Ab Januar 2026 beginnt der RVV erst in Sinzing: Was das für Studenten bedeutet

Von Sophie Knorr, Manfred Forster, Rainer Wendl · 12. Dezember 2025 um 13:00

Das Verbundticket für Züge nach Regensburg fällt zum 1. Januar 2026 weg. Das betrifft auch Studierende und Fußballfan aus dem Landkreis Kelheim. So ist die Situation im „grenznahen“ Bad Abbach.

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Der 13-jährige Niklas besucht das Goethe-Gymnasiumin in Regensburg, wohnt aber in Abensberg. Seinen täglichen Schulweg nach Regensburg legt er mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Erst geht’s mit dem Zug von Abensberg zum Bahnhof Prüfening, von dort fährt dann ein Zubringer-Bus. Bislang nutzte er dafür das eigens für Schüler konzipierte, ganzjährig gültige 365-Euro-Ticket des Regensburger Verkehrsverbunds (RVV). Ab Januar aber muss er aufs Deutschland-Ticket umsteigen, was seine Eltern im Jahresabo 756 Euro und damit mehr als das Doppelte kosten wird.

Landkreis Kelheim spart 165.000 Euro pro Jahr.

Die Ursache für diese unerfreuliche Neuerung liegt bereits ein Jahr zurück. Ende 2024 hat der Mobilitätsausschuss des Kelheimer Kreistags einstimmig beschlossen, aus der Tarifausweitung des RVV auf dem Schienenabschnitt zwischen Sinzing und Neustadt an der Donau auszusteigen. Ausschlaggebend waren Kostengründe, der Landkreis spart sich auf diese Weise pro Jahr 165 000 Euro.

Für das stattliche S-Bahn-artige Angebot in der gesamten Region bedeutet das: Man kann ab Regensburg mit einem RVV-Ticket weiterhin bis Neumarkt, Amberg, Weiden oder Straubing mit dem Zug fahren – nur in Richtung Ingolstadt ist künftig bereits in Sinzing die Grenze der Gültigkeit, nur einen Brückenschlag von der Regensburger Stadtgrenze entfernt.

Ende der Vereinfachung

Dass RVV-Geschäftsführer Kai Müller-Eberstein über diese Entwicklung nicht begeistert ist, liegt auf der Hand. „Wir hätten uns inhaltlich eine andere Entscheidung erhofft, durchgängige Tarifangebote sind ohne Frage ein zentraler Baustein der Verkehrswende. Die Anerkennung des RVV-Tarifs in den Zügen im Landkreis Kelheim hat vielen Fahrgästen einen einfachen und nahtlosen Zugang zum öffentlichen Nahverkehr ermöglicht“, sagt er. Nun entfalle ein tarifliches Element, das bislang zur Vereinfachung beigetragen habe.

Dennoch zeigt Müller-Eberstein Verständnis für die Kelheimer Kreisräte und sieht auch keinen „Rückschlag im Sinne eines Rückbaus oder eines Verlustes an Verkehrsangeboten“, schließlich blieben die Schienenverbindungen vollständig bestehen. Der RVV-Geschäftsführer räumt aber auch ein: „Für einige Kundengruppen – etwa Familien, die nur gelegentlich mit einem RVV-Tages-Ticket in Richtung Regensburg unterwegs sind und kein Deutschlandticket nutzen – kann die Nutzung des Nahverkehrs allerdings teurer sowie der Übergang zwischen Bahn und Busverkehr komplizierter werden.“

Durchgängige Tarifangebote sind ohne Frage ein zentraler Baustein der Verkehrswende.“Kai Müller-Eberstein, RVV-Geschäftsführer

Der Regensburger Landtagsabgeordnete und Stadtrat Jürgen Mistol von den Grünen hält genau dies für ein großes Problem. „Solche Tarifbrüche machen den Nahverkehr spürbar unattraktiver: Fahrten werden komplizierter, häufig teurer, und Reisende verlieren einen einfachen, durchgehenden Tarif“, sagt der passionierte Zugfahrer und wird deutlich: „Solche Tarifbeschneidungen bremsen zudem jede ernsthafte Verkehrswende aus, weil sie den Umstieg auf Bus und Bahn unattraktiver machen und damit genau jene Hürden schaffen, die eigentlich abgebaut werden müssten.“

