Gegen die Versorgungslücke: Unternehmer will in Steinberg am See „Marktboxen“ etablieren

Von Philipp Breu · 18. März 2026 um 15:00

Nach der Schließung der Bäckerei Welter hat sich die Nahversorgungssituation in der Gemeinde Steinberg am See (Landkreis Schwandorf) zugespitzt. Momentan gibt es kein Geschäft vor Ort, das Waren für den täglichen Bedarf anbietet. Ein lokaler Unternehmer will nun mit sogenannten „Marktboxen“ für Abhilfe sorgen.

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Das teilte Noch-Bürgermeister Harald Bemmerl (SPD) am Dienstagabend in der Gemeinderatssitzung mit. Bei dem Interessenten handelt es sich offenbar um einen Steinberger. Dieser sei von selbst an den Bürgermeister herangetreten und habe seine Idee präsentiert. Der Unternehmer möchte sogenannte „Marktboxen“ im Ort etablieren und liebäugelt laut Bemmerl zum Start mit zwei bis vier solcher Automaten.

Wer im Internet nach Marktboxen sucht, wird schnell fündig. Konzeptionell ähneln sie einem Tante-Emma-Laden, nur ohne Personal und mit Öffnungszeiten rund um die Uhr. Das Prinzip ist relativ simpel. In der Marktbox sind mehrere Schließfächer verbaut, in denen die Waren verstaut werden können – von Gebäck über Lebensmittel des täglichen Gebrauchs bis hin zu Getränken, Snacks aber auch Non-Food-Artikeln wie Blumen oder Selbstgebasteltes.

Ein fester Nahversorger soll weiterhin etabliert werden

Über ein digitales Bedienfeld kann der Kunde dann seinen virtuellen Warenkorb füllen. Hat er diesen bezahlt, öffnen sich die Fächer mit den Waren automatisch. „Die Automaten wären leicht aufzustellen und schnell umsetzbar“, sagte Bemmerl in Richtung der Gemeinderäte. Die Marktboxen könnten das Einkaufsproblem zumindest etwas abfedern. Natürlich strebe man nach wie vor einen festen Nahversorger an.

Das sei laut dem Bürgermeister auch dem Unternehmer bewusst. Dieser hätte aber signalisiert, die Automaten auch weiterbetreiben zu wollen und das Sortiment gegebenenfalls etwas anzupassen, sollte sich in Steinberg tatsächlich ein Hofladen oder ein kleiner Supermarkt ansiedeln. Auch einen geeigneten Standort hatte der Rathauschef in petto. Bemmerl könnte sich gut vorstellen, die Marktboxen im Rathaus beim Bargeld-Automaten der Sparkasse aufzustellen. Der Ort sei zentral und gut erreichbar. Sollte sich die Geschäftsidee als Erfolg erweisen, könnten die Automaten ausgeweitet werden und ins derzeitige Bürgermeisterbüro umziehen.

Die Gemeinderäte befürworteten den Vorstoß durch die Bank. CSU-Fraktionschef und baldiger Bürgermeister Christian Meßmann freute sich, dass jemand Eigeninitiative zeigt und die Nahversorgungsproblematik in Angriff nehmen möchte. Zweifel hegte er allerdings darin, ob der von Bemmerl bevorzugte Aufstellungsort der Marktboxen, direkt neben dem Geldautomaten, der richtige sei. „Aber es gibt ja noch einige Alternativen“, stellte Meßmann fest – und betonte dann ebenfalls, dass es weiterhin das Ziel sein müsse, einen festen Nahversorger vor Ort zu etablieren.

Unternehmer will sich im Gemeinderat vorstellen

Ins gleiche Horn stieß Klemens Hecht, Fraktionssprecher der SPD. Er sei froh, dass dieser wichtige erste Schritt getätigt wurde. Bezüglich des richtigen Orts für die Marktboxen plädierte er, den Standort beim Geldautomaten erst einmal auszuprobieren. Umstellen könnte man die Marktboxen jederzeit.

Franz Kiendl (CSU) regte an, bezüglich des momentan bevorzugten Standortes auch mit der Sparkasse Kontakt aufzunehmen. Das würde man ohnehin tun, entgegnete Bemmerl. Erika Oberndorfer (SPD) fragte nach, ob die Gemeinde ein Mitspracherecht bei der Bestückung der Boxen habe. „Nur Getränke und Nüsse wären zu wenig“, sagte sie.

Bei der anschließenden Abstimmung waren sich alle einig. Der Bürgermeister soll die Verhandlungen mit dem Interessenten weiterführen. Dieser werde sich, so Bemmerl, in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen vorstellen. Dann bestehe auch die Möglichkeit, genauer nachzuhaken.

Auch Wochenendhäuser am Steinberger See waren wieder Thema

Ein weiterer Tagesordnungspunkt in der Sitzung waren die geplanten Wochenendhäuser an der Ostseite des Steinberger Sees. Wie berichtet, sollen sieben Gebäude entstehen, die jeweils 139,75 Quadratmeter inklusive Terrasse, Anbau und Carport umfassen. Das Projekt beschäftigt die Gemeinde schon seit Jahren.

In seiner Januarsitzung hatte der Gemeinderat bereits der 25. Änderung des Bebauungsplans für das Sondergebiet zugestimmt. Die Verwaltung wurde mit der Auslegung sowie der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange beauftragt.

Deren Stellungnahmen wurden am Dienstag abgewägt. Einwände und Anmerkungen gab es unter anderem vom Wasserwirtschaftsamt, Bergamt, der Bauaufsicht und der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt sowie der Firma Uniper. Es ging unter anderem um die Abholzung, die Stabilität des Baugrunds, die Versickerung des Niederschlagswassers sowie die Beschichtung der Hausdächer.

Der Entwurf wird nun an den entsprechenden Stellen angepasst und anschließend den Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange erneut vorgelegt. Das Prozedere wird den Gemeinderat auch in der nächsten Sitzung beschäftigen. Dort soll der überarbeitete Entwurf dann gebilligt werden.

Weitere Gemeinderatsthemen in Kürze

Bauanträge: Grünes Licht gab es für einen Antrag auf Aufstockung und Umbau eines Einfamilienhauses in der Blumenstraße. Ebenfalls keine Einwände hatten die Räte gegen den Neubau eines Geräteschuppens samt Terrassenüberdachung und Überdachung des Durchgangs am Ahornweg.

Gemeindebücherei: Erfreuliches vermeldete Bürgermeister Bemmerl von der Gemeindebücherei. Die Entleihungen seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen.