Nahost-Konflikt befeuert Preise für Benzin und Diesel – soll ich am besten noch volltanken?

Von Christoph Eberle · 1. März 2026 um 19:24

Benzin und Diesel waren zuletzt so teuer wie seit 2024 nicht mehr. Der eskalierte Nahost-Konflikt zwischen Israel und dem Iran könnte die Spritpreise noch weiter nach oben treiben. Was Experten erwarten und ob man am besten noch frühzeitig volltanken sollte.

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Sprit war bereits in der vergangenen Woche so teuer wie seit über eineinhalb Jahren nicht mehr. Sowohl Diesel als auch Superbenzin seien binnen Wochenfrist teurer geworden, wie der ADAC meldete. Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Sonntags kostete ein Liter Super E10 1,6 Cent mehr als am Freitag, dem letzten Tag vor den Angriffen. Diesel verteuerte sich um 1,3 Cent. Für Benzin ist das der höchste Preis seit Juli 2024, für Diesel seit April 2024.

Nun könnten die Spritpreise durch die aktuellen Entwicklungen im Nahost-Konflikt noch einmal deutlich anziehen. Denn mit dem Iran haben Israel und die USA ein großes Ölförderland angegriffen. Zudem verläuft mit der sogenannten Straße von Hormus dort eine der der wichtigsten Verkehrsrouten für den weltweiten Ölhandel.

Geschlossene Meerenge ist wichtig für den weltweiten Rohöl-Transport

Die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman ist nur 50 Kilometer breit. Der Iran hatte in der Vergangenheit immer wieder gedroht, sie zu blockieren, etwa mit Seeminen. Nach den Angriffen Israels und der USA hat Teheran den Schiffsverkehr in der Meerenge vorerst gestoppt. 2024 passierten im Schnitt täglich etwa 20 Millionen Barrel Rohöl die Straße von Hormus – fast 20 Prozent des weltweiten Verbrauchs. Auch etwa ein Fünftel des weltweiten Handels mit verflüssigtem Erdgas (LNG) verläuft durch die Meerenge, hauptsächlich aus Katar.

Wäre die Straße von Hormus dauerhaft nicht mehr passierbar, könnten die Golfstaaten kein Öl mehr exportieren. Nur Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate verfügen über alternative Exportrouten über Pipelines für maximal rund 2,6 Millionen Barrel pro Tag. Katar, Kuwait, der Irak und auch der Iran selbst sind auf den Transport über die Golf-Häfen angewiesen.

Experte: Großhandelspreise für Öl und Gas werden zu Wochenbeginn merklich steigen

Nach dem Angriff auf den Iran sollen in Deutschland Benzin und Diesel, aber auch Heizöl und Erdgas teurer werden. „Die Großhandelspreise für Öl und Gas werden zu Beginn der neuen Woche merklich steigen“, sagte Steffen Bukold, Chef der Hamburger Beratungsfirma EnergyComment, dem „Spiegel“. Das werde sich in der Folge auch bei Heizöl und an der Tankstelle bemerkbar machen.

Angesichts der militärischen Eskalation ging auch die britische Bank Barclays von einem deutlich steigenden Ölpreis aus. „Die Ölmärkte ?könnten am Montag mit ihren schlimmsten Befürchtungen konfrontiert werden“, zitierten mehrere Medien aus einem Bericht der Bank vom ?Samstag. Demnach könnte der Preis für ein 159-Liter-Fass Öl der Sorte Brent auf 100 US-Dollar steigen. Noch am Freitag lag der Preis bei 72,48 Dollar – das war laut ADAC bereits nahe eines Mehrmonatshochs.

Und tatsächlich stiegen die Preise in der Nacht zum Montag, wenn auch nicht ganz so dramatisch. Die Notierungen für Brent-Öl aus der Nordsee und Rohöl aus den USA erhöhten sich in den ersten Handelsminuten um jeweils mehr als zehn Prozent. Dabei erreichte Brent-Öl in der Spitze bei 82,37 US-Dollar je Barrel (159 Liter) den höchsten Stand seit Juli 2024 und US-Öl bei 75,33 Dollar den höchsten Stand seit Juni 2025.

Zu möglichen Auswirkungen auf die Preise für Benzin und Diesel äußerte sich der ADAC am Wochenende noch nicht. Die Bild-Zeitung berichtete unter Berufung auf Marktanalysten, dass der Spritpreis um mehr als zehn Cent pro Liter anziehen könnte.

So entwickelten sich die Spritpreise am Wochenende an Tankstellen in der Region

Über die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe des Bundeskartellamts werden die Spritpreise von rund 15.000 Tankstellen bundesweit regelmäßig erfasst und etwa über Tank-Apps oder Internetseiten den Autofahrern zur Verfügung gestellt. Die Mediengruppe Bayern schaute die Zahlen vom Wochenende am Sonntagnachmittag stichprobenartig an. Tatsächlich war jeweils eine leichte Tendenz nach oben zu erkennen.