Auch Jahn-Fans aus Kelheim haben das Nachsehen

Im Detail fallen auch attraktive Zusatzangebote weg. So gilt beispielsweise für Besucher der Heimspiele des SSV Jahn die Eintrittskarte als RVV-Ticket im gesamten Verbundgebiet – in den aus dem Landkreis Kelheim kommenden Zügen bis Sinzing künftig nicht mehr.

Busfahrten seien aber laut Auskunft des RVV von den Änderungen ausgeschlossen. So gelte zum Beispiel in den Buslinien 16, die von Oberndorf über Bad Abbach nach Regenburg verkehrt und die Linie 19 von Teugn über Lengfeld nach Regensburg, „weiterhin RVV-Tickets wie bisher. Alternativ könne zum Beispiel das Deutschlandticket oder ein Fahrschein nach D-Tarif der Bahnen, wie das Bayern-Ticket, genutzt werden“, so die Antwort des RVV auf unsere Nachfrage.

Auch Studierende mit Semesterticket sind von den Änderungen betroffen. Sie können auf diesem Streckenabschnitt nur noch bis zum Ende des laufenden Wintersemesters kostenlos Bahn fahren. „Wir bedauern das ausdrücklich“, sagt Nicolas Müller, Pressesprecher des Studierendenwerks Niederbayern/Oberpfalz. Wie viele Studierende aus dem Landkreis Kelheim davon betroffen sind, kann das Studierendenwerk nicht sagen. Dazu lägen keine Zahlen vor.

So viel müssen Studierende drauflegen

Klar ist aber, dass es für Studierende teurer wird, wenn sie die Zugstrecke nutzen wollen. Zum Sommersemester 2026 wird das Semesterticket aufgrund des kleiner gewordenen RVV-Gebiets zwar um zwei Euro günstiger, allerdings kommen die Kosten für ein ermäßigtes Deutschlandticket hinzu. Dieses kostet für Studierende laut Müller 23,50 Euro im Monat. Das Semesterticket kostet ab Sommer 2026 117 Euro. Das alles summiert sich auf 258 Euro pro Semester pro studierender Person.

Ein Kommentar: ÖPNV im Landkreis Kelheim - da geht noch was

Für den Zeitraum vom 1. Januar bis zum 31. März 2026 wird laut Studierendenwerk jedoch ein Kulanzzeitraum vereinbart, in dem das Semesterticket auf dem Streckenabschnitt Münchsmünster-Sinzing noch genutzt werden kann. Ab 1. April wird für diesen Streckenabschnitt eine eigene Fahrkarte benötigt.

Ungeachtet solcher Sonderfälle fordert Mistol mit Blick auf die zukünftige Entwicklung: „Eine dauerhafte Lösung kann nur gelingen, wenn der Freistaat Bayern mehr Verantwortung übernimmt und die Tarifintegration im Schienenverkehr verbindlich stärkt, damit Reisende nicht länger unter zersplitterten Zuständigkeiten leiden.“

Günstiger mit dem Auto

Die Mutter des eingangs erwähnten Gymnasiasten aus Abensberg hat derweil eine ganz andere Lektion gelernt: „Jetzt verstehe ich, warum hier jeder sofort mit 18 ein Auto geschenkt bekommt“, sagt sie.

Auch sie selbst wird bei künftigen Stippvisiten zu ihrem früheren Wohnort Regensburg das Auto nehmen. Während sie nämlich bislang mit dem RVV-Ticket 18,50 Euro für die Hin- und Rückfahrt mit dem Zug zahlen musste und dabei sogar noch eine zweite Person mitnehmen konnte, ist sie ab Januar solo mit über 30 Euro dabei.