Hoch gestapelt, tief gefallen: Mittellose Frau kauft für den „Kick“ Häuser für Millionen

38-Jährige kauft Immobilien für mehrere Millionen Euro, ohne einen Cent in der Tasche. Kommt die Frau mit Spiel- und Kaufsucht in Regensburg womöglich ohne Strafe davon? Geprellten Hausverkäufern präsentierte sie sich als verdeckte LKA-Profilerin, die groß geerbt hat – doch kein Wort davon ist wahr.
Es klingt wie aus dem DiCaprio-Film „Catch Me if you Can“, wo der US-Star als Hochstapler in immer neuen Rollen dem FBI entkommt. Die Frau, um die es vor dem Schöffengericht in Regensburg geht, kauft Häuser wie andere Leute Jeans. Bei den Immobilien mit Pool und mehreren Wohnungen in Schwaben beweist die 38-jährige Oberpfälzerin guten Geschmack. Von den rund 3,15 Millionen Euro, die ohne Maklergebühren dafür eigentlich fällig wären, zahlt sie aber keinen einzigen Cent.
Es gab ihr „einen Kick, beim Notar zu sitzen und Verträge über Millionen abzuschließen“, versucht sich ihr Anwalt zu Beginn des Prozesses am Mittwoch in einer Erklärung. Weil die Verträge mit den Maklern womöglich nichtig sind, will er einen Freispruch für die in der Vergangenheit vielfach wegen ganz ähnlicher Delikte schon verurteilte Frau. Der Prozess wegen Betrugs in fünf Fällen geht aber vorerst in die Verlängerung.
Geprellte Verkäufer blieben wohl auf Kosten sitzen
Im Verfahren geht es nicht um die Millionen für die Häuser. Die im April und Mai 2021 sowie im Juli 2020 bei Notaren abgeschlossenen Kaufverträge sind längst rückabgewickelt. Die Kosten dafür trugen offenbar die Verkäufer. Betrug wirft die Staatsanwaltschaft der 38-Jährigen vor, weil sie Maklergebühren von mehr als 100 000 Euro und Handwerkerrechnungen nie gezahlt haben soll.
Für zwei vermeintlich gekaufte Wohnungen soll die Angeklagte laut den Ermittlungen sogar Renovierungsarbeiten in Auftrag gegeben und Mietverträge mit Interessenten gemacht haben. Die Handwerker hätte sie auch bezahlen wollen und das nötige Geld gehabt, erklärt Anwalt Rainer Rockenstein für sie. Richtig sei auch, „sie hat die Urkunden unterschrieben und wollte diese Immobilien erwerben“. Wirksam geschlossene Verträge mit den Maklern sehe er aber nicht.
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Dass die Frau nicht im Ansatz die Mittel für diese Millionen-Geschäfte hatte, spiele aus seiner Sicht keine Rolle. Laut einer Vermögensauskunft bei einem Gerichtsvollzieher, die einer der Makler später einholt, hatte sie damals 100 Euro auf dem Konto. Im Januar 2021 war das, also gut ein Vierteljahr vor zwei der Fake-Hauskäufe. Obwohl sie gar keine Erinnerungen an die Zeit haben will, legt sie ein Geständnis ab. Es werde so gewesen sein, erklärt wieder der Anwalt. „Ich kann mir nicht erklären, dass ich da jemandem Schaden zugefügt habe“, sagte sie selbst auf Nachfrage. „Bei mir ist alles wie Nebel.“
Für Staatsanwalt Dr. Büchele „auch nur eine faule Ausrede“, wie er am Ende des Prozesstages kommentiert. Zu oft habe er das von der 38-Jährigen gehört, die vielfach einschlägig vorbestraft ist, wie durchklingt. Die neun Vorstrafen werden jedoch erst am zweiten Termin zum Thema. Zwei zusätzliche Prozesstage hat Richter Killinger angesetzt, nachdem ein Zeuge ohne Begründung nicht erschien, auf dessen Anhörung aber die Verteidigung pochte.
Rockenstein führt immer wieder an, dass die online angeklickten Zustimmungen zur Courtage der Makler nicht bindend und somit ungültig seien. Ein Vertrag sei nicht zustande gekommen, weshalb es weder einen Anspruch noch Schaden gebe – und damit auch nichts, was man der 38-Jährigen strafrechtlich vorwerfen könnte. Dass sie vor Notarterminen die Maklerverträge und Widerrufsbelehrungen sowie eine der Rechnungen unterschrieb, ließ er jedoch unkommentiert.
Auch Ex-Lebensgefährtin muss ihr „Lehrgeld“ zahlen
Beim Blick auf das, was Zeugen im Prozess schilderten, erscheint die Argumentation vom „Klick ohne Wirkung“ irritierend: Die Angeklagte nahm Hunderte Kilometer Anfahrt auf sich, um die Immobilien mit der damaligen Lebensgefährtin und ihren drei Kindern zu besichtigen. Dabei fabulierte sie von Mietshäusern in München, Erbschaften und der vermeintlichen Arbeit als LKA-Profilerin, die verdeckt ermitteln würde. Erst, als auch Monate später weder Maklerrechnungen noch Kaufpreise gezahlt und immer neue Ausreden von Krebs bis zum sterbenden Vater präsentiert wurden, schwante ihnen, dass alles wohl nur Betrug war.
Ich habe böse in die Tasche greifen müssen, musste sogar Insolvenz anmelden. Nur wegen der Kinder habe ich nie was unternommen.Auch die Ex-Partnerin der Angeklagten musste „Lehrgeld“ zahlen, wie sie als Zeugin erklärte
Bittere Erfahrungen scheint zudem besagte Ex-Lebensgefährtin gemacht zu haben: Weil sie ein von der Angeklagten nie bezahltes Auto abstottern und allerlei Rechnungen zahlte, rutschte sie in die Insolvenz. „Ich hab mein Lehrgeld gezahlt“, sagte sie, während die Angeklagte rechts von ihr mit tränenverquollenem Gesicht dasitzt. Die führte an, spiel- und kaufsüchtig gewesen zu sein. Von Relevanz war das laut eines Gutachters aber nicht.
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Dass die Frage nach der Gültigkeit der Maklerverträge juristisch nicht einfach zu beantworten ist, ließ Richter Killinger bereits durchblicken. Da zwei zusätzliche Prozesstage nötig sind, hat das Schöffengericht für die Antwort zumindest mehr Zeit. Ein Urteil gegen die Frau soll nach aktuellem Stand erst im April fallen.