Kommentar zum Thema Spritpreise: „Raketenpreise und Federantworten“

Von Benjamin Neumaier · 7. März 2026 um 05:00

Spritpreise steigen oft blitzschnell, sinken aber nur zögerlich. Die Branche verweist auf Marktmechanismen – doch für viele Autofahrer bleibt ein ungutes Gefühl. Ein Kommentar.

Wenn der Ölpreis steigt, dauert es oft nur Stunden, bis Autofahrer an der Zapfsäule mehr bezahlen. Fällt er, sinken die Preise dagegen nur zögerlich. Das Bundeskartellamt nennt dieses Phänomen nüchtern den „Rakete-und-Feder-Effekt“. Für viele Autofahrer fühlt es sich eher nach einem sehr bekannten Muster an: schnell kassieren, langsam entlasten. Die Branche weist den Vorwurf der Abzocke natürlich zurück. Verbände verweisen auf Wiederbeschaffungswerte, internationale Produktpreise und komplexe Lieferketten. Einzelne Konzerne wiederum schweigen gleich ganz oder verstecken sich hinter ihren Dachverbänden. Wirklich greifbare Antworten sind selten.

Dabei ist die Kritik nicht neu. Der ADAC beklagt das Muster seit Jahren, das Kartellamt beobachtet es ebenfalls. Gleichzeitig ändern sich Spritpreise an deutschen Tankstellen im Schnitt mehr als 20-mal am Tag. Transparenz für Verbraucher? Theoretisch vielleicht – praktisch nicht. Es bleibt nur, Preis-Apps zu studieren und auf den richtigen Moment zu hoffen. Transparenz in der Preisentstehung? Fehlanzeige!

Dass Steuern einen großen Anteil am Spritpreis haben, das stimmt. Doch das erklärt nicht, warum Preissprünge nach oben so viel schneller funktionieren als nach unten. Solange darauf keine überzeugende Antwort kommt, bleibt der Verdacht bestehen: Der Wettbewerb funktioniert offenbar besser beim Erhöhen als beim Senken der Preise. Und der Ärger der Autofahrer ist mehr als verständlich.