Amazon-Logistikzentrum: Rohr sieht keine Hürden – Gegnern bleibt nur der stille Protest

Die Gemeinde Rohr (Landkreis Kelheim) will dem Amazon-Logistikzentrum bei Bachl weiterhin den Weg bereiten. Das wurde in Teil eins einer auf drei Abende anberaumten Sitzung deutlich. Alle Einwände wurden bisher entkräftet oder in die Planung eingearbeitet. Auch die Ablehnung von Nachbargemeinden verfing nicht.
Video aus dem Jahr 2023
„Das ist durch.“ Mit diesen Worten trat Josef Stiglmeier aus Scheuern bei Rohr hinaus in den Eisregen. Mit dem T-Shirt-Aufdruck „Amazon verpisst euch“ war seine Meinung zum geplanten Logistikzentrum offenkundig. Die Gegner in den Zuschauerreihen, unter ihnen auch Hausens Bürgermeister Johannes Brunner, konnten der über vier Stunden dauernden Marktratssitzung nur tatenlos beiwohnen.
Die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans Logistikpark Stocka nimmt im Gremium seinen Weg. Rohrs Bürgermeisterin Birgit Steinsdorfer sprach von einem „langen, aber wichtigen Abend“. Am Ende stand bei allen Beschlussvorlagen eine einstimmige Zustimmung der 17 Marktgemeinderäte.
Behandelt wurden und werden (noch Dienstag- und Mittwochabend) die Einwände und Stellungnahmen aus der frühzeitigen Auslegung der Pläne im Frühjahr 2024. In den Eingaben von Bürgern und Behörden finden sich kritische bis ablehnende Anmerkungen. So sieht das Landratsamt Kelheim den Aspekt „Tiere, Pflanzen und biologische Vielfalt nicht ausreichend betrachtet“. Der BUND Naturschutz ist schlicht dagegen, die Untere Denkmalschutzbehörde mahnt ein „Erlaubnisverfahren“ an.
Neuer Kreisel an der Staatsstraße
Die Stellungnahmen, die aus 34 Behörden und Trägern öffentlicher Belange kamen, wurden nicht verlesen. Steinsdorfer trug die Abwägungen zu den Punkten, die Verwaltung, Fachstellen und die Projektbetreiber Amazon und Panattoni erarbeitet hatten, vor. Die zentrale Planung mit dem Logistikzentrum (23 Hektar/60.000 m² Hallenfläche) westlich der Staatsstraße 2230 sowie östlich dem Panattoni-Park (9,5 ha/ 50.000 m²) bleibt unberührt. Aber neu ist beispielsweise ein Kreisel an der Staatsstraße an den Einfahrten zu den Arealen.
Eingearbeitet wurde, dass das Wasser von sämtlichen versiegelten Flächen im Amazon-Teilgebiet einer Vorreinigung unterzogen wird und in zwei Versickerungsbecken einläuft. Hier hatten Gegner den möglichen Eintrag von Lkw-Ölen oder Bremsenabrieb moniert. Der Hopfenbach sei auch bei einem 30-jährlichen Hochwasser sowie Starkregen durch eine Wanne nicht von überschießenden Fluten mit möglichen Verunreinigungen gefährdet. Zu Hopfen- und Forellenbach wird eine „Zehn-Meter-Puffer-Zone“ eingerichtet.

Nachgebessert wurde bei Naturschutz und Nachhaltigkeit. Alle Dachflächen werden mit heimischen Pflanzen begrünt und mit Photovoltaik-Anlagen versehen. Die Fassaden bekommen Holzelemente. Zwei Miniatur-Wälder seien ebenso vorgesehen wie ein Besucher- und Bildungszentrum. Lichtimmissionen in der Nacht würden durch punktuelle Blenden gemindert. Ein Bodenmanagementkonzept, ökologische und archäologische Baubegleitung sollen die Errichtungsphase flankieren.
Der Lebensraum schützenswerter Fauna und Flora wie Edelkrebs, Zauneidechse, Fledermaus, Haselmaus oder Brutvögeln sowie Busch- und Sandgrasnelke werde nicht beeinträchtigt, führte die Bürgermeisterin aus. Die Rodung von 6600 Quadratmetern Wald werde über eine Ausgleichsfläche bei Laaberberg sowie den Ankauf von Ökopunkten, die aus einem Forst bei Pilsting herrühren, kompensiert.
Die insgesamt 2990 Arbeitsplätze „führen nicht zu einem Abzug von Arbeitskräften aus lokalen Betrieben“, hieß es zum Punkt Mitarbeiter. Dieser Satz löste bei den Gegnern im Zuschauerraum Gelächter aus. Zumal an anderer Stelle angemerkt wurde, dass „80 Prozent der Mitarbeitenden aus einem Einzugsgebiet von 30 Kilometern“ kämen. Wiederholt wurde angemerkt, die neuen Jobs seien angesichts der Automobil(zulieferer)krise eine wichtige Chance in der Region.
Offenstetten: Verkehrsbelastung kein Amazon-Phänomen
Die ablehnende Haltung umliegender Kommunen läuft aus Sicht der Rohrer Gemeinde ins Leere. Weder hinsichtlich Lärm oder Verkehr seien signifikante Auswirkungen zu erwarten, ergäben Gutachten. So sei bei der Ortsdurchfahrt Offenstetten die Verkehrsbelastung durch rund 13.000 Fahrzeuge pro Tag „bereits jetzt gegeben und nicht ursächlich durch Amazon“. Mit rund 1500 Kfz-Fahrten durch Mitarbeiter käme „keine übermäßige Belastung“ hinzu. Der Schwerverkehr würde überwiegend direkt auf die A93 auf- und abfahren.
Der Befürchtung, Amazon könnte sich wie bei einem Projekt in Hessen plötzlich zurückziehen und eine Bauruine hinerlassen, trat das Gremium auch entgegen. „Eine Industriebrache ist nicht realistisch, aufgrund der großen Hallenfläche ein Leerstand nicht vertretbar.“ Auch diese Formulierung löste bei Besuchern Kopfschütteln aus. Den Projektbetreibern werde von der Gemeinde keine Rückbaupflicht auferlegt.
In den über vier Stunden Sitzungsdauer gab es aus dem Marktgemeinderat keine Rückfragen. Nach einer Fortsetzung am Dienstagabend folgt am Mittwoch (18.30 Uhr) der letzte Teil der Tagung. Im Mittelpunkt stehen nun die Einwände von Bürgern. Josef Stiglmeier schickte nach dem ersten Abend nach: „Ich werde mich wehren, solange es geht.“