Kunst statt Krawall: Das Regensburger Luxusklo hat wieder eine Bank – und wird zur Ausstellungsfläche

Habemus Bankerl: Nach einem ewigen Hickhack rund um das Luxusklo am Regensburger Schwanenplatz hat die Stadt am Donnerstag wieder eine Sitzgelegenheit im Servicegebäude installiert. Begleitet wird dieser Schritt von einer Kunstinstallation und einer Ausstellung im Neuen Kunstverein.
Die verschiedenen Kapitel der Luxusklo-Posse könnten inzwischen Bücher füllen. Zunächst kostete das Gebäude knapp eine Million Euro, dann ließ die Stadt das Bankerl am Luxusklo entfernen, weil eine Obdachlose dort für Ärger sorgte – die Folge: zahlreiche Protestaktionen gegen die Stadt. Regensburger betonierten Sofas ein, kritisierten auf Plakaten die Oberbürgermeisterin und stellten selbst Bänke auf. Die Stadt lenkte zunächst nicht ein und platzierte acht bunte Stühlchen für insgesamt 8000 Euro im Wartebereich des Luxusklo. Es folgte die Eskalation. Aktivisten entfernten einen Großteil der Sitzgelegenheiten – wurden dabei allerdings von der Polizei erwischt. Die Stühle landeten in Polizeigewahrsam. Und die Stadt? Gelangte nach zwei Jahren zu der Einsicht, dass es wohl besser ist, mit den als gegen die Aktivisten zu arbeiten. So kam es zu der Ausstellung im Neuen Kunstverein mitsamt Kunstinstallation am Luxusklo selbst.
Kunst kommt, Bank bleibt
Künstler Adam Cmiel hat den Wartebereich mit Bildern in eine Art Dschungel verwandelt – dazu dringen entsprechende Geräusche aus einer Musikbox. Die Installation wird kommende Woche noch durch Pflanzen ergänzt, sagte Renate Haimerl Brosch, Vorsitzende des Neuen Kunstvereins. „Sie werden sich fühlen wie in einem Dschungel.“ Es soll eine Reihe von weiteren Installationen im Luxusklo folgen.
Wenige Schritte von der Toilette entfernt, im Neuen Kunstverein, findet noch bis Sonntag eine Auftaktausstellung statt. Aktivisten des Kollektivs „Fußabdrücke“ haben die Ereignise rund um das Luxusklo in verschiedenen Installationen festgehalten. Parallel dazu findet eine Ausstellung von Drugstop zum Thema Drogensucht und Obdachlosigkeit statt.
Einblick in die verborgene Welt der Drogenkranken
Im Drugstop-Teil der Ausstellung sind zum einen Fotografien von Streetworkern der Drogenhilfe zu sehen, sagte Ronja Schmidt, selbst Streetworkerin. Zum anderen sieht man Bilder, die Drogenkranke selbst gemacht haben. Diese Fotografien sind durchaus eindrücklich und öffnen den Blick in eine Welt, die zwar vor unser aller Augen, aber doch außerhalb des Blickfelds stattfindet. Eine Aktivistin von „Fußabdrücke“ sagte, dass man sich vorallem mit Ungerechtigkeiten im öffentlichen Raum befasse. „Das Thema Schwanenplatz hat uns sehr beschäftigt.“ Die Ausstellung soll auch das Thema „defensive Architektur“ beleuchten. Es werden Mittel präsentiert, mit denen manche Kommunen Menschen von öffentlichen Orten vertreiben. Die Ausstellungen sind noch bis Sonntag zu sehen.
Übrigens: Die Bank bleibt. Das bestätigte Planungsreferent Florian Plajer am Rande der Ausstellungseröffnung. Daneben stehen zwei der acht bunten Stühlchen. Wo die restlichen sechs Stühle sind, ist nicht bekannt.
Programm: (K)ein Raum für alle?
• Vortrag: Am Freitagabend stellte Künstler Adam Cmiel seine Installation im Servicegebäude vor. Darüber hinaus sprachen Ronja Schmidt und Samuel Buchner von Drugstop über ihren Arbeitsalltag.
• Lesung: Am Samstag um 19 Uhr liest Markus Ostermair aus seinem Roman „Der Sandler“. Es ist die Geschichte eines sozialen Abstiegs. Ein ehemaliger Lehrer streift als Obdachloser durch München. Die Lesung fndet im Innenhof der Adresse Schwanenplatz 4 statt.
• Diskussion: Am Sonntag um 19 Uhr findet ein Podiumsgespräch statt. Florian Plajer, Baureferent der Stadt Regensburg, und Ulrich von Spiessen, Freiraumarchitekt, debattieren über das Thema „Öfentliche Räume in der Stadt für alle zugänglich?“. Moderiert wird der Abend von Karl Rimbach-Zorzi.