Fahrerloses ÖPNV-Shuttle: Es hat sich ausgetestet in Kelheim

Das Modell-Projekt „Safestream“ wollte in Kelheim einen völlig autonom fahrenden Kleinbus auf die Straße bringen – daraus wurde (noch) nichts.
In Los Angeles haben Kelheims ÖPNV-Experte Stefan Grüttner und Landrat Martin Neumeyer erlebt, wie sich autonomes Fahren in einem „Level 4“-Fahrzeug anfühlt. In normaler Geschwindigkeit fuhren sie in einem fahrerlosen Auto durch die kalifornische City, „ohne zu spüren, dass da keiner lenkt“. Was in den USA Alltag ist, sollte in Kelheim im Kleinen am Ende des Mobilitäts-Projekts „Safestream“ stehen. Ein kleiner ÖPNV-Shuttle sollte bis Ende Juli – ganz ohne Fahrer, der im Ernstfall eingreift – durch den Donaupark fahren. Doch so weit kam es nicht.
Entsprechend war die Gefühlslage bei der Abschlussveranstaltung mit an die 60 Vertretern aus Ministerien, Forschungseinrichtungen, beteiligten Unternehmen oder Kelheims Kreis-ÖPNV-Experten Stefan Grüttner gemischt. „Safe-stream“ zeigte, der Weg zu völlig autonom fahrenden Shuttles auf öffentlichen Straßen ist steinig und teuer, das Thema komplex, die Regulatorik groß.

Viele Kommunen würden sich solche kleinen Busse im ÖPNV wünschen, hieß es bei der Abschlussveranstaltung im Landratsamt. „Doch bislang gibt es in Deutschland keinen einzigen solchen Verkehr und keinen Hersteller von Level4-Fahrzeugen“, sagt Grüttner.
Easy Mile, das beteiligte Unternehmen mit Sitz in Toulouse, hatte sich um das Fahrzeug gekümmert. Weil es für Unternehmen aber auch um Wirtschaftlichkeit geht, konzentriere man sich nun zunächst auf ein Joint Venture, das autonome Logistik-Fahrzeuge auf „privaten Geländen“ wie Flughäfen, Häfen oder dem Autobauer BMW in Dingolfing, konzentriert. Um zu zeigen, dass „die Technik funktioniert, dass sie verfügbar ist und sich damit durchaus Kosten sparen lassen“, so Geschäftsführer Arwed Schmidt. Zudem wolle man zeigen, dass diese Sparte durchaus auch wirtschaftlich gewinnbringend funktionieren kann.

Aufgegeben haben Schmidt, Grüttner und andere, die nach Kelheim kamen, autonome Shuttles auf öffentlichem Grund dennoch nicht. Das sei keine Option, finden sie. Sich in der Materie von amerikanischen oder chinesischen Unternehmen als Lizenz-Nehmer abhängig zu machen, sei keine Lösung.
Mehr oder weniger ohne menschliche Eingriffe drehte der Bus am „privaten“ Landratsamts-Parkplatz seine Runden – ohne Sichtverbindung zur Zentrale im Donaupark 13. Auch wenn 2025 alle Projekte im Landkreis auslaufen, denkt man in Kelheim über eine neue Bewerbung um Fördermittel für ÖPNV-Innovationen nach, so Grüttner. Das Safestream-Shuttle geht im Herbst zurück zu Easy Mile. Die zwei Mini-Busse, die der Kreis kaufte, sollen neue Besitzer finden. Unis aus dem In- und Ausland hätten bereits Interesse bekundet, so Grüttner.
