Helfer der Kupferbande in Regensburg kommen mit Geldstrafen davon

Monatelang suchen die Haupttäter zig Großbaustellen in Regensburg heim. Nun ist das Urteil im Prozess gegen vier angeklagte Helfer gefallen. Einen von ihnen spricht das Landgericht frei. Selbst der Richter spricht von „ungewöhnlicher Strafe“.
Bei Verfahren, für die das Landgericht zuständig ist, geht es um eine Straferwartung von nicht weniger als vier Jahren. Dass bei einem angeklagten Bandenverbrechen am Ende drei Geldstrafen verhängt werden und ein Freispruch steht, passiert selten. Für vier angeklagte Helfershelfer der Kupferbande endete es aber so. Weil wohl „Rückschlüsse gezogen“ und „Verbindungen hergestellt“ wurden, die sich nicht bestätigten oder nachweisen ließen. So erklärte der Vorsitzende Richter Gaßmann das ungewöhnliche Urteil der Kammer.
Gezielt suchte sich die Kupferbande Großbaustellen in Regensburg aus, um Beute zu machen. Tonnenweise verschwanden über Monate hinweg Kabel und anderes, was sich leicht zu Geld machen lässt. Notfalls auch mit hoch professionellem Equipment, wie Abisoliermaschinen, die von den teils Kilometer langen Kabeln die Ummantelung entfernten. So wurde das Kupfer, zurechtgeschnitten in handliche Stücke, an Recyclingbetriebe geliefert.
Kupferbande späht die Objekte vorher genau aus
Die Fälle, die Ermittler der Regensburger Kripo über Monate hinweg beschäftigten, spielen im Jahr 2022. Was die Bauarbeiter tagsüber im Kasernenviertel in Regensburg verbauten, rissen die Täter nachts mit Gewalt aus Wänden und Kabelschächten. Bei den nächtlichen Raubzügen gingen die Männer sehr organisiert vor: Mögliche Zielobjekte wurden im Vorfeld ausgespäht. Zur Verarbeitung der Beute nutzten sie einen früheren Supermarkt in Regenstauf, eine Halle in Obertraubling, einen Container in Wenzenbach und eine Garage in der Stadt.
Im Juli 2022 erfolgt der erste Zugriff. Einige Wochen später wurden weitere Männer verhaftet, die sogar munter weitergemacht haben sollen. Die vier, die nun auf der Anklagebank saßen, waren von Anfang an im Fokus der Ermittler. Zum Kern der Kupferbande zählten sie jedoch nicht. Die sechs wichtigsten Köpfe wurden im Juli 2023 zu Haftstrafen verurteilt, einige bekamen aber Bewährung. Für die nun Angeklagten im zweiten Prozess um die Kupferbande endete es deutlich milder.
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Statt wegen schweren Bandendiebstahls, wie angeklagt, verurteilte das Landgericht drei von ihnen zu Geldstrafen zwischen 2100 und 7500 Euro. Für den vierten gab es einen Freispruch. Eine „ungewöhnliche Strafe für ein Verfahren vor der großen Strafkammer“, wie der Richter anmerkte. Doch die Beweisaufnahme habe gezeigt, dass in der Anklage Rückschlüsse gezogen und Verbindungen hergestellt wurden, die sich nicht belegen ließen. „Ohne Schuldzuweisungen“, wie Gaßmann betonte. „Wir gehen davon aus, dass diese Taten lediglich einfacher Diebstahl waren.“
Gegen den am Ende freigesprochenen Mann enthielten die Akten „eine ganze Reihe von Hinweisen und Indizien, die auf eine gewisse Beteiligung hindeuten könnten“, so das Gericht. Zu widerlegen sei das Gegenteil aber auch nicht. Der Mandant von Strafverteidiger Philip Roth hatte alles bestritten. Letztlich wurden die übrigen Angeklagten nur für das verurteilt, was sie über ihre Verteidiger Michael Frank, Christian Reiser und Urs Erös gestanden hatten. Sie waren mit an Tatorten und hatten Kupfer und Messing bei einem Recyclingbetrieb weiterverkauft.
Überraschendes Urteil wird sofort rechtskräftig
Der Prozess endete nicht nur mit diesem überraschenden Urteil, sondern auch deutlich früher als zunächst geplant. Zumal der Prozess holprig angelaufen war: Mehrfach fehlten Angeklagte oder kamen auch Zeugen nicht. Bis in den März waren eigentlich weitere Termine geplant. Der milde Richterspruch wurde noch im Sitzungssaal rechtskräftig. Alle Seiten, auch der Vertreter der Anklage, verzichteten auf Rechtsmittel.