Rohr gibt grünes Licht für Amazon-Logistikzentrum – Gegner bleiben hartnäckig

Der Marktgemeinderat Rohr (Landkreis Kelheim) hat dem geplanten Amazon-Logistikzentrum bei Bachl den weiteren Weg geebnet. In einer dreiteiligen Marathonsitzung wurden die Einwände von Bürgern und Behörden verworfen oder eingearbeitet. Gegner des Projekts kündigen weiterhin Widerstand an.
Video aus dem Jahr 2023
Zwei Wortmeldungen standen am Ende der Sitzung über drei Abende. Marktgemeinderat Bernhard Hoffmann (FW) warf der BIA („Bürgerinitiative Abensberg und benachbarte Gemeinden“) vor, schon mit der ersten Info-Veranstaltung vor zwei Jahren „die Brücken zu uns eingerissen“ zu haben. Ratskollege Walter Fuchs (CSU) bezeichnete die Einwände von Bürgern und Behörden als „gut und richtig“. Man habe einiges eingearbeitet und blicke nun auf ein „Vorzeigeprojekt“.
Zuvor hatte es in insgesamt zwölf Stunden Sitzungsdauer nicht eine Rückfrage gegeben zum Wirtschaftspark Stocka, in dem sich an der Staatsstraße 2230 das Amazon-Logistikzentrum (23 Hektar/60.000 m² Hallenfläche) und ein Firmenpark (9,5 Hektar/50.000 m²) ansiedeln sollen. BIA-Vorsitzender Roland Weiß nennt dies im Nachgang eine „seltsame Diskussionskultur“.
Unser Newsblog zur Marathonsitzung zum Nachlesen
Zugleich bemüht er sich, Schärfe aus dem Zwist um das Projekt zu nehmen. „Die BI hat nie gegen die Marktgemeinde Rohr und deren Bürger gekämpft, sondern ausschließlich gegen den Standort Stocka.“ Dieser Kampf werde aber weitergehen. „Wir stellen nun die Abwägungen zu unseren Einwänden auf den Prüfstand und überlegen uns weitere Schritte“, sagt Weiß.
Amazon zeigt sich in Statement erfreut
Am Tag nach der Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans gab auch der Online-Versandkonzern Amazon am Donnerstag ein Statement ab. „Die Planungen für den Wirtschaftspark an der A93 sind einen wichtigen Schritt weiter“, erklärt Unternehmenssprecher Oliver Kentschke. Projektentwickler Panattoni und Amazon sei es ein Anliegen gewesen, „die Belange der Bürger bestmöglich zu berücksichtigen“. Nachhaltigkeitsinitiativen wie Dach- und Fassadenbegrünung, Photovoltaik-Anlagen, partielle Holzbauweise oder Artenschutz durch Streuobstwiesen, Pflanzungen und Wildblumenflächen seien das Ergebnis von Anpassungen.
„Die kosmetischen Korrekturen durch Bepflanzung werden die massive, negative Veränderung des Landschaftsbildes nur sehr gering dämpfen“, wirft Weiß ein. „Dafür sind die Hallen und das Gelände zu groß.“ Von 38 Hektar überplanter Fläche werden 22 Hektar versiegelt, wurde in der Sitzung bekannt. Die Gebäudekomplexe seien an drei Seiten von Wald umgeben, die Höhenentwicklung durch „Eingrabung“ in den Hang gedämpft. Das Landschaftsbild werde nicht gravierend beeinträchtigt.

Wie in diesem Punkt stehen Für und Wider weiterhin im Raum. So kreideten umliegende Jagdgenossenschaften in Eingaben negative Auswirkungen auf die Attraktivität ihrer Reviere und den Wildbestand an. Das sei nicht zu erwarten, lautete die Abwägung dazu. Und wenn, müssten „die Geschädigten dies nachweisen“.
Großes Streitthema bleibt die Verkehrsbelastung. Die Projektentwickler sehen Nachbarorte durch die Anbindung des Logistikzentrums an die A93 weitgehend außen vor. Der Mitarbeiter-Verkehr werde nur teilweise durch Orte fließen. Erwartungsgemäß anders fällt die Einschätzung der BIA aus: „Der zu erwartende Verkehr wird die Region nachhaltig belasten und die Wohn- und Lebensqualität von tausenden Bürgern verschlechtern.“
Über 2200 Mitarbeiter – woher nehmen?
Immer wieder angesprochen über Einwände wurde die Rekrutierung von 2263 Arbeitskräften, die im Wirtschaftspark arbeiten sollen, in Spitzenzeiten (etwa vor Weihnachten) rund 2990. „Wir arbeiten eng mit regionalen Arbeitsagenturen zusammen. Aus lokalen Betrieben wird niemand abwandern“, befinden die Projektbetreiber. Die Gegner fürchten eben dies, zudem massiven Zuzug und damit die Belastung des Wohnungsmarktes.

Die Befürchtungen von Nachbargemeinden „wurden gehört, werden aber nicht geteilt“, zitierte Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer in den Abwägungen zu Eingaben von Kommunen. Wie die umliegenden Gemeinden reagieren werden, ist noch offen. Anfragen unserer Zeitung in Abensberg, Langquaid und Hausen blieben am Donnerstag unbeantwortet.
Das weitere Prozedere sieht nun einen Billigungs- und Auslegungsbeschluss des Marktgemeinderats vor. Dann sollen die Unterlagen im Rahmen der förmlichen Beteiligung erneut öffentlich ausgelegt werden.