„Mini-Watergate“ bei Betriebsratswahl von Aumovio in Regensburg sorgt für Zoff

Auf den ersten Blick wirkt es wie eine Szene aus einem Agentenfilm, gewürzt mit einem Hauch von Watergate. Zu erleben sind dabei ein Wachmann, der nachts ein Wahlbüro unversperrt vorfindet, und danach anonyme Mails, Vorwürfe und Dementis. Geschehen ist alles rund um die Betriebsratswahl beim Regensburger Werk des Automobilzulieferers Aumovio. Letztlich, so scheint es zumindest, steckt hinter all der großen Aufregung aber nur eine kleine Vergesslichkeit.
In einer Mail hatte sich eine Person aus dem unmittelbaren Umfeld der Betriebsratswahl an die Mittelbayerische Zeitung gewandt. In dem Schreiben war ein Vorfall vom 27. Februar dokumentiert. Ein Mitarbeiter des Wachdienstes von Aumovio hatte bemerkt, dass das Büro des Betriebsratswahlvorstandes nicht verschlossen war. Er erkannte zudem eine „Manipulation am Schließzylinder“, wie er in seinem Bericht festhielt. Die Tür wurde von ihm versiegelt.
„Es wird vom Wahlvorstand versucht, zu vertuschen“
Vergangene Woche standen bei Aumovio, das in Regensburg rund 4000 Menschen beschäftigt, die Betriebsratswahlen an. Also nur wenige Tage nach dem mutmaßlichen Einbruch in das Büro des Wahlvorstandes. Zumindest der Person, die sich an die Mittelbayerische wandte, kam der Vorfall beim Wahlbüro äußerst seltsam vor. Sie übermittelte auch Kopien vom Mailverkehr mit dem Wahlvorstand. Hier ist zu lesen, dass sie wissen wollte, welchen Hintergrund das alles haben könnte. Die Antworten bewertet sie als unzureichend. Ihr hartes Fazit: „Es wird vom Wahlvorstand versucht, einen Einbruch im Wahlbüro zu vertuschen.“
Für diesen Vorwurf finden sich im Mailverkehr allerdings keine echten Belege. Ein Vertreter des Wahlvorstands schreibt zwar, dass eine Einschätzung als Einbruch „reine Mutmaßung“ sei, es wird aber auch angekündigt, der Sache auf jeden Fall nachzugehen: „Wir werden auf Geschäftsleitung und Werkschutz zugehen und uns um Aufklärung bemühen.“
Der Beschwerdeführer kündigte wiederum an, dass er sich eine Anfechtung der Wahl vorbehalte. Auf jeden Fall hätte der Vorfall mit der Tür den führenden Vertretern der verschiedenen Listen, die bei der Wahl ins Rennen gingen, mitgeteilt werden müssen, sagt er.
„Da geht dann wie in der echten Politik das Hauen und Stechen los, es gibt eben viele unterschiedliche Interessenslagen.Alexander Auburger, Betriebsratsvorsitzender
Der Betriebsratsvorsitzende Alexander Auburger sagt der Mittelbayerischen, dass aus seiner Sicht viel Lärm um nahezu nichts gemacht worden sei. Es stimme, dass die Tür unverschlossen war. Aber nur, weil vergessen wurde, sie abzusperren: „Das war alles.“ Sie sei auch zugezogen gewesen und es habe auch keine „Manipulation am Schließzylinder“ gegeben, wie es der Wachdienst zunächst im Bericht vermerkt hatte. An dem Schloss sei einzig bereits seit längerem eine Schraube locker gewesen. Die ganze Angelegenheit wurde ihm zufolge mittlerweile in großer Runde – unter anderem mit allen Listenführern der Wahl – aufgearbeitet.
Auburger bestätigt allerdings, dass der Wahlkampf durchaus hart geführt wurde. Das Klima habe sich hier verändert, seitdem verschiedene Listen antreten können: „Da geht dann wie in der echten Politik das Hauen und Stechen los, es gibt eben viele unterschiedliche Interessenslagen.“ Aber auch vor diesem Hintergrund könne er es „einfach nicht verstehen, dass man nach draußen geht und das nicht intern klärt“.
IG-Metall-Sprecher: „Bin ziemlich entsetzt darüber“
Rico Irmischer von der IG Metall sieht es ähnlich. Der Vorfall mit der Tür habe einen „lapidaren Hintergrund“, sagt er. Zudem wären hier ohnehin keine geheimen Akten oder ähnliches frei zugänglich gewesen: „Ich wüsste also auch nicht, welchen Vorteil sich jemand, wenn er unbefugt ins Büro gelangen würde, verschaffen könnte.“ Grundsätzlich müsse natürlich alles nach festen Regeln ablaufen, sagt er, in diesem Fall sei die Aufregung aber überzogen: „Ich halte das auch für einigermaßen dubios und bin ehrlich gesagt, ziemlich entsetzt darüber, dass jemand damit nach draußen gegangen ist.“ Dies sei aus seiner Sicht auch nicht damit zu rechtfertigen, dass bei den Betriebsratswahlen bei Aumovio „gewisser Druck“ drauf ist, wie er bestätigt. Er sehe den Hintergrund eher darin, dass es bei den Kandidaten seinen Informationen nach „zum einen echte Betriebsrats-Überzeugungstäter gibt, zum anderen aus meiner Sicht aber auch Menschen, die dies aus eigenen Interessen machen wollen und offenbar mit allen Mitteln versuchen, die Wahl nun zu diskreditieren.“
Aumovio-Sprecherin Elke Kaczmarek teilt mit, dass die Standortleitung über den Vorfall informiert worden sei: „Eine potenzielle Manipulation der Betriebsratswahl konnte aus Sicht des Wahlvorstands ausgeschlossen werden. Dieser Einschätzung schließt sich die Standortleitung an.“ Bei Betriebsratswahlen sei es ansonsten grundsätzliches Ziel der Standortleitung, Chancengleichheit zu gewährleisten. Inhalte und Ablauf des Wahlkampfs kommentiere diese „aus Prinzip“ nicht.