnach wurden hier bereits Fortschritte erzielt: Zwar ging der Umsatz um fünf Prozent auf 18,5 Milliarden Euro zurück. Davon blieben aber 3,9 Prozent als operativer Gewinn vor Zinsen und Steuern übrig – im Vorjahr waren es noch 2,5 Prozent. Langfristig soll diese sogenannte Ebit-Marge einen Wert von sechs bis acht Prozent erreichen. Für das laufende Jahr rechnet Aumovio laut Mitteilung aber mit einem Wert zwischen 3,5 und fünf Prozent.