Autonome Busse, viele Meinungen: Was haben Pilotprojekte im Kreis Kelheim gebracht?

Kelheims Kreis-Kommunalpolitiker sprechen über Nutzen, Frust und Kosten der Förderprojekte. Landrat Martin Neumeyer verteidigt das Engagement und stellt sich hinter den ÖPNV-Stabsstellenleiter. Ein neues Nahverkehrskonzept soll frühestens 2030 kommen.
Jahrelang fuhren vor allem die Kelheimer in „Mopsgeschwindigkeit“ hinter den autonomen Bussen her. Ob und was die Projekte Landkreis und Bürgern brachten, darüber gingen am Montag im Kreis-Mobilitätsausschuss die Meinungen auseinander. Auch das seit Längerem von Dennis Diermeier (FW) geforderte Update des Nahverkehrsplans war Thema.
Im Landkreis wurde in den vergangenen Jahren einiges (Safestream/Sue) erprobt. Bis Jahresende läuft laut ÖPNV-Stabsstellenleiter Stefan Grüttner noch das Projekt „Sue“. Der Prototyp eines hochautomatisierten, zulassungsfähigen und verkehrstauglichen „People Movers“ werde bis 15. Oktober auf der K-Messe in Düsseldorf präsentiert. Sofern das Wetter mitspielt, soll er Mitte November in Neustadt erprobt werden, im November solle „Weltpremiere“ sein.
„Das war kein Blödsinn“
Das Engagement des Landkreises in Sachen autonomes Fahren sei weder „Verschwendung“ noch „Blödsinn“ gewesen, so Grüttner. Die Vorgaben in Deutschland und Europa seien aber deutlich komplexer, als dies etwa in den USA der Fall sei. Allein die Summen, die einzelne Unternehmen dort in Forschung und Entwicklung steckten, seien mit hiesigen Dimensionen nicht vergleichbar.
„Aber wir sehen, dass autonomes Fahren funktioniert“, betonte Grüttner. Vor drei Jahren sei er überzeugt gewesen, dass man auch in Deutschland kurz vor der Realisierung stehe. Doch es kam anders, im ganzen Land gebe es bis dato keinen autonomen ÖPNV-Verkehr „ohne Fahrer“ an Bord.
„Wir sind oft belächelt worden, trotzdem waren wir ein Labor für ganz Europa“, merkte Landrat Martin Neumeyer an. Allein der „Hub“, die Garage, die beim Landratsamt mit Fördermitteln des Bundes für die autonomen Kleinbusse gebaut worden ist, sei ein bleibender „Mehrwert“. Jetzt werde er für Feuerwehrautos genutzt. Zudem sei die Teilnahme an den Projekten Werbung für den Wirtschaftsstandort gewesen. „Image braucht jeder“, so Neumeyer. Der Landkreis habe sich modern und weltoffen präsentiert. Viele internationale Experten seien hierhergekommen. Allein „die 20 km/h waren das Problem“.
An Letzteres erinnerte Stephan Schweiger (SPD). Viele Bürger seien genervt gewesen, hinter den Vehikeln herzurollen. Den Unmut hätten speziell Kelheimer Stadträte abbekommen.
Viele Stunden der Mitarbeitenden im Kreis-ÖPNV hätten in andere Innovationen gesteckt werden können, etwa beim Radverkehr, befand Grünen-Kreisrat Richard Zieglmeier.
Grüttner konterte: „Es gab einen Nutzen, den sehen nur viele nicht.“ So habe Kelheim befristet auch einen konventionellen Stadt-Kexi-Bus bezahlt bekommen. Und auch seine Stelle sei in den letzten Jahren zum allergrößten Teil aus Fördermitteln bezahlt worden. „Ich durfte gar nicht mehr Stunden da sein“, sagte er in Richtung von Kritikern, die sich über zu lange Abwesenheiten mokiert hatten (wir berichteten).
Der Landrat betonte zudem: „Ich bin mit der Arbeit von Herrn Grüttner, die sehr komplex ist, sehr zufrieden.“ Ebenfalls mit Blick auf Kritik, unter anderem wegen einer Reise zu einer Fachmesse in die USA, merkte Neumeyer an. „Ich war auch in den USA und habe alles selbst bezahlt.“
Andreas Fischer (SLU) konnte die Kritik bezüglich „gebundener Kapazitäten“ nachvollziehen. Eine Diskussion darüber im Nachhinein bringe nichts. Auch Fischer sah „unterm Strich“ keine großen Vorteile für die Bürger.
Für FDP-Kreisrat Michael Schöll war es dagegen „logisch, dass nach drei Projekt-Jahren nicht alles gelöst ist“. Forschung laufe nun einmal nach dem Prinzip „Trial & Error“ (auf Deutsch: Versuch und Irrtum).
„Nicht finanzierbar“
Zu einer Fortschreibung des Nahverkehrsplans kommt es demnächst nicht. Der bestehende ist von 1996, 2016 wurde er aktualisiert. „Wir kennen die Themen“, sagte Grüttner. In Sachen On-demand-Verkehre, Deutschlandticket und Digitalisierung habe sich vieles verbessert. Doch: „Die nicht finanzierbaren Maßnahmen von 2016 sind weiterhin vorhanden.“ Die Verlängerung der Linie 602 bis Abensberg etwa oder ein Direktbus von Saal nach Kelheim seien schwer finanzierbar. Beides würde jeweils jährlich Betriebskosten in hoher sechsstelliger Summe bedeuten. Externe Rahmenbedingungen wie Fördermittel und rechtlicher Rahmen könnten sich rasch ändern, ein „Update“ des Plans schnell veralten, argumentierte Grüttner. Zudem wecke ein solches Erwartungen. Wenn dichtere Takte oder neuen Linien aber nicht finanzierbar seien, frustriere dies die Menschen.

Der Landrat warb für ein Vertagen. „Aktuell würden Erkenntnisse nicht groß anders ausfallen.“ Auch Andreas Fischer (SLU) war dafür, dass man sich angesichts klammer Haushaltslage die Kosten (170.000 inklusive Ausschreibung) sparen sollte. Bis auf die beiden zwei FW-Vertreter waren alle dafür, den Nahverkehrsplan nicht vor 2030 überprüfen zu lassen.