Hier finden Sie die aktuellen Benzin und Dieselpreise in Ihrer Region

An der Shell-Tankstelle in der Regensburger Straße in Passau:

• Am Samstag und Sonntag lag der Tageshöchstpreis bei Diesel gegen 5 Uhr bei 1,879 Euro und damit drei Cent über den Preisen der Vortage. Tagsüber schwankte der Preis rund um die 1,75 Euro-Marke, was ebenfalls rund drei bis fünf Cent mehr sind als noch am Freitag.

• Bei Super E10 wurde der Tageshöchstpreis am Samstag und Sonntag ebenfalls gegen 5 Uhr erreicht. Mit jeweils 1,879 Euro lag dieser zwei Cent über der Höchstmarke von Freitag.

Demensprechend herschte am Sonntagabend bereits größerer Andrang an der Turmöl Tankstelle in Achleiten (Österreich): Dort zahlten Autofahrer am Abend 1,54 Euro für Super95/E10 und 1,56 Euro für Diesel.

Die Preise an der Tankstelle in Achleiten am Sonntagabend gegen 19.30 Uhr. - Foto: Eberle

An der Esso-Tankstelle in der Manchinger Straße in Ingolstadt:

• Am Samstag und Sonntag war der Tageshöchstpreis bei Diesel zu Beginn der Öffnungszeiten um jeweils 7 Uhr mit 1,859 Euro erreicht. Das war ein Cent mehr als der Höchstpreis der Vortage. Am Donnerstag und Freitag sank der Dieselpreis jeweils gegen Mittags für rund eine Stunde auf einen Tiefststand von 1,669 Euro. Am Samstag gab es mittags zwar auch einen Tiefstpreis von 1,659 Euro – allerdings für einen deutlich kürzeren Zeitraum. Am Sonntag war Diesel ebenfalls mittags günstig zu haben – aber drei Cent teurer als am Vortag.

• Bei Super E10 war am Samstag und Sonntag der Tageshöchstpreis ebenfalls zu Beginn der Öffnungszeiten um jeweils 7 Uhr mit 1,859 Euro erreicht – die Sorte kostete damit genau so viel wie Diesel zu dieser Zeit. Am Samstag sank der Preis tagsüber bis auf 1,779 Euro. Am Sonntag war E10 zeitweise zwar mit 1,739 Euro zwar billiger als am Vortag, aber auch öfter nahe der 1,80-Euro-Marke oder knapp darüber.

An der Avia-Tankstelle in der Landshuter Straße in Regensburg:

• Am Samstag und Sonntag wurde der Tageshöchstpreis bei Diesel jeweils gegen 6.42 Uhr erreicht – am Samstag lag er bei 5 Uhr bei 1,879 Euro und damit vier Cent über den Höchstpreisen von Donnerstag und Freitag. Am Sonntag kostete Diesel in der Spitze mit 1,849 Euro einen Cent mehr als am Freitag. Tagsüber bewegte sich der Dieselpreis rund um die 1,75-Euro Marke herum. Der günstigste Preis wurde mit 1,709 Euro in der Nacht erreicht – verglichen zum günstigsten Preis am Donnerstag waren das aber bereits vier Cent mehr.

• Bei Super E10 wurde der Tageshöchstpreis am Samstag und Sonntag jeweils gegen 6.41 Uhr erreicht. Mit jeweils 1,849 Euro lag dieser sogar einen Cent unter der Höchstmarke von Freitag. Die Tagestiefstpreise lagen jeweils bei 1,709 Euro – und somit unverändert zum Freitag.

Wie kann man beim Tanken sparen?

Angesichts der aktuellen Lage in Nahost und der befürchteten Auswirkungen auf die Spritpreise ist ein Tipp, den Alexander Kreipl vom ADAC Südbayern der Mediengruppe Bayern kürzlich verriet, aktueller denn je: „Lieber den Tank ganz füllen, wenn man weniger als die Hälfte drin hat und man einen einigermaßen günstigen Preis erwischt. So läuft man nicht Gefahr dass man den Tank fast leer fährt und dann gezwungen ist, teure Preise nehmen zu müssen“, sagte verkehrs- und umweltpolitische Sprecher des Automobilclubs im Dezember.

Ein Sprung von 10 bis 15 Cent an einer Tankstelle innerhalb eines Tages sei laut Kreipl durchaus möglich – und das war schon vor der Eskalation des Nahost-Konflikts. Laut dem ADAC-Sprecher bewegen sich die Spritpreise im Schnitt ca. 10 bis 14 mal am Tag. Tendenziell am günstigsten sei es zwischen 19 und 21 Uhr. Ausnahmen bestätigen allerdings die Regel.

Kreipl empfiehlt daher Preisvergleiche über entsprechende Tank-Apps oder Internetseiten. Sogar innerhalb eines Ortes oder zur Tankstelle im Nachbarort könne es oft deutliche Preisunterschiede geben. Im Dezember gab es im nördlichen Landkreis Passau beim Diesel etwa zeitweise rund 20 Cent Unterschied.