Sanierung, Vandalismus, Ersatzlösungen: Der lange Weg zu besseren Toiletten in Regensburg

Eine Stadt und ihre Toiletten: Stille Örtchen sorgen in Regensburg zuverlässig für Gesprächsstoff. Immer wieder beschäftigt sich auch der Stadtrat mit dem Problem – dabei scheint die Meinung einhellig: Es muss etwas passieren. Nur: Passiert auch wirklich etwas?
Grundsätzlich seien fast alle öffentlichen Toiletten uneingeschränkt nutzbar, sagt Stadt-Sprecherin Juliane von Roenne-Styra. „Dieser Zustand ist jedoch eine Momentaufnahme, da an sämtlichen Standorten jederzeit vorübergehende Störungen auftreten können.“ Das wohl größte Sorgenkind ist die öffentliche Toilette am Neupfarrplatz. Diese ist seit einiger Zeit dauerhaft geschlossen. Als Ersatz hat die Stadt mobile Toiletten aufgestellt. Derzeit arbeite man an einer neuen Interimslösung, sagt von Roenne-Styra. Diese soll voraussichtlich im dritten Quartal, mithin im Herbst, umgesetzt werden. „Diese dient als Übergangslösung bis zur geplanten Ersatzneubaumaßnahme.“ Die wiederum sei für das Jahr 2030 vorgesehen. Darüber hinaus plant die Stadt zwei weitere Sanierungen, teilt von Roenne-Styra mit. Die Instandsetzung der Toilette am Protzenweiher soll 2027 beginnen, die Sanierung der Anlage im Stadtpark schon heuer.
Luxusklo in Regensburg: Mehrere Kabine nicht benutzbar
Ein weiteres Sorgenkind ist die Toilette am Schwanenplatz – vulgo: „Luxusklo“. Am Sonntagmorgen waren dort zwei von insgesamt fünf Kabinen geschlossen. Das scheint nicht erst seit gestern so zu sein. Zumindest teilt die Stadt mit, dass die Kabine mit Urinalen über einen längeren Zeitraum außer Betrieb genommen werden musste. Die Herrenkabine habe aufgrund von Verstopfung vorübergehend nicht zur Verfügung gestanden.

Insgesamt betrachtet sehe man im Rathaus selbstverständlich Handlungsbedarf in Bezug auf die Situation der öffentlichen Toiletten in Regensburg, betont von Roenne-Styra. „Die Verwaltung hat daher bereits Sanierungs- beziehungsweise Ersatzmaßnahmen angestoßen und entsprechende Vorschläge zur Aufnahme in das Investitionsprogramm eingebracht.“
Regensburger Toiletten-Problem ist „auch eine soziale Frage“
Das dürfte Musik in den Ohren vieler Interessenvertreter sein. Schon lange gibt es aus verschiedensten Richtungen die Forderung, das Toiletten-Problem endlich ordentlich anzugehen. Zuletzt bemängelten das etwa einige Altstadthändler.
Maria Müller, Geschäftsführerin von Faszination Altstadt, spricht von einem „emotional aufgeladenen Thema“. Der Zustand der Toiletten sage auch etwas über den Zustand einer Gesellschaft aus. Der Vandalismus, dem viele Anlagen ausgesetzt sind, zeuge etwa von einer gewissen Verrohung. „Das ist ja nicht die Schuld der Stadt“, betont Müller. Vielmehr handele es sich beim Toiletten-Problem auch um eine soziale Frage. Faszination Altstadt kümmert sich auch um die sogenannte „Nette Toilette“. Dabei stellen Gastronomen ihre stillen Örtchen zur Verfügung. Derzeit stelle man fest, dass die Akquise neuer Leute, die dabei mitmachen, schwierig sei, sagt Müller. Zu groß sei die Angst vor Vandalismus. Abgesehen davon könne dieses Angebot nur eine Ergänzung sein. Daher fordert Müller: „Wir brauchen ein Signal.“ Damit meint sie etwa die Sanierung der Neupfarrplatz-Toilette. Aber auch einfache Maßnahmen – zum Beispiel sei die Toilette unweit des Rathauses schlecht ausgeschildert. Das sei recht einfach zu ändern, argumentiert Müller.

Das Problem sei dabei durchaus drängend, sagt Müller: „Regensburg steht dieses Jahr international im Fokus.“ Zunächst das Relight-Festival ab dem 12. März, dazu der Unesco-Welterbetag im Juni. Gäste aus der ganzen Welt werden zu diesen Highlights anreisen. „Es wäre wichtig, dass wir dazu die Infrastruktur haben.“
Tourismus-Chef fordert mehr öffentliche Toiletten in Regensburg
Öffentliche Toiletten sind insbesondere auch für Besucher der Stadt wichtig. Jakob Reitinger ist Chef der Regensburg Tourismus GmbH. Grundsätzlich sei die Toilettensituation gut. „Aber noch nicht ausreichend.“ Die WC-Anlage am Neupfarrplatz sei „äußerst wichtig“, daher sei es gut, dass diese saniert wird. Abgesehen davon betont Reitinger: „Aus touristischer Sicht wäre ein Ausbau des Angebots an öffentlichen Toilettenanlagen notwendig – insbesondere mit Blick auf größere Reisegruppen.“ Dabei gehe es beispielsweise um die Anlage am Schwanenplatz.

Auch die Wirtschaft treibt das Thema um. Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, sagt etwa: „Öffentliche Toiletten sind ein oft unterschätzter, aber dennoch wichtiger Standortfaktor für die Attraktivität von Städten und die Aufenthaltsqualität von Einzelhandelslagen.“ Sie beeinflussten maßgeblich die Aufenthaltsdauer von Kunden und Gästen, die Sauberkeit im öffentlichen Raum und das Image einer Stadt. „Viele unserer Mitgliedsunternehmen bewerten die derzeitige Toilettensituation in der Altstadt als unbefriedigend.“ Insbesondere am Neupfarrplatz bestehe seit der Schließung der Galeria Kaufhof eine spürbare Lücke, da die dort vorhandenen Kunden-WCs gerne auch von Passanten und Touristen genutzt wurden. Kammerer betont: „Eine Welterbestadt wie Regensburg braucht daher eine ausreichende Anzahl von funktionsfähigen und sauberen öffentlichen Toiletten!“
Toiletten in Regensburg: Was macht die Politik?
• Wahlprogramme: Im Prinzip haben sich alle Parteien und Gruppierungen, die bei der Kommunalwahl in Regensburg antreten, für mehr öffentliche Toiletten ausgesprochen. Das geht aus den jeweiligen Programmen hervor.
• Unterschiede: Die CSU fordert eine Vergabe an externe Firmen. Die SPD fordert neben mehr Klos Wickelräume für Väter und kostenlose Menstruationsartikel. Die Grünen wollen mehr stille Örtchen in Parks oder an Badestellen. Die Brücke fordert mehr und vor allem funktionierende WCs.