Langes Bangen um „Lucky“: Kätzchen steckt über Tage in Kamin in Riedenburg fest

Die Geschichte ist dramatisch und anrührend zugleich. Über Tage steckte eine kleine Katze in einem Kamin eines Anwesens in Riedenburg fest – Tierhilfe-Mitarbeiterin Jennifer Schneider hörte zwar ein Miauen, konnte die genaue Stelle aber lange nicht orten. Nach teils schlaflosen Nächten wurde „Lucky“ gerettet, und „Loki“ gleich mit.
„So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Die 36-jährige Schneider musste nach ereignisreichen Tagen erst durchatmen. Die Riedenburgerin arbeitet für die Tierhilfe Kelheim im Umkreis ihres Wohnortes. „Sie ist eine unserer aktivsten Helferinnen“, sagt Vorsitzende Monika Pledl. Daher zögerte Schneider auch keine Sekunde, als sie ein Hilferuf, besser: -Miauen, erreichte.
Eine Frau, die in der Riedenburger Mühlstraße wohnt, hatte die Laute einer Katze gehört. Sie konnte sie aber nicht finden. „Mein Papa hat sein Büro in der Nähe. Weil sie wusste, dass ich bei der Tierhilfe bin, ist sie zu ihm gegangen“, schilderte Schneider. Die Einzelhandelskauffrau fuhr an Ort und Stelle. „Dort steht eine Scheune und gleich daneben durch eine Mauer getrennt ein Haus.“ Auch sie hörte das Mauzen.
Auch in der Nacht gehorcht
Den Lauten nach handelte es sich um eine kleine Katze. „Ich habe überlegt, ob sie vielleicht unter dem Scheunenboden hockt oder hinter der Mauer zum anderen Gebäude runter gefallen ist.“ Aber an die Stellen hinzugelangen, war schwierig. „Ich bin auch nachts hingefahren, um das Kätzchen besser hören zu können.“ Zeitweise war es aber auch wieder ganz still. „Die Uhr tickt, weil das Tierchen immer schwächer wird“, weiß Pledl.
Der entscheidende „Hinweis“ kam von einer anderen Katze – nämlich der Mami des kleinen Schmusetigers. „Sie hockte im Gebälk der Scheune und blickte immer wieder nach unten.“ In einer Ecke stand ein Kaminschacht, der zu einer darunter liegenden Wohnung in Hanglage führt. „Dort muss sie sein“, beschied Schneider. Die Tierhilfe verständigte die Feuerwehr Riedenburg. Doch der waren die Hände gebunden, denn der Vermieter war nicht erreichbar und ohne seine Zustimmung durfte man den Kamin nicht aufschlagen.

Wieder verging ein Tag. Letzte Rettung war eine Rohrreinigungsfirma aus Kelheim. „Ein Monteur kam und ließ von oben eine Kamera in den Schacht.“ Und endlich folgte an jenem Sonntag um 12.24 Uhr die Gewissheit: Am Boden tapste das Kätzchen herum. „Ich gehe nicht, bevor ich nicht die Katze habe“, erklärte der Monteur entschlossen. In Absprache mit dem Vermieter, der endlich erreichbar war, stemmte er den Kamin auf – und das Kätzchen war gerettet.
Schneider, die selbst zwei Katzen hat, nahm es bei sich auf. „Es war acht bis zehn Wochen alt.“ Wie es in den Kamin kam, darüber kann sie nur spekulieren. Vermutlich balancierte es im Gebälk rum – und fiel runter. Schneiders Kinder, fünf und elf Jahre, gaben ihm den Namen „Lucky“, weil es Glück hatte.
Weiteres Kätzchen taucht auf
Und dem kleinen Wunder folgte noch ein zweites. Am nächsten Tag guckte die Riedenburgerin in der Scheune nochmal nach, eigentlich wegen der Katzen-Mami. Da streunte plötzlich ein zweites kleines Kätzchen in der Holzhütte umher, fast identisch im Aussehen wie der rötlich gefärbte „Lucky“. Es war das Brüderchen und wurde „Loki“ getauft. Ihre Mami ließ sich trotz aufgestellter Falle nicht anlocken.
Vier Wochen blieben die beiden Schmusetiger bei Schneider, die sie aufpäppelte. „Eigentlich wollte ich sie für die Kinder behalten. Aber mit meinen eigenen waren es zu viele.“ Inzwischen sind die beiden Kätzchen vermittelt und haben ein neues Zuhause.
Tierhilfe-Vorsitzende Pledl erinnert der Vorfall an zwei weitere Rettungsaktionen in ihren über 40 Jahren als Leiterin. „Einmal wurde ein Hund geborgen, der in einen Silo gefallen war.“ Ein ander Mal rettete die Feuerwehr ein Reh aus einem Brunnen, in dem Wasser stand. „Das Tier versuchte immer wieder die Wand hoch zu springen. Es war eine schwierige Bergung.“ Oft kämen solche Ereignisse nicht vor, „aber sie bleiben in Erinnerung“, sagt die 78-Jährige. Bei „Lucky“ ging es glücklich aus.