Preise für Benzin und Diesel schießen in die Höhe: Das sagt das Bundeskartellamt dazu

Von Christoph Eberle · 5. März 2026 um 06:06

Der eskalierte Nahost-Konflikt zwischen dem Iran sowie Israel und den USA ist erst ein paar Tage alt. Und schnell schossen die Preise für Benzin und Diesel in Deutschland in die Höhe. Viele Leser fragen sich: Warum ist Sprit nun so teuer, obwohl der noch mit günstigerem Rohöl produziert wurde? Was das Bundeskartellamt dazu sagt.

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Der Griff zur Zapfpistole ist aktuell ein teures Vergnügen für Autofahrer. Schon vergangene Woche kletterten die Preise für Benzin und Diesel auf ein Niveau wie zuletzt 2024. Als Experten am Wochenende im Zusammenhang mit der Eskalation des Nahost-Konflikts mit einem Anstieg der Preise für Rohöl rechneten, machte sich das ebenfalls durch weitere Preissteigerungen bemerkbar. Und seit Wochenbeginn ging es noch einmal rasant nach oben.

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Je nach Tankstelle, Ort und Uhrzeit liegt der Literpreis zeitweise sogar über der Zwei-Euro-Marke. Die Esso-Autobahntankstelle Donautal-West an der A3 bei Passau schaffte es sogar als „Deutschlands teuerste Tankstelle“ in die Bild-Zeitung. Wie berichtet, verlangen viele Tankstellen an der Autobahn generell erhöhte Preise. In Kombination mit dem aktuellen Preisniveau ergab das zeitweise einen rekordverdächtigen Literpreis von 2,479 Euro bei Super.

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Viele Leser fragten sich daher: Wie kann es sein, dass der gestiegene Rohöl-Preis den Sprit so schnell teurer macht? Was macht das Bundeskartellamt, beziehungsweise kann es überhaupt etwas dagegen tun? Die Mediengruppe Bayern hakte bei der Behörde nach.

So stark stiegen die Spritpreise seit Kriegsbeginn

„Nach Beginn der Militärschläge sind die Benzinpreise bis heute Mittag um rund 16 Cent und die Dieselpreise um knapp 25 Cent gestiegen“, sagte der Leiter des Bundeskartellamtes Andreas Mundt am Mittwoch. Super E5 und Diesel kosten ihm zufolge momentan im Schnitt 2 Euro pro Liter, E10 liege mit 1,95 Euro pro Liter etwas darunter. Im Vergleich zu Mitte Februar würden die Steigerungen knapp 19 Cent pro Liter Benzin und über 28 Cent pro Liter Diesel betragen.

An einer Eni-Tankstelle im oberösterreichischen Handenberg an der vielbefahrenen B156 zwischen Braunau und Salzburg kostete der Liter Super am Mittwochabend nur knappe 1,63 Euro. - Foto: Lippert

„Die Abstände der Tankstellenpreise beziehungsweise der Raffinerie- und Großhandelspreise vom Rohöl beobachten wir fortlaufend und engmaschig. Parallel dazu führen wir unser Verfahren im Bereich Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel fort, in dem wir etwaigen Störungen des Wettbewerbs nachgehen“, sagt Mundt weiter. Es gibt ihm zufolge aber kein kartellrechtliches Instrument, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen unmittelbar zu verhindern. Bereits die Erwartung an eine Zuspitzung der Lage habe die Beschaffungskosten und Preise in die Höhe getrieben.

Es gibt kein kartellrechtliches Instrument, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen unmittelbar zu verhindernAndreas Mundt, Leiter Bundeskartellamt

Warum sich Diesel noch mehr verteuerte als Super-Benzin

Tankstellenpreise orientieren sich laut Bundeskartellamt am wettbewerblichen Umfeld und den aktuellen Beschaffungskosten, da sie zu diesen Kosten ihren Kraftstoff nachbestellen. Ökonomisch gesehen seien das „Grenzkosten“ nach dem Motto: Was kostet die nächste Einheit, die ich einkaufen muss?

Auffällig: Der Abstand des Dieselpreises zu Super E5 ist stark gesunken. Mancherorts und zu manchen Zeiten ist der niedriger besteuerte Diesel zurzeit sogar teurer als Super. Laut Bundeskartellamt reagiert der Dieselpreis meist stärker auf geopolitische Verwerfungen. Das liege an der höheren Importquote. Rund 30 Prozent des in Deutschland verbrauchten Diesels werde direkt importiert. Im Vergleich dazu seien es bei Benzin nur etwa zehn Prozent.

