Regensburger „Luxusklo“ taucht erneut im Schwarzbuch auf – diesmal wegen Stühlen

Von Benedikt Baumgartner · 30. September 2025 um 12:19

Schon vor drei Jahren hat es die öffentliche Toilette am Schwanenplatz in Regensburg in das berüchtigte Schwarzbuch der öffentlichen Verschwendung geschafft – wegen der Gesamtkosten von knapp 900.000 Euro, die dem Bund der Steuerzahler als arg hoch erschienen. In der neusten Ausgabe des Schwarzbuchs taucht das „Luxusklo“ nun erneut auf – diesmal wegen teurer Sitzmöbel. Die machen im Vergleich zu den Gesamtkosten allerdings bloß Peanuts aus.

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Trotz des immensen Baupreises sei der Wartebereich des Toilettengebäudes „nach nur zwei Jahren mehr als unansehnlich“ gewesen, urteilt der Bund der Steuerzahler. Es kam zudem zu Problemen mit Obdachlosen vor Ort. Die Stadt baute die Bank dort ab. Nach einem Jahr wurden acht Stühle zum Gesamtpreis von 8500 Euro montiert. Es entspann sich über Monate ein Katz’-und-Maus-Spiel zwischen Stadt und Aktivisten pro Sitzbank. Unter anderem betonierte ein Künstlerkollektiv Sofas am Klo-Häuschen ein, stellte selber Bänke auf und sparte nicht an öffentlicher Kritik an der Stadtverwaltung.

Aktivisten montierten Stühle ab – und wurden erwischt

Mit der Installation der acht bunten Stühle meinte Oberbürgermeisterin Maltz-Schwarzfischer, eine „langfristige Lösung für die Herausforderungen mit der vorherigen Sitzgelegenheit zu finden“. Das erwies sich als Fehlannahme, denn nach kurzer Zeit waren die Stühle beschmiert und beschädigt. Ende Januar montierten Aktivisten gar die meisten Stühle ab, wurden dabei aber von der Polizei erwischt.

Bank raus, dann wieder rein

Seit Mitte Mai herrscht nun Ruhe am stillen Örtchen, die Stadt hat reagiert und wieder dauerhaft eine Bank im Wartebereich des Toilettengebäudes angebracht – gemeinsam mit zwei der acht Stühle und wechselnden Kunstinstallationen. Die gestalterische Aufwertung soll den Schutz des Gebäudes samt Mobiliar fördern. Die weitere Entwicklung werde von der Stadt durch ein Monitoring verfolgt.

„Im Vergleich zu dem öffentlichen Klohäuschen für knapp 900.000 Euro sind die acht ,Plateau Stadtsitze‘ für rund 8500 Euro wahrlich ein ,Schnäppchen‘“, urteilt der Bund für Steuerzahler zwar. Doch: „Die Steuerzahler dürfen aber auch gespannt sein, welche Ergebnisse das Monitoring bringen wird.“

Lage hat sich vor Ort beruhigt

Hier zieht Florian Plajer, Planungsreferent der Stadt, ein positives Fazit: „Insgesamt hat es sich über diesen Sommer sehr stark beruhigt.“ Inwieweit die Umgestaltung dazu beigetragen habe, könne er nicht sagen. Ein schön gestalteter Ort werde seiner Meinung nach aber schon anders genutzt. Den Kauf der Stühle – er spricht auch auf Nachfrage nicht von acht, sondern von fünf Stück – verteidigt er, wenngleich nur noch zwei vor Ort stehen. Sie seien mobil einsetzbar, an verschiedenen Plätzen der Stadt. Schließlich gehe es vielerorts, auch am Schwanenplatz, um die Frage: „Wem gehört die Stadt?“ Plajers Antwort: „Allen und niemandem zugleich.“ Den Dialog, wer den Aufenthaltsort wann wie nutzt, führe man – und die Stühle sind ein baulicher Teil davon. „Wir experimentieren hier noch“, sagt Plajer. In den Dialog einbezogen seien auch Obdachlose über Streetworker.

„Das Interesse an den Stühlen steht in keinem Verhältnis zu den gesamten städtischen Ausgaben.“

Florian Plajer, Planungsreferent der Stadt

Der Preis in Höhe von 650 Euro netto pro Stuhl sei im üblichen Rahmen für robustes Stadtmobiliar. Laut Plajer ist zu erwarten gewesen, dass bei einem Projekt wie der Schwanenplatz-Toilette, die stark in der öffentlichen Aufmerksamkeit steht, vom Bund der Steuerzahler nachgefragt wird. Der Planungsreferent hält aber auch fest: „Das Interesse an den Stühlen steht in keinem Verhältnis zu den gesamten städtischen Ausgaben.“