Grünen-Antrag: Braucht Regensburg mehr Unisex-Toiletten?

Von Juliana Ried · 18. Oktober 2025 um 05:00

Die Grünen im Regensburger Stadtrat fordern, dass es für Menschen, die weder weiblich noch männlich sind, weitere Anlaufstellen gibt. Auch die CSU ist offen dafür – aber gegen teure Umbauten.

Video ansehen

Eine benutzbare öffentliche Toilette zu finden, ist bisweilen nicht einfach. Besonders schwierig ist es für Menschen, deren Geschlecht „nicht in die Kategorien männlich/weiblich eingeordnet werden kann oder die sich selbst keiner der beiden Kategorien zuordnen“, sagen die Grünen. Sie fordern jetzt mit dem Antrag „Toiletten für alle“ mehr Unisex-Toiletten.

Claire Lindner ist Sprecherin der Grünen Jugend und will sich bei der Kommunalwahl in den Stadtrat wählen lassen, unter anderem, um als nonbinäre Person auch anderen Geschlechtsidentitäten in der Kommunalpolitik Raum zu verschaffen. Die 24-Jährige sagt: „Die Situation ist kritisch, gerade für Personen, die sich keinem der beiden Geschlechter zugehörig fühlen.“ Benutzten diese Menschen Frauen- oder Männertoiletten, fühlten sie sich entweder selbst unwohl oder als Störfaktor für andere. Auch zu abfälligen Kommentaren könne es kommen, weiß sie aus Erzählungen.

Christopher Street Day als Auslöser

Helene Sigloch, Fraktionsvize und OB-Kandidatin der Grünen, erzählt, sie befasse sich seit einem Politik-Talk auf dem Christopher Street Day im Juni mit dem Thema. „Da gab’s aus dem Publikum die Bitte, dass Regensburg mehr Unisex-Toiletten braucht.“ Sie habe inzwischen erfahren, dass es ein paar davon gebe, doch das reicht ihr nicht. „Es muss überall in erreichbarer Nähe sein und es muss klar sein, wo ich was finde“, so Sigloch.

Stadtsprecherin Juliane von Roenne-Styra erklärt, bei den WC-Anlagen im Aberdeenpark im Stadtnorden, an der Proskestraße in Stadtamhof, in Kumpfmühl, am Schwanenplatz und am Zentralen Busbahnhof sei der „Zugang bereits unabhängig von der Geschlechtszuordnung möglich“, weil es sich um Unisex-Toiletten oder Einzelkabinen mit separatem Außenzugang handle. Insgesamt gibt es zehn öffentliche Toiletten in Regensburg.

Sind bei Toiletten Unisex-Lösungen günstiger?

Die großen Fraktionen im Stadtrat stehen dem Grünen-Vorschlag prinzipiell offen gegenüber. CSU-Fraktionschef Michael Lehner erklärt, definitiv kritisch sei er nur, was Umbauten angeht. „Das verursacht hohe Kosten und das für eine kleine Gruppe.“ Vorstellen könne er sich, dass die Stadt mit geringem Aufwand, etwa durch Austauschen von Schildern, Toiletten für alle nutzbar mache. Er frage sich allerdings, ob Frauen eine Unisex-Nutzung als unangenehm empfänden. Fragen wie diese müsse die CSU erst in der Fraktion besprechen.

SPD-Fraktionschef Thomas Burger sagt: „Wir werden uns am Montag beraten, was dieser Antrag an Aufwand auflöst.“ Eigentlich halte er viel von Unisex-Toiletten, „einfach aus Effizienz- und Auslastungsgründen“. Unter Umständen seien solche Lösungen auch günstiger: Wenn etwa an bestimmten Orten ein WC für alle aufgestellt werde. Brücke-Fraktionschef Joachim Wolbergs erklärt: „Ich will erst mal hören, was die Verwaltung dazu sagt. Und dann können wir entscheiden, ob wir da mitgehen.“

Die Zielgruppe

Zahlen: In Regensburg sind 106 Menschen gemeldet, die ihren Geschlechtseintrag ändern ließen. 22-mal gibt es den Eintrag „divers“, 17 Menschen verzichteten ganz auf einen Geschlechtseintrag, die anderen wählten „männlich“ oder „weiblich“.

Rechtslage: Das im November 2024 in Kraft getretene Selbstbestimmungsgesetz erleichtert die Änderung des Geschlechtseintrags. Eine Erklärung gegenüber dem Standesamt genügt. Diese muss drei Monate vorher angemeldet werden.