Neunburgs Gesundheitszentrum wird immer effizienter – Defizit 2025 deutlich reduziert

Von Jan Lange · 15. März 2026 um 15:00

Die Situation im Gesundheitswesen ist angespannt. Während manchen Kliniken die Schließung droht, konnte das kommunale Gesundheitszentrum Ostoberpfalz (GZO) in Neunburg seine Wirtschaftlichkeit deutlich steigern und sich damit weiter stabilisieren. Gleichzeitig hat es sich in den vergangenen Monaten strukturell verändern. Dr. Richard Wagner, der bis Ende 2025 Ärztlicher Leiter war, informierte jetzt im Gesundheitsausschuss die Stadträte über die Entwicklungen.

■ Hausarztpraxen haben fusioniert und sich personell verändert: Die Eingliederung der Hausarztpraxis von Dr. Rainer Riedemann Anfang 2025 in das Ärztezentrum in der Ledererstraße stellt eine der umfangreichsten Umstrukturierungen im GZO dar. „Für das ärztliche und nichtärztliche Personal bedeutete diese Fusion aufgrund unterschiedlicher Arbeitsweisen der Praxen eine deutliche Mehrbelastung“, erklärte Wagner. Aktuell habe sich die Situation weitgehend normalisiert.

Die Fallzahlen in der Allgemeinmedizin sind trotz der Praxiszusammenlegung im Vergleich zu den Einzelpraxen mit einem geringen Rückgang von vier Prozent nahezu konstant geblieben, erklärte Wagner. Der Umsatz in der Allgemeinmedizin habe sich nach seinen Worten im Vorjahr dafür leicht erhöht.

„Durch die gleichzeitige Einsparung von Betriebs- und Nebenkosten ist das Defizit in der Allgemeinmedizin bereits im ersten Jahr nach der Fusion um 35 Prozent gesunken“, konnte der frühere Ärztliche Direktor Positives berichten. In seinen Augen sei die Verschmelzung der beiden Praxen zu einem Hausarztzentrum somit eine effektive Maßnahme zur Kostensenkung gewesen.

Nach einem Jahr hat sich Dr. Riedemann wieder aus dem Ärzteteam verabschiedet. Der Vertrag mit ihm sei planmäßig zum Jahresende 2025 ausgelaufen, erläuterte Wagner. Das sei von Anfang an so geplant gewesen. Dafür sei Florian Sturm, ein ausgebildeter Anästhesist, der sich im GZO zum Allgemeinmediziner weitergebildet hatte, im Herbst 2025 in Teilzeit übernommen worden. Ebenfalls seit Mitte vorigen Jahres wurde mit Dr. Anja Brunner wieder eine Ärztin in Weiterbildung in Teilzeit angestellt, beschrieb Wagner. Brunner, die aus Stamsried kommt, habe sich laut Wagner gezielt im GZO beworben. Das ist für die medizinische Einrichtung durchaus ein Glücksfall, denn die Suche nach jungen Mitarbeitern werde immer schwieriger. Das war auch bei der Suche nach einer neuen Kinderärztin deutlich geworden.

Dr. Rainer Riedemann (r.) war erst Anfang 2025 mit seiner Praxis in die Ledererstraße 11 umgezogen, Ende vorigen Jahres beendete er seine Tätigkeit im GZO. Die Kinderärztin Dr. Alexandra Sokotukhina (2. v. r.) gehört seit dem vorigen Jahr zum Team des Neunburger MVZ. - Foto: Jan Lange, Archiv

■ Kinderarztpraxis wurde Anfang 2025 eingegliedert und später neu besetzt: Während es sich bei der Fusion der beiden Hausarztpraxen nur um eine räumliche Umstrukturierung handelte, wurde Anfang 2025 die Neunburger Kinderarztpraxis von Dr. Diana Boudova neu in das GZO eingegliedert. Nach Abschluss ihrer Ausbildung zur Kinderärztin übernahm Anfang Juli 2025 planmäßig Dr. Alexandra Sokotukhina die Kinderarztpraxis. In den folgenden Monaten habe sich diese Praxis laut Wagner hervorragend entwickelt und erfreue sich großer Akzeptanz. Das Leistungsspektrum wurde erheblich erweitert. Die Fallzahlen konnten bis Ende 2025 um etwa 200 gesteigert werden. „Das betriebswirtschaftliche Gesamtergebnis für 2025 ist erfreulich und deutlich besser als erwartet“, resümierte der frühere Ärztliche Leiter. Aktuell arbeite die Kinderarztpraxis kostendeckend.

■ Defizit der chirurgischen Praxis konnte deutlich reduziert werden: Eine deutliche Umsatzsteigerung konnte im Vorjahr die chirurgische Praxis erzielen – nicht zuletzt durch neue Kooperationen mit einem Zuwachs der Fallzahlen von zehn Prozent. Außerdem wurden Personalkosten eingespart. Damit konnte das Defizit im Vergleich zum Vorjahr um 50 Prozent reduziert werden.

Der Generationswechsel in der Ärzteschaft ist uns weitgehend gelungen.Dr. Richard Wagner, Ärztlicher Leiter des GZO bis Ende 2025

■ Diabetologische Schwerpunktpraxis wurde ausgebaut: Die internistische Praxis erfreute sich auch im Vorjahr großer Akzeptanz und erzielte 2025 erneut einen Gewinn, berichtete Dr. Wagner, der diese Praxis 1995 gegründet und neben dem GZO auch weiter geleitet hatte. „Durch die hohe Nachfrage in der Kardiologie und Diabetologie haben sich die Wartezeiten auf Termine trotz erheblicher Mehrarbeit und Überstunden der Ärzte um Monate verlängert“, machte er aber auch auf ein Problem aufmerksam.

In der Facharztpraxis soll deshalb ein weiterer Kardiologe angestellt werden. Eine Ärztin, die bereits zugesagt hatte, habe jedoch am Tag vor der Vertragsunterzeichnung aus familiären Gründen kurzfristig zurückgezogen. „Sollte sich ihre familiäre Situation wieder ändern, dann nehmen wir sie weiterhin gerne“, so Dr. Wagner gegenüber der MZ.

Eine Entlastung wird Anfang April mit der Neueinstellung eines Internisten und Diabetologen erwartet. Er habe großes Interesse gehabt, so Wagner, einen eigenen Diabetologen zu finden, um die Schwerpunktpraxis aufrechterhalten zu können. Dr. Wagner wird den neuen Kollegen noch einarbeiten und sich dann Mitte des Jahres in den wohlverdienten Ruhestand verabschieden.

Mit seinem Ausscheiden sei nur noch ein Arzt des GZO über 70 Jahre alt, die meisten seien unter 50 und zwei knapp über 60, erklärte Wagner. „Der Generationswechsel in der Ärzteschaft ist uns weitgehend gelungen“, lautete das Resümee des früheren Ärztlichen Leiters. „Vor dem Hintergrund des in Deutschland zunehmenden Mangels an Hausärzten ist dies von extremer Wichtigkeit für eine nachhaltige medizinische Versorgungsstruktur in der Region“, steht für den 67-jährigen Mediziner fest.