Umgehungsstraße für ein „Ja“ zu Amazon-Projekt: Abensbergs Bürgermeister gegen „Kuhhandel“

Seit Jahren wird über Umgehungsstraßen für Offenstetten und auch Schambach diskutiert. Ein Amazon-Logistikzentrum bei Rohr i. Nb. würde die Verkehrsbelastung in den beiden Orten weiter erhöhen. Losgetreten wurde jetzt die Debatte, ob das umstrittene Projekt möglicherweise zum „Baubeschleuniger“ für eine Ausweichtrasse wird.
Landrat Martin Neumeyer warf es vor der Wahl bei einer Diskussionsrunde in Abensberg ein: Der Bau eines Logistikzentrums bei Bachl könnte eine „Chance“ sein, parallel Umgehungen für Offenstetten und den Saaler Ortsteil Schambach zu realisieren. Zuhörer im Publikum reagierten verhalten. „Seit vielen Jahren warten wir auf eine Verkehrsentlastung. Bei einem ,Ja‘ zum Amazon-Vorhaben käme plötzlich Bewegung in die Sache“, merkte ein Besucher an.
Rund 12.500 Fahrzeuge rollen täglich durch Offenstetten
Auch Abensbergs Bürgermeister Bernhard Resch sieht die Umgehung von Offenstetten „nur bedingt“ in Verbindung mit der Ansiedlung des Logistikparks. „Bereits heute erreichen die Verkehrszahlen Werte, die eine Umfahrung rechtfertigen“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Laut einer Verkehrszählung des Staatlichen Bauamts Landshut aus 2024 frequentieren schon jetzt werktags bis zu 12.500 Fahrzeuge Offenstetten. In Schambach, so schildern Anrainer, weichen Lkw bei Gegenverkehr in den Gehbereich aus.
„Der Logistikpark würde die Situation dramatisch verschlimmern“, sagt Resch. Wie berichtet wenden sich Abensberg und Saal (sowie weitere Nachbarkommunen) gegen das Amazon-Projekt. Die steigende Verkehrsflut sei dabei nur ein Grund für die Ablehnung Abensbergs, so der Bürgermeister. „Wäre die Verkehrsthematik gelöst, blieben dennoch weitere wesentliche Einwände bestehen bzw. müssten geklärt werden.“
Der Bürgermeister macht klar: „Einen Kuhhandel ,Ortsumfahrung gegen Zustimmung Logistikpark‘ wird es daher nicht geben.“ Käme es tatsächlich zur Umsetzung des Amazon-Vorhabens, müsse die Verkehrslösung „zeitgleich mit der Inbetriebnahme des Logistikzentrums“ erfolgen.

Das Staatliche Bauamt hatte im November 2025 im Abensberger Stadtrat mehrere Varianten einer Umgehung für Offenstetten vorgestellt. Grünes Licht bekäme aktuell nur eine Trasse nördlich des Ortes (Kosten: 18 Millionen Euro), die an der Staatsstraße 2144 ansetzt und nach drei Kilometern wieder dort einmündet. Diese Variante würde die Ortsdurchfahrt um 10.000 Fahrzeuge entlasten. Bei einer Info-Veranstaltung dazu waren die Offenstettener nicht wirklich angetan: Die Lärmbelastung bleibe, nur eben weiter nördlich.
Erneuter Vorstoß für eine Verbindung zur B16
Resch trifft sich am 19. März nun nochmals mit Vertretern des Staatlichen Bauamts. Er möchte vorgeschlagene Varianten, „die meines Erachtens auch Verbesserungen für die Kernstadt Abensberg als auch für das Gemeindegebiet Saal und Hausen bringen könnten, erneut besprechen“. Damit meint er in erster Linie eine Trasse, die von einem Waldstück bei Scheuern hinüber sticht zur B16.
„Diese Umgehung würde auch Schambach entlasten“, erklärt der scheidende Saaler Bürgermeister Christian Nerb. Doch die Chancen auf eine Umsetzung seien äußerst gering: „Die Trasse verläuft durch ein Natur- und Wasserschutzgebiet. Lkw mit Gefahrengut dürfen dort gar nicht fahren.“ Eine Entlastung der Schambacher Bürger fordert aber auch Nerb ein. Einen „Kuhhandel“ lehnt er ebenso wie Resch ab. „Der Logistikpark ist Stand jetzt ohnehin nicht genehmigungsfähig“, sagt er mit Verweis auf Stellungnahmen von Behörden.
Eine zeitnahe Lösung in Sachen Umgehungsstraße zeichnet sich nach wie vor nicht ab. Der Abensberger Bürgermeister will daher auf schnell umzusetzende Maßnahmen bei der Ortsdurchfahrt Offenstetten (Kreittmayrstraße) drängen. „Ampeln, Kreisverkehre, Tempo 30 und Querungshilfen für Fußgänger“ möchte er beim Termin mit dem Staatlichen Bauamt ansprechen. „Bezüglich der Ampelschaltungen warten wir auf die Ergebnisse einer beauftragten Studie“, erklärt Resch.
Das Staatliche Bauamt wollte sich im Vorfeld des Termins nicht äußern. Man werde sich danach zu Lösungsansätzen erklären, hieß es auf Anfrage.