So wenig verdienen Tankstellen-Pächter an den hohen Spritpreisen

Seit der Eskalation des Nahost-Konflikts schossen die Spritpreise in Deutschland rasant in die Höhe. Nicht selten bekommt das Kassenpersonal an der Tankstelle den Unmut der Autofahrer zu hören. Dabei können sie und auch der jeweilige Pächter am allerwenigsten für die Situation, wie ein Verbands-Sprecher erklärt.
„Den Tankstellenpächtern bleibt je verkauftem Liter eine fest vereinbarte Provision, die sich durch den Verkaufspreis aber nicht ändert“, erklärt Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessensverband. Die Spanne beträgt je nach Mineralölgesellschaft zwischen 1 und 2,5 Cent pro Liter.
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Von den hohen Spritpreisen habe der kleine Tankstellen-Pächter also nichts. „Es ist vielmehr so, dass die Mineralölkonzerne übers Internet die Preise steuern und der Tankstellenbetreiber durchs Fenster nur zuschauen kann, wie sich die Zahlen an seiner Anzeigetafel ändern“, sagt Rabl.
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Am meisten verdienen die Tankstellenbetreiber über Verkäufe von beispielsweise Snacks, Kaffee und Kaltgetränken im Shop oder mit der Autowaschanlage. Die Unternehmensberatungs-Firma „Die Franchise Macher“ aus Brandenburg berichtet auf ihrer Internetseite etwa davon, dass man als Shell-Franchisenehmer allein mit einem Cappuccino fünf Euro Gewinn machen könne. Viele Tankstellen erweitern ihr Sortiment auch um kleine Getränkemärkte oder Mini-Supermärkte.
Kritik an Preispolitik der Mineralölkonzerne
Tankstellenverbands-Sprecher Rabl kritisierte im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern die Preispolitik der Mineralölkonzerne als „Abzocke“. Der Sprit, der sich aktuell in den Tankstellen und in den Zwischenlagern befinde, sei zu einem deutlich niedrigeren Preis eingekauft und einkalkuliert worden. Zwar habe er grundsätzlich Verständnis dafür, dass die gestiegenen Rohölpreise und Transportkosten eingepreist werden müssten. Für die Geschwindigkeit der Preisanpassungen habe er aber kein Verständnis. „Der Krieg war noch keine drei Tage alt, da war der Preis schon von 1,75 Euro auf 2 Euro gestiegen“, sagt er und bezeichnet das als ungerechtfertigte Gewinnmitnahme.
Faustregel für Autofahrer zum Sparen gilt aktuell nicht mehr
Bis vor kurzem konnten sich Autofahrer laut ADAC auf eine Faustregel beim Sparen verlassen: Zwischen 19 und 22 Uhr war es tendenziell der günstigste Zeitpunkt zum Tanken. Morgens hingegen war es meist am teuersten Ausnahmen gab es zwar auch da teilweise, aber im Schnitt fuhr man lieber später als früher zur Tankstelle. Aktuell hingegen gibt es kein klares Muster mehr, an dem sich Autofahrer orientieren könnten – aber zahlreiche Preisänderungen pro Tag.
Tankstellenverbands-Sprecher Herbert Rabl würde daher eine Regelung wie in Luxemburg und Österreich begrüßen. Dort dürfe nur zu einem Zeitpunkt des Tages der Preis erhöht werden – in Österreich etwa mittags. Danach darf es nur noch nach unten gehen. Das Land Baden-Württemberg hätte das kürzlich im Bundesrat auch für Deutschland vorgeschlagen. „Das war eine kluge Initiative, die auch Verbrauchersicherheit herstellen würde“, sagt Rabl. Der ADAC hatte sich dagegen ausgesprochen und noch höhere Preise befürchtet.