RVV-Tickets gelten nicht mehr in Zügen im Kreis Kelheim – Protest dagegen wächst

Bahnreisende im Landkreis hadern mit dem Ausstieg Kelheims aus dem RVV-Tarifsystem in Nahverkehrszügen. Mittlerweile zwei Online-Petitionen fordern eine Rücknahme des entsprechenden Beschlusses. Nun fordert auch ein Kreisrat, die Entscheidung zu überprüfen.
Im Oktober 2024 hat der Mobilitätsausschuss des Kelheimer Kreistags einstimmig beschlossen: Mit Wirkung zum 1. Januar 2026 beendet der Landkreis die Tarifkooperation mit dem RVV in Sachen Schienen-Personennahverkehr. Damit sind nun RVV-Tickets im Zug nur noch bis Sinzing gültig, nicht mehr wie bisher bis Neustadt bzw. Münchsmünster. Busfahrten mit dem RVV sind von der Entscheidung nicht betroffen.
Die Entscheidung fiel 2024 vor allem aus Kostengründen: Etwa 165.000 Euro jährlich musste der Kreis Kelheim dem RVV für die Gültigkeit der Tickets im Zug zahlen; überdies erfolge die Festlegung dieser Summe intransparent und mit teils jahrelang verspäteter Abrechnung, monierte damals ÖPNV-Stabsstellenleiter Stefan Grüttner. Er argumentierte auch, dass die Folgen des Ausstiegs für ÖPNV-Nutzende aus dem Landkreis vertretbar seien: Vielfahrer nutzten eh das Deutschlandticket, und für „Seltennutzer“ sei die Bahncard25 eine vergleichbar günstige Alternative.
„Extreme Preissteigerungen“
Das sieht unter anderem Dr. Andreas Graichen anders. In einem Mail an Kreisrat und Ausschussmitglied Richard Zieglmeier (Grüne) kritisiert der Familienvater aus Saal, dass es für Gelegenheitsfahrer von Kelheim nach Regensburg, insbesondere Familien, zu „extremen Preissteigerungen“ komme. Bislang habe das RVV-Tagesticket zum Beispiel ab Saal a. d. Donau für 14 Euro die Zugfahrt von bis zu zwei Erwachsenen ermöglicht, bei kostenloser Mitfahrt von Kindern bis 14 Jahren. Nun müssten zwei Erwachsene ohne Bahncard 40 Euro zahlen – da rentiere sich schon fast das 42 Euro teure (aber erst ab neun Uhr gültige) Bayernticket, rechnet er vor. M it Bahncard25 seien für zwei Erwachsene immer noch 30 Euro fällig. Etwas günstiger, aber deutlich komplizierter sei die Kombination von normalen Bahntickets mit dem nun ab Sinzing gültigen RVV-Tagesticket, ergänzt Graichen und fügt weitere Fahrpreisbeispiele an.
Sein Fazit: Außer für Berufspendler und andere Vielfahrer werde es für viele, „insbesondere für Familien und Gruppen, massiv teurer und unattraktiv den ÖPNV zu nutzen“. Was wohl viele zur Rückkehr zum Auto bringen werde.
Das sieht Werner Ulreich ähnlich. Der Abensberger ist bislang ein „Gelegenheitsfahrer“, der gerne Zug und Bus von Abensberg nach Regensburg nutzte: zum Beispiel zu Arztterminen, ins Theater oder zum Jahn-Spiel – wo die Eintrittskarte auch gleich als RVV-Ticket gilt. Letzteres sei generell preislich attraktiv und vor allem einfach in der Handhabung. Jetzt aber werde es „kompliziert und deutlich teurer“, kritisiert er: „Da scheut man sich noch mehr, den ÖPNV zu nutzen“.
Ulreich hat deshalb eine Premiere gewagt und Mitte Dezember auf change.org eine Online-Petition gestartet mit dem Ziel, die Ausschuss-Entscheidung zu revidieren. Für ihn selbst überraschend: Mittlerweile schon mehr als 1200 Menschen haben digital „unterschrieben“.
Das Spar-Argument des Landkreises will der Abensberger so nicht gelten lassen: Es solle lieber an anderer Stelle gespart werden, zum Beispiel bei den Ausgaben für ein neues Logo für den Kelheimer Verkehrsverbund VLK – aber nicht in Bereichen, die „so eine breite Bevölkerungsschicht betreffen“, findet er, auch mit Blick auf Studierende.
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Für sie gilt, als Kulanz-Regelung, noch bis 31. März ihr Semesterticket wie bisher bis maximal nach Münchsmünster. Ab 1. April brauchen auch Studis dann ab Sinzing zusätzlich eine eigene Bahn-Fahrkarte bzw. ein (ermäßigtes) Deutschlandticket. Dagegen regt sich nun ebenfalls Protest.
Studierende fordern Beschluss zu revidieren
Eine – nach eigenen Angaben – Gruppe von Studis hat ebenfalls auf change.org die Petition „Führen Sie die RVV Tarifanerkennung wieder ein“ gestartet, mit ähnlicher Zielsetzung wie Werner Ulreich. Die Gruppe kritisiert den Ausstieg Kelheims aus dem Schienen-RVV-Tarif als Ausdruck einer „insbesondere mit Blick auf den Klimawandel, Teilhabe an der Gesellschaft und den Ausbau des ÖPNV zutiefst rückwärtsgewandte[n] Politik“, wie Initiator Felix Resch schreibt.
Betroffen seien, als dritte Gruppe, außerdem Landkreis-Schüler, die an eine Regensburger Schule gehen; darauf weist Andreas Graichen hin: Denn für sie fällt die Möglichkeit weg, mit dem „365-Euro-Ticket“ des RVV per Zug und Bus zur Schule zu kommen; sie müssten stattdessen nun ein (allerdings bundesweit gültiges) Deutschlandticket für ermäßigt 516 Euro pro Jahr kaufen.
Vor diesem Hintergrund will Kreisrat Richard Zieglmeier die – auch von ihm selbst mitgetragene – Entscheidung des Mobilitätsausschusses vom Oktober 2024 nochmals überprüft wissen. Er hat für die nächste Ausschusssitzung, am Montag, 19. Januar, Auskunft durch Stabsstellenleiter Stefan Grüttner beantragt. Grüttner solle Stellung nehmen zur Kostensteigerungen für Gelegenheitsfahrer, Schüler und Studierende aus dem Landkreis infolge des Ausstiegs aus dem RVV-Schienentarifsystem.
Ausschuss berät am Montag, 19. Januar
Das Thema steht am Montag, 19. Januar, in der Tat mit auf der Tagesordnung der Sitzung. Ein inhaltliches Statement im Vorfeld lehnte das Landratsamt ab. Der Mobilitätsausschuss tritt ab 12.30 Uhr im Landratsamt zusammen. Weiteres Thema ist der flexible Expressbus „Kexi“: Es geht um die Anbindung des Bahnhofs Eggmühl an den Land-Kexi im Bereich Langquaid; und um die Ausweitung des Mainburger Kexi-Gebiets auf die Iltmalklinik Pfaffenhofen.