Tankstellenverbands-Sprecher bezeichnet Preisgestaltung als „Abzocke“

Herbert W. Rabl, Pressesprecher des Tankstellen-Interessensverbands (TIV) als Vertreter der Tankstellen-Pächter bezeichnet die Preisgestaltung der Mineralölkonzerne im Gespräch mit der Mediengruppe Bayern als „Abzocke“. Was momentan in den Tankstellen und in den Zwischenlagern ist, sei zu einem bestimmten Preis gekauft und einkakuliert worden. Und dann sei der Krieg noch keine drei Tage alt, aber der Preis schon enorm in die Höhe geschossen. „Ich kritisiere ja nicht das unternehmerische Gehabe, sondern die Geschwindigkeit“, sagt er und hat durchaus Verständnis, dass man den Blick auch in die Zukunft richten und als Konzern auch vorsorgen muss, wenn der höhere Rohölpreis und die Transportkosten in der Lieferkette ankommen. Aber: Dass es innerhalb von drei Tagen von 1,75 Euro auf 2 Euro hochgeht, sei in seinen Augen eine ungerechtfertigte Gewinnmitnahme.

Was können Autofahrer tun, um zu sparen?

„Wir raten in dieser dynamischen Lage besonders dazu, kurz vor dem Tanken die Preise zu vergleichen. Gewohnte Faustregeln, etwa zu besten Tank-Zeitpunkten, sind momentan nur eingeschränkt oder gar nicht mehr gültig“, sagt Bundeskartellamt-Leiter Andreas Mundt. Eine solche Faustregel hatte etwa der ADAC-Südbayer für Autofahrer parat – laut Sprecher Bastian Hambalgo war es zwischen 19 und 22 Uhr tendenziell immer am günstigsten.

Immer mehr Verkehrsteilnehmer nutzen angesichts der aktuellen Situation die Preisvergleiche über Apps oder Internetseiten. So berichtet der Sprecher des ADAC-Südbayern davon, dass sich die Zugriffszahlen des Spritpreis-Vergleichs, den der Automobilclub anbietet, in den vergangenen Tagen deutlich erhöht hätten. Es seien sogar zusätzliche Server-Kapazitäten eingerichtet worden. Bei der Mediengruppe Bayern haben sich die Zugriffszahlen auf die aktuellen Tankstellenpreise in der Region in den vergangenen sieben Tagen mehr als verdoppelt.

Tanktourismus zieht an – aber auch in Österreich wurde der Sprit deutlich teurer

Bereits am Sonntag machten viele Autofahrer im Passauer Land einen Ausflug über die österreichische Grenze, um dort günstiger zu tanken. Mit 1,54 Euro für Super/E10 und 1,56 Euro für Diesel war etwa der Sprit am Abend an der Turmöl Tankstelle in Achleiten 18 Cent (Diesel) beziehungsweise 24 Cent (E10) günstiger als in Passau.

Inzwischen haben die Preise auch in Österreich deutlich angezogen. Das berichtet etwa die Tageszeitung „Heute“ mit Verweis auf Untersuchungen des Autofahrerclubs Arbö. Der ermittelte demnach, dass an einem Standort in Linz der Preis für einen Liter Diesel und Benzin innerhalb nur eines Tages um ganze 15 Cent stieg. In Österreich darf im Gegensatz zu Bayern nur einmal am Tag der Preis an der Zapfsäule erhöht werden.

Auch an der Turmöl-Tankstelle in Achleiten bei Passau ging es rasant nach oben: 1,779 Euro kostete der Litar Diesel am Dienstagabend – also 22 Cent mehr als am Sonntag. Beim Super waren es 1,649 Euro statt 1,539 Euro – also 11 Cent mehr. Der Preisunterschied zwischen Deutschland und Österreich ist beim Diesel dennoch gewachsen.

Am Dienstagabend waren die Preise an der Turmöl-Tankstelle im österreichischen Achleiten deutlich höher als noch am Sonntag. - Foto: Riedl/zema-medien.de

In Tschechien kann unterdessen noch deutlich günstiger getankt werden: Die Ono-Tankstelle in Strazny bei Philippsreut (Landkreis Freyung-Grafenau) meldete am Mittwoch auf ihrer Internetseite einen Preis von 34,50 Kronen beim Super und 33,90 Kronen beim Diesel. Das entspricht rund 1,42 Euro (Super), beziehungsweise 1,40 Euro (Diesel) – im Vergleich zu „Deutschlands teuerster Tankstelle“ an der A3 bei Passau macht das rund einen Euro Unterschied pro Liter aus.

Der ADAC Südbayern appelliert an Autofahrer dennoch genauer nachzurechnen, wie groß das Sparpotenzial ist. Denn weite Umwege fressen einen großen Teil der Ersparnis wieder auf.