Vorschlag der Grünen: Aus dem Regensburger Luxusklo soll eine Gender-Toilette werden

Aus vier öffentlichen Toiletten in Regensburg sollen geschlechterneutrale Klos werden. Das geht aus einer Vorlage der Verwaltung hervor, über die am Donnerstag entschieden werden soll. Auch eine Toilette für Hundertausende Euro ist darunter.
Konkret betroffen sind die Anlagen im Aberdeenpark, am Schwanenplatz (das sogenannte Luxusklo), in der Proskestraße und in der Kumpfmühler Straße. Dort soll die Beschilderung geändert werden. Ziel sei es, eine eindeutige, geschlechtsneutrale Nutzbarkeit zu signalisieren, wie aus dem Vorschlag der Verwaltung hervorgeht.
Die Stadt-Politik debattiert nicht zum ersten Mal über das Thema. Bereits im Oktober hatten die Grünen einen entsprechenden Antrag eingebracht. Claire Lindner, Sprecherin der Grünen Jugend, schilderte im MZ-Gespräch seinerzeit eine kritische Situation. „Gerade für Personen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.“ Diese nähmen sich mitunter selbst als Störfaktor wahr, wenn sie entweder eine Männer- und Frauentoilette benutzten.
Diese Toilettenanlagen kommen in Regensburg für geschlechterneutrale Klos in Frage
Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra erklärte damals, dass bei den WC-Anlagen im Aberdeenpark im Stadtnorden, an der Proskestraße in Stadtamhof, in Kumpfmühl, am Schwanenplatz und am Zentralen Busbahnhof der „Zugang bereits unabhängig von der Geschlechtszuordnung möglich“ sei. Besagte Toiletten hätten allesamt Einzelkabinen mit direktem Zugang von außen. Durch die vorhandenen geschlechtsspezifischen Piktogramme könne vor Ort allerdings der Eindruck einer eingeschränkten Nutzbarkeit entstehen, schreibt die Verwaltung nun in ihrer Vorlage. Deshalb wolle man die Beschilderung austauschen. „Die Kabinen mit Urinalen an diesen Standorten sind aufgrund ihrer baulichen Ausgestaltung nicht für eine geschlechtsneutrale Nutzung geeignet.“
Die Standorte am Protzenweiher, im Stadtpark, in der Trunzergasse und Vor der Grieb seien nicht für geschlechterneutrale Toiletten geeignet, weil sie über getrennte Gemeinschaftsbereiche verfügten, heißt es in der Vorlage.
Stadt will Gender-Klos auch bei künftigen Toiletten-Sanierungen prüfen
Bei geplanten General- oder Kernsanierungen, Ersatz- oder Neubauten werde das Thema geschlechtsneutrale Toiletten grundsätzlich bereits geprüft, schreibt die Verwaltung weiter. Im Rahmen der Interimslösung am Standort Neupfarrplatz werde versucht, dieses Thema aufzugreifen. „Die bestehenden räumlichen Gegebenheiten schränken jedoch den Handlungsspielraum bei der Umsetzung ein.“ Im Herbst soll laut Stadt eine vorübergehende Lösung für das Klo-Problem am Neupfarrplatz umgesetzt werden.
Die geschlechterneutralen Toiletten sollen durch einen Austausch der Beschilderung sichtbar gemacht werden. Ziel sei eine einheitliche Kennzeichnung mit der Beschriftung „WC“, was für „water closet“ steht, wie die Verwaltung in der Vorlage erläutert. Das Piktogramm für Rollstuhlfahrer werde, sofern vorhanden, beibehalten, um auf die barrierefreie Ausstattung der Kabine hinzuweisen.
Das kostet die Gender-Klo-Maßnahme in Regensburg
Die Maßnahme ist nach Schätzungen der Stadt dabei ausgesprochen günstig. Rund 2500 Euro soll der Tausch der Beschriftungen in etwa kosten. Rund 15 Arbeitsstunden seien nötig. Umgesetzt wird das Ganze im Laufe des Jahres, „sobald Kapazitäten und Prioritäten das zulassen“, schreibt die Verwaltung.
Helene Sigloch von den Grünen begrüßt, dass in Sachen geschlechterneutrale Toiletten etwas passiert. Insbesondere das Klo am Schwanenplatz hatte auch sie im Sinn. Ihr fehlt allerdings der Zeithorizont, insbesondere weil die Maßnahme an sich weder teuer noch langwierig sei, betont sie. Positiv zu werten sei auch, dass bei künftigen Sanierungen und Neubauten geprüft werde, ob geschlechterneutrale Toiletten sinnvoll sind. „Ich hoffe, dass das aber dann nicht nur geprüft wird.“
Das Thema war auch bei anderen Parteien durchaus auf fruchtbaren Boden gefallen. CSU-Fraktionschef Michael Lehner zeigte sich prinzipiell offen – kritisch sei er nur, was Umbauten und damit einhergehende Kosten angeht, sagte er im Oktober. Er plädierte für einen Austausch der Beschilderung. Genau das hat nun auch die Verwaltung im Sinn. Auch die SPD und die Brücke zeigten sich im Herbst grundsätzlich offen.